iPad, Camera Connection Kit und Hotelzimmer: eine gute Kombination.

25. Februar 2011 · 8 comments ·

iPad im Hotelzimmer.

Das iPad wird gerne als reines Konsumgerät abgetan: Im Web surfen, Filmchen anschauen, spielen, mal eine E-mail? Kein Problem. Aber so richtig damit arbeiten könne man nicht. Ich schließe mich aus der Reihe der Kritiker nicht aus, muss aber nach einem Kuraufenthalt und dem entsprechend gepackten Koffer (zwei Digital-Kameras, ein iPad, Grippemittel) zugeben: Hey, zumindest für Hobby-Photographen taugt Apples Tablet auch als Arbeitsgerät. Und das besser als erwartet.

Was will ein Photograph mit dem iPad?

Kurz gesagt: Image-Tank. Ja, Speicherkarten sind preiswert, aber will man seine Originale tatsächlich nur auf den Karten wissen, wenn man ein paar Tage ohne Computer unterwegs ist? Je nach Menüführung hat man die Speicherkarte schneller (versehentlich) formatiert als die Blende eingestellt. Oder die Kamera wird im Café gestohlen, incl. der SD-Karte mit den Bildern der letzten drei Tage. Muss nicht sein, ein tägliches Backup ist immer sinnvoll.

Es gibt dezidierte Image-Tanks, die vollautomatisch Bilder von der eingestöpselten Karte saugen. Aber mit solchen Geräten kann man abends im Hotel keine Mails lesen oder Twitter aktualisieren. Oder den einen gelungenen Schnappschuss auf Facebook laden – den Schnappschuss, der so reingehauen hat, dass man nicht drei Tage mit der Veröffentlichung warten mag. So oder so hätte man noch ein Gerät im Koffer, dabei wollte man doch mit Handgepäck reisen. Deshalb ließ man ja auch sein MacBook daheim und hat sich stattdessen fürs iPad entschieden: Gewicht und Volumen waren wichtiger als ein vollwertiger Rechner. Ist es nicht schön, dass die Flunder auch gleich die Photos sichern kann?

Was braucht es dazu?

Apples Camera Connection Kit sowie, natürlich, ein iPad. Das wär’s. Besagtes Kit gibt’s für 20 Euro und kommt mit zwei Adaptern: einem USB-Anschluss, um Kameras direkt mit dem iPad zu verbinden, sowie einem SD-Kartenleser. Ich hatte letzteren dabei.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Leser an den Dock-Anschluss stöpseln und SDHC-Karte rein. Die Photo-Applikation öffnet sich, man wählt die gewünschten Bilder für den Import aus oder lädt gleich die ganze Karte aufs Tablet. Jeder Import-Vorgang erstellt ein eigenes „Ereignis“ auf dem iPad, die Übersicht bleibt gewahrt. Anschließend ist man angehalten, die Photos zu sichten und den Mist zu löschen, die Perlen können weiterverwendet werden.

Das iPad kommt mit allen RAW-Formaten klar, die auch OS X unterstützt. In meinem Fall waren dies .ORF einer Olympus Pen sowie die .RW2 der Panasonic LX-3. JPEG stellt allerdings den Königsweg dar; wer häufiger mit dem iPad arbeiten möchte tut gut daran, in RAW+JPEG zu schießen.

Weshalb denn JPEG?

Das iPad bietet ohne Zusatzsoftware keinen RAW-Entwickler an, es werden einfach die eingebetteten JPEG-Vorschauen angezeigt und weiterverwendet. Keine Bange, die RAWs werden nicht verändert und später ohne Probleme auf den Mac transferiert. Aber will man unterwegs etwas mit den Bildern anstellen, stehen lediglich die eingebetteten Vorschaubilder zur Verfügung.

Wer in JPEG photographiert hat hier einen klaren Vorteil: Zugriff auf Bilder in höherer Qualität. Bei meinen beiden Kameras jedoch werden die Vorschaubilder immerhin mit 960×720 Pixeln ohne all zu heftiger Kompression gesichert, womit sowohl einem Prüfen des Materials als auch dem etwaigen Upload zu einem Photodienst wenig im Weg steht.

Wie sieht denn ein möglicher Arbeitsablauf aus?

SD-Adapter ans iPad, Karte in den Adapter. Die Bilder aufs Tablet laden. Anschauen, sortieren, löschen. Kehrt man nach ein paar Tagen heim oder besucht sein Studio, werden die Originale vom iPad auf den Mac überspielt. Dazu benötigt man nicht zwingend Aperture oder iPhoto: Mit dem Image Capture Dienstprogramm lassen sich die Photos direkt auf die Platte kopieren; das iPad erscheint in der Seitenleiste als Kamera. Und hat man gerade etwas Bandbreite frei und muss auf den Zimmerservice warten, lassen sich JPEGs oder die RAW-Previews auch ins Netz stellen.

Wie lädt man denn die Bilder vom iPad hoch?

Das iPad lässt keinen Zugriff auf sein Dateisystem zu, also sind Mittler nötig. Einige Bilderdienste bieten dafür eigene Apps an. Für Smugmug nimmt man SmugShot – ja, eine iPhone-Applikation, aber fürs Laden reicht sie dicke aus. Ähnlich sieht es bei flickr aus. Die Dropbox-Applikation erkennt die Photo-Bibliothek auf dem iPad, hier kann man die Bilder bequem auswählen und in den Photo-Ordner laden. Auf Facebook bekommt man seine Bilder, indem man sich eine „Mobile-Mailadresse“ freischaltet: Photo auswählen und als Mail an besagte Adresse verschicken, fertig. Den Bildtitel schreibt man in die Betreffzeile.

