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MultiMarkdown 3.0: Schneller, sauberer, ODT.

MultiMarkdown ist seit kurzer Zeit in Version 3 verfügbar. Die Art und Weise, mit der man einfach und – ganz wichtig – auch von Menschen gut lesbare, aber komplexe Dokumente erstellen kann hat sich nicht groß verändert. Im Hintergrund jedoch hat sich bei MMD (so meine bevorzuge Kurzschreibweise) viel getan. Abseits von neuen Möglichkeiten und nötigen Streichungen stellt sich die Frage nach der korrekten Installation und Konfiguration der MultiMarkdown-Pakete, die ich hier ansatzweise beantworte möchte. Ansatzweise? Ja, denn MMD lässt sich in alle möglichen Richtungen anpassen und optimieren, auf x Betriebssystemen, so dass ich mich hier auf die Basis am Mac konzentrieren möchte.

Entwarnung.

Wer schon länger mit MMD arbeitet muss sich nicht fürchten, dass alle Dokumente mit dem Wechsel auf Version 3 unbrauchbar werden: Am Syntax hat sich nichts geändert. Aber Penney hat sich beim peg-Markdown-Projekt von John MacFarlane bedient. Einem so genannten Fork. Kurz gesagt hat Penney das Projekt komplett angenommen; peg-Markdown ist mittlerweile MultiMarkdown 3. Oder MMD3 ein Fork von MacFarlanes Projekt, das wiederum ein Fork von MMD2 darstellt. Scheint technisch und wirr, aber aus Anwendersicht heißt das hauptsächlich:

  • Stabiler und schneller.
  • RTF-Export nur noch als Option, die jederzeit abgeschafft werden könnte.
  • Dafür gibt’s ODT-Export mit wenig Aufwand.
  • Sauberes LaTeX braucht neue Definitionsdateien.

Das klingt doch gar nicht sooo schlimm, oder? Gehen wir die Punkte einzeln durch.

1: Stabiler und schneller.

Dazu brauche ich nicht viel schreiben: MultiMarkdown 3.0 bringt mit dem re-geforkten und bereinigten Code klare technische Vorteile. Wer sich dafür interessiert, kann sich durch die Dokumentation wühlen. MMD läuft sauber auf allen Betriebssystemen, die eine Perl-Installation mitbringen oder zulassen. Ja, auch OS-X Lion oder Windows XP.

2. RFT-Export nur noch als wacklige Option.

Für mich als nichtwirklich-Techniker wohl die dickste zu schluckende Kröte. Aber: Realistisch betrachtet war die Ausgabe von RTF-Dokumenten schon immer nur ein Hack auf textutil-Basis. Aus der Basis-Installation von MultiMarkdown 3 sind die Skripte entsprechend rausgefallen. Im Support-Bundle findet man allerdings ein passendes Skript. Wie bis anhin funktioniert es nur am Mac und liefert „dank“ Apples Tool eher suboptimale Ergebnisse. Es ist konsequent, dass an dieser Stelle nicht mehr Zeit investiert wird. Für mich als zeitweiliger Nisus-Writer-Anwender ist es allerdings schade – zumindest so lange, wie der ODT-Import in Nisus nicht besser funktioniert.

3. ODT ahoi!

Hier kann ich mich auch kurz fassen: ODT wird direkt mit einem eigenen Skript ausgegeben. Es bietet das Nötigste, was MMD-Anwender interessieren dürfte; wer mehr Formatierungsoptionen möchte muss wie anhin zu TeX greifen.

4. LaTeX.

Die Skripte für LaTeX-Export haben sich grundlegend geändert. Also passen weder die alten XSTDs noch der Header-Aufbau, den man gegebenenfalls in seinen MMD-Dokumenten eingegeben hat. Der aktuelle Standard für den Header sieht wie folgt aus:

latex input: mmd-article-header

[Hier das Standard-Geraffel wie Titel, Autor, Copyright etc.]

LaTeX Mode: memoir
latex input: mmd-article-begin-doc
latex footer: mmd-memoir-footer

Bei „LaTeX Mode“ kann man natürlich auch eine andere Klasse mitgeben, sowohl Standards wie „letter” als auch eigene. Die drei wichtigen Zeilen sind die beiden latex input und latex footer; ersterer muss fix im Dokument stehen, letzterer kann je nach verwendeter Klasse weggelassen werden. Sonst läuft recht wenig.

