Die Textverarbeitung Mellel hat nicht erst seit der neuen Version 2.6.1 einen guten Ruf, besonders unter den Geisteswissenschaftlern. Und insbesondere unter den eigensinnigen Leuten, die öfters mal in einem Text die Schreibrichtung wechseln wollen. Ja, Mellel bietet sich für nahöstliche Texte besonders an, was wohl auch seinem Ursprung zu schulden ist. Immerhin ist Mellel ein israelisches Produkt. Aber eines, das insbesondere mit der guten Einbindung von Bookends und Sente viele Akademiker zum Jubeln bringt. Und auch Typographen haben ihre helle Freude an dem Programm, ist doch die OpenType-Unterstützung vorbildlich, und der Textsatz schon fast so gut wie bei einem sauber aufgesetzten LaTeX-System.
Mellel hat aber auch einen schlechten Ruf, besonders unter Einsteigern und Word-Benutzern (ist das nicht dasselbe?). Es sei nicht intuitiv, nicht einleuchtend. Viele Leute beißen besonders bei der Stil-Verwaltung auf Granit. Anders als zum Beispiel bei Word- oder Nisus-Vorlagen werden die Stile nicht nur in einer .dot-Datei oder Ähnlichem gespeichert, sondern in globalen Stil-Sammlungen. Was mich bei meinen ersten Gehversuchen mit Mellel ebenfalls dazu brachte, des öfteren in meine Tischplatte zu beißen. Die zwar nicht aus Granit ist, aber massives Nussholz? Tut den Zähnen auch nicht gut.