In Foren stolpert man immer wieder über die Frage: Wie kann ich mein MacBook kalibrieren und profilieren? Nachdem sich die „Kann man überhaupt nicht!!!“-Leute verzogen haben kommt meist wer daher, der was von Kolorimetern erzählt. So nach dem Motto: Kauf Dir einen dieser Mess-Dödel und jut is. Nicht erst seit meines gestrigen Versuchs, einem Freund aus der Ferne beim Einsatz besagten Dödels zu helfen, ist mir jedoch klar: Ganz so einfach ist es auch nicht. Entsprechend bespreche ich hier den Einsatz des Spyder3-Kolorimeters an einem MacBook (Pro). Ziel soll es sein, das Display auf brauchbare Photobearbeitung hinzubiegen.
Ja, heute wird’s mal ein bisserl praktischer als sonst. Und auch ausführlicher. Denn die letzten Beiträge in Farbmanagement 101 waren doch eher theoretischer Natur. Ich werde in diesem Artikel auch einiges relativieren, was ich zuvor idealisiert habe. Da soll noch jemand sagen, Schweizer seien unflexibel und renitent.
Versuchsaufbau
Man nehme:
- ein Spyder3-Kolorimeter von Datacolor,
- einen Staublappen,
- die beiliegende Software,
- einen schwarzen Pullover (Rollkragen nicht Pflicht),
- Zeit,
- Kaffee, Schokolade, Zigaretten etc. für die Warterei.
Die Spinne sei hier als Platzhalter zu verstehen. Obengenannter Kumpel hatte halt dieses Gerät zur Verfügung, hier fliegt auch noch eines rum, ergo … Dennoch: Ich empfehle die Spyder3 gerne. Für den Preis bietet sie wirklich vernünftige Leistung. Außerdem kann das Dingens mit Software von Drittanbietern betrieben werden, womit auch die Geeks bedient sind. Wegen dieses letzten Punktes rate ich immer zur Pro-Version, nicht „Elite”: Die Geräte sind baugleich, in den meisten Fällen reichen die Einstellungsmöglichkeiten der beigelegten Pro-Software aus und wer flexibler sein möchte ist mit basICColor display, iColor oder dem OpenSource-Projekt Argyll CMS eh besser bedient.
Eine Frage der Einstellung
Die Pro-Version der Datacolor-Software ist denkbar simpel gestaltet: Man startet sie, wählt eine Voreinstellung aus, drückt ein paar Mal „weiter“ und fertig ist die Laube. Zumindest theoretisch; in der Praxis muss man sich schon fragen, was man genau will.
Hier geht es um die Photobearbeitung. Der Ausrichtung des Mac-Displays sowie der üblichen Farbräume im semiprofessionellen Bereich geschuldet empfiehlt sich die Wahl von Gamma 2,2. Ja, ja, im Gradations-Artikel reite ich lang und breit auf sRGB und L* und so rum. Da aber sowohl der OS X-Desktop als auch Adobe RGB von Gamma 2,2 ausgehen, die sRGB-Tonwertkurve stark Gamma 2,2 ähnelt … Es ist einfach pragmatischer, auf 2,2 zu profilieren. Die Pro-Version lässt einem eh nur die Wahl zwischen fixen Gammas. Item.
Und wieder ja, ja: Der ideale Weißpunkt mag abhängig vom Umgebungslicht sein. Hier haben wir es allerdings mit einem portablen Gerät zu tun, das Licht ändert eh ständig. Es ist also recht egal, worauf man das MacBook einstellt. Ich empfehle 6500 Kelvin. Denn wieder: Photo? Adobe RGB geht, wie sRGB, von einem Weißpunkt von D65 (rund 6500 K) aus. Passt.
Sollte das MacBook bereits alt und die Hintergrundbeleuchtung durchgenudelt sein schaden die 6500 K allerdings mehr als sie nützen: Es müsste doch zu viel in der Grafikkarte verwurstelt werden, damit der gewünschte Weißpunkt erreicht wird. Bei einem solchen Gerät liegt „native“ nahe – das Verrechnen mit einem schrägen Monitorprofil kostet weniger darstellbare Farben als wenn man die Profilkurven heftig verbiegt, um doch noch den Ziel-Weißpunkt zu erreichen. Banding lässt grüßen.