Außerdem benötigt man für den TeX-Export das passende Zusatzpaket (welches u.a. das genannte mmd-article-begin-doc-Skript enthält) sowie eine UNIX-komforme TeX-Installation, damit die weiteren Zusätze gefunden werden. Hier zeigt sich, dass MultiMarkdown gerne auch außerhalb der Apple-Welt Fuß fassen möchte. Der Anpassungs-Aufwand für eine bestehende MMD-Installation beschränkt sich allerdings auf die drei genannten Punkte: Saubere LaTeX-Installation pflegen, Zusatzpaket installieren, Header anpassen.

Textmate.

Das Bundle für Textmate wurde grundlegend geändert. Etwaige alte Anpassungen in der eigenen Textmate-Installation verhauen die Funktionen, besonders den Export nach ODT oder LaTeX. Also besser ein Backup machen und die ganzen Bundle-Einstellungen neu erstellen, ja? Ja.

Schluss.

Ich hatte MultiMarkdown schon in verschiedenen Beiträgen angesprochen. Das Markup (ha!) sowie die dazugehörigen Skripte von Fletcher Penney basieren auf „Markdown“ von John Gruber. Ja, der mit dem wagemutigen Feuerball. Seit MMD 3 flucht er nicht mehr beständig über Penneys Abwandlungen, was man als gutes Zeichen interpretieren kann. Ob man Gruber-Fan ist oder einfach nur bequem Text publizieren möchte ist recht egal: Entweder-oder lohnt sich für Leute im schreibenden Umfeld ein Blick auf die aktuelle MultiMarkdown-Version.

Autor:

Geboren im schönen Jahr 1975 in der noch schöneren Schweiz, lebt Sascha nach einigen Jahren im auch ziemlich schönen Niedersachsen jetzt im wirklich schönen Kanton Thurgau. Er versucht sich seit einiger Zeit als freischaffender Autor, Schriftsteller und Fotomensch. Da er aber auch zwischendurch ein Bier konsumieren möchte, führt ihn das Finanzamt unter der Berufsbezeichnung «Texter». Könnte schlimmer sein.

7 Kommentare

  1. Super Artikel, dass ist echter Nennwert. Ich habe etwas ähnliches auch heraus bekommen aber über Twitter , es soll ein echtes Geheimnis sein .

  2. Ich habe schon ziemlich früh auf MMD3 umgestellt. Es läuft wirklich sehr gut. Obwohl man nun “direkt” LaTeX ausgeben kann, kommt man trotzdem nicht um eine umfangreiche Anpassung der XSLT Skripte herum, wenn man ein eigenes Layout (z. B. wegen CI) verwirklichen will. Der Weg über XSLT ist zwar langsamer, dürfte aber nur auffallen, wenn man wirklich lange Texte hat.

    Mit latex import und latex footer ist die Strukturierung um ein Vielfaches einfacher geworden. In MMD2 war schon ein bißchen mehr Gefrickel notwendig, um eigene Wünsche umzusetzen.

    Fletcher reagiert zwar sehr schnell auf gemeldete Bugs, stellt deswegen aber nicht zwangsläufig eine neu kompilierte Version zur Verfügung. Es empfiehlt sich deswegen, immer mal einen Blick auf github zu werfen.

  3. Ich selbst erstelle Dokumente im Docbook-Format (XML). Die Ansätze zu MMD sind aus meiner Sicht gleich (die Auszeichnung). Die XML-Dateien werden mit Hilfe von Stylesheets (XSLT) in ein Zielformat (XHTML, PDF) gebracht. Mich würde interessieren, wo hier die Unterschiede und Vorteile zu MMD liegen, da ja der Ansatz formatlos zu schreiben gleich ist. Aus meiner ersten Sicht, ist XML aber für die Weiterverarbeitung besser geeignet. Für Schreiberling kann ich z.B. den Editor XMLmind empfehlen, der die Docbook-Definition klar unterstützt.

    • Der Grund „für“ Markdown und später MultiMarkdown war der Wunsch nach einfachem Markup, das zu Textdateien führen soll, die auch leicht lesbar bleiben – weil sauber und ein bisserl vertraut formatiert.

      Ich arbeite nicht mit DocBook, aber die Beispiele auf Wikipedia sehen schon recht anders aus als MultiMarkdown-„Source“. Kannst Du vielleicht ein Beispiel für einen längeren Text verlinken? Würde mich interessieren. :)

      Zum Vergleich: Wie MMD-Texte aussehen siehst du hier:

      http://www.apfelquak.de/wp-con.....rkdown.txt

      Kursive Wörter werden z.B. einfach zwischen _Underscore_ gesetzt, Überschriften bekommen einen # vorgestellt, Listen wie man’s von E-Mails kennt als, nun ja, Listen ;) und so weiter.