Die aktuelle iOS-Version ist in Sachen RAW etwas wackelig, was die Wahl zwischen Originaldatei und JPEG-Preview betrifft. Beim Facebook-Upload hat es sich bewährt, das Bild 360 ° um die eigene Achse zu drehen, dann wird in allen Fällen beim „Mailen“ die JPEG-Vorschau ausgewählt. Laut Dokumentation sollte Mail so oder so die JPEG-Version nehmen, aber hier hat’s ein paar Mal die 10 MB RAW-Datei an Facebook verschickt. Drehen hilft.

Fazit?

Das iPad mit dem Camera Connection Kit macht genau das, was es soll: Bilder ab der Kamera oder von SD-Karte aufs iPad speichern, in der Photo-Applikation anzeigen, anderen Apps zur Verfügung stellen. Ist man daheim, werden die Original-Dateien problemlos auf den Mac überspielt. Für Profis, die in einem Shooting eine Handvoll CF-Karten füllen, ist das iPad nicht geeignet: Der Speicher ist zu schnell voll, als dass sich das iPad nur schon als Backupmedium anbieten würde. Hier wäre ein MacBook Air der bessere mobile Kompagnon.

Wer allerdings nur ein paar hundert Bilder pro Trip schießt kann mit dem iPad glücklich werden. Das USB-Modul des Connection-Kits kommt auch mit vielen Kartenlesern klar, womit CF, MemoryStick oder XD ebenfalls unterstützt werden. Und gegen die 600 Gramm in der Reisetasche haben nur wenige Notebooks einen Stich. Nach dem Konferenztag bzw. Thermengang Mails beantworten, im Web surfen, den einen oder anderen Film anschauen, Zombies plätten, aber auch Bilder sichern und hochladen? Transportabler und bequemer geht es zur Zeit für Apple-Anwender kaum.

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Siggi 25. Februar 2011

“Hey, zumindest für Hobby-Photographen taugt Apples Tablet auch als Arbeitsgerät.” Ähm, ja, nee, is klar!

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nggalai 26. Februar 2011

Was möchtest Du uns damit sagen, Siggi? Dass das iPad auch für Profis uneingeschränkt empfehlenswert ist, oder dass nicht einmal Hobby-Knipser etwas damit anfangen können?

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Robert 27. Februar 2011

Kann dir nur voll zustimmen!
Ich habe das auch jetzt schon mehrfach – mit Erfolg – praktiziert: iPad statt MacBook “on-the-road”, dazu das iPhone 4 als Kamera. OK, *das* taugt dann wirklich nur für Hobby-Knippser, aber da Video an Bord ist, zudem GPS, und die Synchronisierung mit dem iPad super, macht das ganze Sinn und Spaß. Die Einsparung an mitzuschleppendem Material (ein Netzteil für beide, Camera Connector und ein (!) Kabel) wiegt die paar Einschränkungen auf.

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Philipp 28. Februar 2011

Also ganz nachvollziehen, warum du jetzt RAW+JPEG fotografierst kann ich nicht. Ich fotografiere immer nur in RAW und hatte beim Import auf das iPad nie Probleme. Die Qualität der Bilder war absolut top – wie auch immer die gespeichert werden.. Ich bin mir nicht sicher ob da im iPad eine eigene JPEG Vorschau generiert wird, aber das RAW wird soweit ich weiß nicht selber dargestellt. Jedenfalls ist die Geschwindigkeit so hoch, dass ich nicht vermuten würde, dass es das RAW-File ist.

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nggalai 28. Februar 2011

Ich selbst schieße auch ausschließlich in RAW. Der RAW+JPEG-Tipp ist für diejenigen gedacht, die unterwegs / am iPad größere Photos benötigen. Zumindest mit meinen Kameras werden lediglich die eingebetteten Vorschaubilder der RAW-Dateien verwendet, es stehen also nur 960×720 zur Verfügung. Mir reicht das gut aus, andere würden vielleicht gerne größere Bilder hochladen.

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Autolycus 3. März 2011

Danke für den Tipp. Ich habe jetzt allerdings das Problem das mir beim Import der Bilder in Aperture für jeden Tag ein eigenes Projekt angelegt wird. Normalerweise kann ich beim Import immer angeben in welches Projekt (z.B. Urlaub 2011) die Bilder sollen. Diese Möglichkeit besteht anscheinend beim Import vom iPad nicht. Wie erledigt Ihr den Import ohne das hier mal 30 Projekte angelegt werden?

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Philipp 3. März 2011

Das Problem habe ich auch. Ich umgehe das einfach dadurch indem ich vorher ein entsprechendes Projekt anlege und die Bilder dann mit Cmd+Klick markiere und dann per Drag&Drop in das Projekt ziehe. Ne andere Lösung hab ich noch nicht gefunden

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insofern 15. April 2011

ich habe das auch mit Erfolg praktiziert. Auf dem iPad nutze ich Friendly for iPad und kann so meine Fotos hochladen.

In Facebook selbst schränke ich den Zugriff auf das Fotoalbum ein, wenn sie nur für die Lieben zuhause gedacht sind.

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