Und die Helligkeit? Da ist bei der Spyder-Software Vorsicht geboten. Wählt man gemäß obigen Ratschlägen „2,2-6500“ ist alles in Butter. Mit „2,2-6500-LCD“ jedoch versucht die Spyder eine Luminanz von 120 cd/m² zu erreichen. Die Software kann aber nicht direkt auf den Helligkeitsregler im MacBook zugreifen. Die Luminanz wird also durchs Profil erzwungen, womit wieder Farben verloren gehen. Und überhaupt, sollte das MacBook die 120 Candela nicht mehr erreichen können? Dann verhaut’s die Tonwertkurve und man sitzt vor einem schlimmeren Bild als ohne Kolorimeter. Ergo – Finger weg von der LCD-Option! Stellt vorm Kalibrieren die Helligkeit so ein, wie ihr es braucht. Und dann fasst den Regler am MacBook nicht mehr an.
Das bedeutet auch: Automatische Helligkeitseinstellung sowohl in der Spyder-Software als auch in den „Bildschirme“-Präferenzen ausschalten! Ändert sich nach der Profilierung die Luminanz des Displays war die ganze Mühe umsonst. Bis vielleicht auf die zusätzliche Kippe im Aschenbecher, die Süchtige wie ich mit „aber ich musste noch kalibrieren …“ rechtfertigen können. Aber ich schweife ab.
Als letzte Option bleibt noch die Graubalance. Diese Funktion versucht beim Ausmessen des Bildschirms einen möglichst neutralen Graukeil zu erreichen. Insbesondere TN-Panels wie im MacBook verbaut haben ihre liebe Mühe, dunkle Töne ohne Farbstich darzustellen. Schaltet man diese Option ein, wird die Messung entsprechend korrigiert. Das kostet Tiefenzeichnung, dafür wundert man sich nicht über grüne oder rotstichige Schatten in den Photos. Ich empfehle, den Schalter an zu lassen.
Das wäre es für die Pro-Version der Spyder. Die „Elite“ hat deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten, ebenso die oben genannten Programme der Drittanbieter. Aber auf die Schnelle kann man damit ein anständiges Ergebnis bekommen. Also: Bildschirm sauberwischen, Mess-Dödel anbringen, Schokolade zücken und ab geht’s.
Caveat Calibrator!
Beim Ausmessen darf kein Licht direkt aufs MacBook fallen. Am Besten misst man den Bildschirm im Dunklen aus. Falls dies nicht möglich ist kommt der schwarze Pullover zum Einsatz: Der wird nach dem Anbringen der Spyder über Display und Gerät gehängt. Der Pulli (oder meinetwegen ein Badetuch, Hauptsache dunkel und lichtdicht) ist bei neueren Geräten auch so oft nötig – die Glasplatte verhindert, dass die Spyder direkt auf dem Panel aufliegt. Es kann ein wenig Licht unter den Sensor streuen oder die Bildschirm-Umgebung durch Brechung stören. Kann, muss nicht. So oder so ist es nicht verkehrt, den Monitor abzudecken.
Wie an anderer Stelle beschrieben zickt so manche Profilierungs-Software unter Snow Leopard rum, wenn mehrere Bildschirme an einem Mac hängen. Datacolors Programm ist da keine Ausnahme. Entsprechend gilt zur Zeit: Externen Monitor abziehen, bevor man loslegt. Und soll der Externe profiliert werden? Mac zuklappen, mit angeschlossener Tasta wecken. Einfach, um auf Nummer Sicher zu gehen.