      Wenn ich mir das Docbook-Beispiel auf Wikipedia anschaue sind die Ansätze nicht wirklich vergleichbar. MMD-Texte kannst du problemlos mit jedem Plaintext-Editor lesen und schreiben. Bei DocBook hast du mit solchen Editoren offenbar einen XML-Code vor Dir, definitiv schwerer lesbar und z.B. auf einem Smartphone nicht gerade einfach zu tippen.

      • Ich gebe Dir Recht, MMD-texte lassen sich besser lesen als die XML-Dateien, die ebenfalls mit einem Editor der Wahl gelesen werden können. Für einen XML-Fremden lenkt evtl. die starre Struktur ab, da XML generell hierarchisch orientiert ist und alles in Elemente (oder Tags) gefasst werden muss. Ein einfaches Buch würde in etwa so beginnen:

        8< ——————————————————————————————

        Ein Buch

        Ein kleines Docboock-Beispiel

        ManfredMustermann

        02.05.2008

        Version 1.0

        03.07.2011

        2008
        2009
        2010
        2011

        Manfred Mustermann

        Vorwort

        Blindtext

        Blindtext

        Erstes Kapitel

        Blindtext

        Stichwortverzeichnis

        8< ——————————————————————————————

        Docbook ist eigentlich nur eine Definition von XML-Elementen (XML selbst gibt keine Elemente vor, nur die Deklaration), die zum Schreiben von Artikeln oder Büchern notwendig sind. Gut zu erkennen an den Elementen wie "” und Dergleichen. Es gibt ebenfalls Elemente, um direkten Einfluss auf Wörter zu haben (kursiv, fett, unterstrichen). Hinzu kommt die genaue Strukturvorgabe; als Beispiel die Personen-Elemente (Manfred), sie dürfen nur unterhalb der Autoren-Elemente () stehen. Wer also die wichtigsten Elemente und die Strukturvorgaben kennt, kann dann natürlich direkt wie oben gezeigt loslegen. Ich selbst nutze den Editor XMLmind, der nicht mit Werkzeugen wie Nisus-Writer oder Olysses mithält. Er dient dazu einfach den Text zu schreiben, schlägt genau die Docbook-Elemente vor, die gerade konform der Vorgaben sind und speichert entsprechend alles in einer Textdatei ab, die dann so aussieht wie oben gezeigt.
        Diese strikte XML-Vorgabe mit den entsprechenden Elementen laut Docbook-Definition ist aber wichtig, damit die Weiterverarbeitung konform fortgesetzt werden kann. Es würden sonst keine Stylesheets (XSLT) entsprechend greifen, um den Quelltext in XHTML, PDF oder andere Zielformate bringen zu lassen. Und hier liegt aus meiner Sicht der Vorteil von Docbook und XML. Mit einem Knopfdruck habe ich aus meinem Quelltext eine XHTML-Ausgabe, für die Druckerei eine PDF-Datei und für eBook-Reader eine EPUB-Ausgabe erstellt.

        Mit den frei zur Verfügung stehenden XSLTs habe ich z.B. meine Notizen als XHTML-Seiten erstellt, wo ich das Aussehen nur noch per CSS angepasst habe (bei Interesse: http://www.schreibdichte.de/re.....index.html ).
        Ich habe mal einen Artikel zu Docbook geschrieben, der evtl. mehr Einblick bringt ( http://www.schreibdichte.de/20.....ook-format ).

        So wie ich das Vorgehen mit MMD von Dir lese, sieht es in etwa gleich aus. Mich würde aber interessieren, wie genau die Weiterverarbeitung aussieht, wenn ein MMD-Text mit Nissus-Writer oder Olysses erfasst ist. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass dann das Setzen des Textes mit LaTex erfolgt. Automatisch mit Skripte, oder mit den Werkzeugen wie Nissus-Writer, Olysses etc. sie bieten? Wie nimmst Du Einfluss auf die Gestaltung (Layout, Schriftart, Seitenränder, automatische Indizes, Bilder- und Tabellen-Verzeichnisse)? XHTML-Seiten sind ebenfalls schnell erstellt, das gehört wohl zum Standard-Repertoire des MMD-Paketes, wie werden aber EPUB-Dateien erstellt, die ja im Prinzip ebenfalls XHTML-Seiten sind.

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