Pen Tablets hatten mich eigentlich schon immer fasziniert. Allerdings waren da immer einige große “Aber”, welche gegen die Anschaffung eines solchen Tablets sprachen:
Zum einen war ich nie ein Graphiker oder Designer. Ich habe zwar immer schon gerne fotografiert, meist aber Bilder nie sonderlich bearbeitet (meine Bildbearbeitung war immer der “Löschen” Button). Um es kurz zu sagen: Das Nutzen/Preisverhältnis war in meinem Falle nicht gegeben. Bis ich im letzten Jahr von einem Kollegen auf das seinerzeit neue Bamboo Fun Pen & Touch aufmerksam gemacht wurde. Interessant war unserer Meinung nach die Tatsache, dass es sich nicht nur um ein reines Pen Tablet handelt, sondern dass das Pen & Touch eben auch Multi Touch Gesten Steuerung zulässt. Wir waren der Meinung, dass dies unter Umständen eine interessante Alternative zur Maus sein könnte.
Ich habe das gute Stück nun sechs Monate in Gebrauch, so dass ich glaube, dass es Zeit wird zurückzublicken, um zu sehen inwiefern die Maus von meinem Schreibtisch verschwunden ist oder nicht. Der Korrektheit halber möchte ich noch darauf hinweisen dass sich die hier beschriebenen Erfahrungen auf die in Hong Kong erworbene Version beziehen. Ob es Unterschiede zur europäischen Version gibt, konnte ich leider nicht prüfen.
Was ist drinnen?

Öffnet man die Schachtel, findet man dort selbstverständlich das eigentliche Tablet, den Stift, Ersatzspitzen für den Stift und zwei CD-ROM: 1 x mit Treibern und 1 x mit diverser Software, sowohl für Mac als auch Windows.
Auf die Software möchte ich eigentlich gar nicht großartig eingehen, da ich diese nie sonderlich intensiv genutzt habe. Die Installation von der CD geht kurz und schmerzlos. Nach gelungener Installation bekommt man ein schönes grafisch nett aufbereitetes Tutorial, welches einen in die Eigenheiten der Mausgesten einführt und bei dem man auch gleich festlegt, ob man das Tablet im Rechtshänder Modus oder im Linkshänder Modus betreiben möchte.
Das Tablett an sich misst 248 x 176 x 8.5 mm. Wir finden vier Buttons, welche mit eigenen Funktionen frei konfiguriert werden können. Neben den Buttons sind die aktiven Bereiche für Stift (147 x 92 mm) und der Touch Sensitive Bereich (125 x 85 mm). Das Tablett erkennt automatisch, ob man gerade den Stift oder den Finger zur Eingabe verwendet. Die Touch Eingabe kann aber auch über einen der vier Buttons abgeschaltet werden.
Die Stifteingabe
Ich habe nie mit anderen Tablets gearbeitet, aber ich vermute mal dass sich hier nicht viel zu älteren Modellen unterscheidet. Der Stift ist drucksensitiv, kann also beim “Malen” wie ein Pinsel eingesetzt werden. Strichstärke hängt dann davon ab, wie fest ich mit dem Stift auf das Tablett drücke. Was mir in diesem Modus gefällt, ist die Tatsache, dass im Stiftmodus der aktive Bereich eine Miniaturausgabe des Bildschirms ist. Wenn ich den Stift in der Ecke links oben ansetze, erscheint mein Mauszeiger links oben. Wenn ich nun den Stift entferne und rechts unten wieder ansetze, dann erscheint der Mauszeiger rechts unten im Bildschirm. Dies ist ein Feature, welches meiner Meinung nach auch in Büroanwendungen interessante Möglichkeiten der Steuerung gibt.

Die Handschrifterkennung funktioniert übrigens sehr gut. Man kann hier auf das OS X eigene Ink zurückgreifen, fast eine Spur besser ist das mit dem Pen & Touch gelieferte Bamboo Scribe 3. Wenn man das Lernprogramm einmal pro verwendete Sprache durchlaufen hat, werden auch wirklich übelste Handschriften erkannt. Ob dies auch für Mediziner-Handschriften gilt, habe ich noch nicht ausprobiert.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt bei der Handschrifterkennung leider dann doch, dies dürfte in deutschen Sprachraum aber vermutlich kaum jemand interessieren: die von Apple in 10.6 vorgestellte Handschrifterkennung für Chinesische Schriftzeichen funktioniert leider mit dem Pen & Touch nicht. Hierfür benötigt es das interne Touchpad der MacBooks. Wer allerdings dieses Feature benötigt, kann hier auf das sehr zuverlässig arbeitende Bamboo Scribe 3 zurückgreifen.
Die Multi Touch Eingabe.
Das Pen & Touch liefert Multi Touch Gesten zur Navigation am Rechner. Mit einem Finger bewegt man die Maus am Bildschirm, einmal kurz getippt schon hat man einen Linksklick , indem man zusätzlich mit einem 2. Finger auf das Pad tippt, führt man einen Rechtsklick aus. Es sind Gesten zum scrollen in Dokumenten, Fenstern und Browsern definiert. Es gibt Wischgesten, um zwischen Seiten hin und her zu blättern, und es gibt verschiede Gesten, welche einem bei Drag und Drop Operationen unterstützen. Zusätzlich kann man die Größe von Photos bzw. den Zoomfaktor in Dokumenten und Browsern mit einer 2-Finger Geste verändern, ebenso lassen sich Bilder per Geste rotieren. Die Gesten sind intuitiv, leicht zu erlernen. Standardbewegungen sitzen recht schnell, nur die Drag & Drop Gesten bedürfen etwas Übung, sind aber auch innerhalb der ersten fünf Tage der Benutzung zu meistern. Doch nun die große Frage:
Ist es ein 100% Mausersatz?