Auch nicht verschwiegen werden darf das Kontrast-Problem. Wie weiter oben gezetert haben TN-Bildschirme oft Mühe mit einer sauberen Zeichnung in den Schatten. Aber Boah Ey, Kontrast! ist dermaßen zum Marketingargument geworden, dass die Hersteller auf eine vernünftige Grenze pfeifen. Hauptsache: Schwarz! Leider lässt sich beim beigelegten Programm kein Schwarzwert als Ziel vorgeben. Dabei wäre es nicht verkehrt, würde man sich beim MacBook mit 0,3-0,5 cd/m² begnügen. So geht zwar der Kontrast runter, dafür hat man noch genügend Zeichnung in den Schatten.
(Natürlich massiv übertrieben. Dient nur als Illustration etc.)
Mit der „Elite“-Lösung und Software der Drittanbieter ist eine solche Einstellung möglich und gegebenenfalls, je nach Bildschirm, empfehlenswert.
Das wär’s
Die Profilqualität der Spyder3 ist mit der „Pro“-Software ordentlich und reicht insbesondere für ein Notebook-Display dicke aus. In Kombination mit besseren Programmen – und sei es nur das kostenlose Argyll-CMS – trumpft die Spinne aber richtig auf und liegt nicht weit von den Ergebnissen teurerer Gerätschaften entfernt.
Enthusiastischen Spielkindern kann ich also nur nahe legen: Spart Euch das Geld für die „Elite“, besorgt Euch lieber bessere Software zur Pro-Spyder. Hat auch den entscheidenden Vorteil, dass bei etwaigem grenzenlosen Basteltrieb (oder gestiegenen Ansprüchen) gleich etwas Ordentliches auf das neue Kolorimeter oder gar Photospektrometer wartet …
(Model: dreizehntel, Erlaubnis nach drei Katzenkotzkeksen erteilt.)
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{ 10 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Update: Ein Bekannter hat mir gerade mitgeteilt, dass er keinen Unterschied zwischen den beiden Katzenbildern feststellen kann. Wenigstens war ihm bewusst, dass das wohl an seinem Notebook-Display liegt.
And here I was, considering this an overly-extreme example …
Wow! Der Frosch begrüßt mich mit Vornamen! Sehr aufmerksam.
Frosch, Spinne … where’s the difference?
also – ich sag einfach mal danke!
Du versorgst Apfelquak mit schoenen ausfuehrlichen (Rand)Beitraegen, die einen gewissen Geekfaktor nicht vermissen lassen.
Müsste man sich nicht eigentlich mehrere Profile erstellen, welche das Umgebungslicht dementsprechend berücksichtigen?
Ich habe konkret den Fall im Kopf, in dem man keinen schönen schwarzen Kasten um seinen Monitor hat, aber trotzdem tagsüber bei Tageslicht und abends bei Kunstlicht arbeitet. Die Farben kommen auf dem Monitor dementsprechend ganz anders?
Wenn ich einen schwarzen Pulli auf den Monitor beim Kalibrieren schmeiße, dann berücksichtige ich doch nur den Fall, in dem es auch im Raum völlig dunkel ist?
Mit Pulli gemessen wird lediglich dafür gesorgt, dass das Umgebungslicht weniger unter den Sensor streuen und das Messen beeinflussen kann. So werden die Fähigkeiten des Bildschirms exakter erfasst und der Profilierungs-Lauf kann ihn besser auf die gewünschten Zielwerte korrigieren. Es geht hier also um die Messgüte.
(Der Pullover ist bei den meisten handelsüblichen Bildschirmen unnötig, da der Abstand Sensor / Panel so gering ist, dass das Umgebungslicht kaum reinstreuen kann. Bei Glasplatten-Macs jedoch konnte ich deutliche Unterschiede in der Messgüte reproduzieren, wenn das Gerät bei unterschiedlichem Umgebungslicht ausgemessen wurde. Verschiedene Colorimeter sind da mehr oder weniger empfindlich für; das DTP94 setze ich auch am Macbook Pro ohne Abdeckung ein.)