Ich würde sagen: Nein!
Es ist eher ein Ersatz für die Maus zu etwa 95%. Warum?
Für das Pen & Touch spricht vor allem seine Größe. Bei meinen bisherigen Note- und Netbooks hat mich immer die Größe das Pads gestört. Das war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Das Pen & Touch ist endlich ein Touchpad, mit dem es sich bequem arbeiten lässt. Die Hand liegt in entspannter Haltung auf dem Pad, während man mit dem Zeigefinger den Mauszeiger bewegt. Kurz getippt, um einen Link im Browser zu folgen oder mit auf dem Pad ruhenden Zeigefinger zusätzlich mit dem Mittelfinger getippt, um das Kontextmenü erscheinen zu lassen.
Es macht unglaublich viel Spaß mit dem Pen & Touch durch das World Wide Web zu navigieren, genauso schön und intuitiv kann man sich durch PDF Dokumente bewegen (aber nur mit Preview, nicht mit Adobes hauseigener Lösung). Scrollen in langen Texten oder Seiten ist einfach wunderbar. Per 2-Fingergeste scrollt man genauso präzise, wie mit einem Mausrad, wenn mein eine bestimmten Absatz auf einer Seite sucht, so kann man schneller scrollen, in dem man diese Geste mehrmals hintereinander ausführt. Dann bewegt man sich schnell durch die Seite, nach einiger Zeit wird das Tempo verringert bis zum Stillstand, so dass man sehen kann ob man zu weit gescrollt hat oder nicht.
Soweit so gut. Warum das Pen & Touch nun doch keine 100% erreicht, ist eigentlich ganz einfach: Operationen, welche mit Drag & Drop sowie mit Markieren von Textpassagen zu tun haben, sind leider nicht so einfach bzw. resultieren oft in verkrampften Fingern oder falschen Ergebnissen. So ist es z.B. sehr schwer, eine Textpassage zu markieren, weil man des Öfteren den ersten Buchstaben der zu markierenden Passage nicht trifft.
Auch kommt es leider vor, dass man eigentlich nur einen Klick machen will, um eine Anwendung zu starten, aber das Pad interpretiert den Klick als wollte man das entsprechende Objekt per Drag & Drop verschieben. Ich habe bereits aufgehört zu zählen, wie oft ich schon auf diese Art und Weise Icons aus dem Dock entfernt habe. Wenn man dann per Gesten im Finder arbeitet, kann ein solches versehentliches Ziehen schon mal bedeuten, dass man sich eine Datei in irgendeinen Unterorder verschiebt. Das sind Dinge die u.U. schon extrem lästig sein können. Auch kommt es immer mal wieder gerne vor: man surft im Internet und merkt nicht, dass man durch eine ungenaue Klickgeste noch im Markiermodus ist, und schon wird alles markiert, wenn man die Maus bewegt. Letzeres ist nicht wirklich tragisch, aber lästig.
Die Ungenauigkeiten beim Markieren und Verschieben von Objekten kann man oft ausgleichen, wenn man den Stift zur Hilfe nimmt. Da das Tablet automatisch erkennt was benutzt wird, kann man beides in Kombination verwenden. Kombiniert mit der sehr guten Handschrifterkennung und der Möglichkeit bei Bedarf Objekte sehr präzise mit dem Stift zu markieren und zu platzieren, eröffnet dies auch bei Bürosoftware interessante Möglichkeiten.
Es gibt allerdings auch Software, ist ist schlichtweg nicht geeignet, um mit Touchpads bedient zu werden. Dass es schwer bis unmöglich ist, einen Ego Shooter mit dem Pad zu steuern, kann sich vermutlich jeder denken. Aber auch z.B. Interfacebuilder ist meiner Meinung nach am ehesten für die Maus geeignet. Touchpad / Stift geht zwar, aber ist zumindest nicht mein Ding. Auch bei Tabellenkalkulationen habe ich ganz gerne die Maus im Einsatz. Wer gelegentlich plattformübergreifende Software verwendet (z.B. GNUCash), wird mit dem Pad nicht alle Optionen anklicken können, wie z.B. mit der Maus.
Zum Glück kann man zusätzlich zum Pen & Touch noch eine Maus an den Rechner hängen, ohne dass dieser durcheinander kommt. Nach sechs Monaten Einsatz sieht meine Konstellation so aus, dass ich neben der Tastatur und dem Pen & Touch noch meinen alten Trackball habe.
Zum Surfen, Ebooks lesen, also dem allgemeinen Konsum fertiger Inhalte, wird das Pen & Touch verwendet und wenn ich produktiv etwas arbeiten will, dann kommt der gute alte Trackball zum Einsatz.
Wie man das Pen & Touch einsetzt ist sicherlich persönliche Geschmacksache, ich selbst sehe den Erwerb definitiv nicht als Fehlkauf an, weil allein die Bildmanipulation mit dem Stift schon sehr viel Spaß macht und das Lesen in Dokumenten mit den Touchgesten einfach wunderbar ist.