Der Weißpunkt, auf den profiliert wird, soll idealerweise so gut wie möglich zum Umgebungslicht passen. Das ist losgelöst vom Messvorgang selbst; hast du auf z.B. 5000 Kelvin profiliert passt das Profil nur dann ideal, wenn auch durch kontrollierte Beleuchtung ein Umgebungslicht mit ~5000 K vorhanden ist. Da solche exakten, stabilen Arbeitsbedingungen außerhalb des Proofbereichs sehr selten sind stellt jede Wahl des Weißpunkts einen Kompromiss dar, immer.
Jedoch: Wie im Weißpunkt-Artikel beschrieben ist die Wahl der Farbtemperatur, auf die profiliert werden soll, im Consumer-Umfeld meistens Geschmackssache. „Stimmen“ muss der Weißpunkt nur für den direkten Vergleich zwischen mehreren Medien, z.B. Bildschirm und Photoausdruck auf dem Schreibtisch. Das Auge / Hirn gewöhnt sich sehr schnell an eine andere Farbtemperatur; was nach dem ersten Profilieren zu gelb oder blau erschien wird nach einer Weile als „Weiß“ wahrgenommen.
Vergleicht man also nicht ständig z.B. bei Mittagssonne und bei Kunstlicht Ausdrucke reicht ein einzelnes Profil mit dem Weißpunkt, der einem die meiste Zeit am angenehmsten erscheint.
Arbeitet man aber ständig in zwei oder mehr unterschiedlichen Lichtsituationen, oder hat einen stationären Rechner mit einer weißen Wand hinterm Bildschirm, können sich einzelne Profile pro Lichtsituation lohnen. Das ist jedoch selbst mir zu geeky, entsprechend kontrolliere ich Ausdrucke immer an der Tageslichtlampe und habe meine Rechner als Kompromiss auf 5800 K profiliert, was recht gut sowohl zur Lampe als auch als „Mischung“ zu den verschiedenen Lichtsituationen passt, die ich hier so erlebe.
Danke für die schnelle Antwort. Ich denke auch, dass es ein wenig zu geekig ist, vor allem wenn man „durchschnittliche“ Monitore hat.
Ich denke, dass ich in den nächsten Wochen wieder mal einen Kalibrierungsversuch starten werde. Das letzte Mal als ich mir den Spyder ausgeliehen habe, waren die Ergebnisse jedoch enttäuschend. Auch nach mehreren Proben war der Kontrast einfach zu hoch und so ziemlich alle Graustufen waren einfach nur noch schwarz, die Details dadurch vollkommen weg.
Vielleicht klappt es jetzt besser. Jedenfalls werde ich alle deine Artikel als Referenz heranziehen und zur Not ein wenig nerven.
Ich habe jetzt endlich den Spyder2 ausgeliehen bekommen, habe aber Probleme bei der Kalibrierung. Sowohl mit der Testversion von basICColor, als auch mit iColor bekomme ich den Fehler „illegal measurement data“.
Der Spyder scheint aber korrekt angeschlossen zu sein (zumindest sagt mir das der System Profiler und auch basICColor wenn ich das Gerät verbinde).
Ich dachte anfangs, dass es an OS X Lion liegt, doch mit Snow Leopard bekomme ich den gleichen Fehler. Hast du vielleicht eine Idee woran das liegen könnte?
Ich habe auch keine Möglichkeit gefunden bei basICColor oder iColor festzulegen, dass die Programme nicht mit der Helligkeit herumspielen sollen.
Kalibrierung ist echt mal etwas für Nerds… nervtötend ohne Ende
Tut denn die beigepackte Software von Datacolor? Eventuell ist die Spinne defekt – falls Du Dich nicht verschrieben hast und tatsächlich eine Spyder2 einsetzt, nun ja. Das Ding wird seit Jahren nicht mehr hergestellt und dürfte entsprechend „durch“ sein. Die damals verwendeten Gel-Filter halten nicht gerade lange.
Nein, verschrieben habe ich mich nicht. Das Teil ist tatsächlich uralt. Ich probiere mal die beigepackte Software, vermute aber mal, dass die gleichen Fehler auftreten werden. Schade, dass man das Problem nicht genau debuggen und den Ursprung exakt feststellen kann.