(Foto: smlp.co.uk)
Lange nicht mehr über GTD geschrieben. Aber langsam wird’s mal wieder Zeit. Denn wenn ich Apfelquak so lese, muss ich doch ein wenig Denkanstösse geben. Und solange mein GTD-Web2.0-Beratungs-Projekt zwar gestartet ist, aber noch kein Gesicht hat, muss ich das dort machen, wo die andere interessante Artikel stehen.
Grund für mein schreiben sind die “Fokus Tools”-Einträge eines werten Kollegen. Grossartikel Artikel nebenbei! Und das eine oder andere Gespräch mit Freunden.
In diesem Artikel möchte ich ein wenig tiefer in die Fokusierungs-Mythen eintauchen und Ursachen sowie Auswirkungen diskutieren. Beziehungsweise einen Anstoss dafür geben, warum das eine so nicht klappt/klappen wird.
Über das Thema GTD, Fokussierung, Motivation und auch ein klein wenig darüber, wie sich Depressionen auf uns auswirken, habe ich bereits mehrere Vorträge gehalten. Und möchte hier mal einen wirklich kurzen Überblick und hilfreiche “Tools” an die Hand geben, wie auch ihr eure Arbeit “gebacken bekommt”.
Getting Things Done statt Getting Nothing Done
Wissenschaftliche Studien haben bewiesen (Link leider verlegt), dass wir Menschen leicht aus der Fassung zu bringen sind. Arbeiten wir “vertieft” an einem Projekt und werden dann aus dieser Arbeit abrupt herausgerissen, etwa durch einen Telefonanruf oder einen Arbeitskollegen, brauchen wir einen enorm langen Zeitraum um wieder zum selben Vertiefungszustand zu kommen.
Wir fühlen das. Und wir fühlen uns nicht wohl dabei. Das nagt an uns und wir fühlen uns frustriert. So als würden wir “nichts auf die Reihe kriegen”. Viele kennen dieses Gefühl, ich im übrigen auch, und es zieht sich durch alle Berufsschichten durch.
Manche dieser Personen sind Programmierer. Und was macht ein Programmierer, wenn er das Gefühl hat ständig abgelenkt zu werden und ja nur deshalb “richtig” arbeiten zu können? Richtig, man programmiert sich da ein kleines Tool zusammen um die ständige Ablenkung loszuwerden. Zack! Mit der Fliegenklatsche direkt aufs Problem drauf. Die Ablenkung ist weg und jetzt kann man endlich anfangen richtig zu arbeiten.
Eine andere Art diese Ablenkungen zu reduzieren ist letztendlich, die Ablenkungen zu reduzieren. Einmal kurz auf Skype geschossen und weg ist das Ding. Einmal kurz auf die Mitgliedschaft im Jugendverein geschossen und weg damit. So reduziert man seine Teilnahme an allen möglichen sozialen Events um sich wirklich ganz und alleine auf seine Arbeit zu konzentrieren.
Doch ist das denn wirklich so? Können wir erst dann richtig gut arbeiten, wenn wir die richtigen Tools installiert haben?
Das halte ich für einen Irrtum, denn statt einfach zu arbeiten und darunter zu leiden wie es sich gehört verbringen wir also die Zeit damit durchs Internet zu surfen und “tolle Tools” zu finden die uns beim arbeiten “unterstützen”. Dabei wollten wir doch aufhören zu prokrastinieren
Ehrlich gesagt hat noch niemand etwas erfunden, dass mir meine Arbeit tatsächlich abnimmt oder leichter macht. Arbeit bleibt immer Arbeit egal was man versucht dagegen zu machen.
Mittel gegen Ablenkung
Als ich vor knapp 5 Jahren anfing mich mit Selbstmanagement, Zeitmanagement, sonst-was-Management auseinander zu setzen. Ging es mir wie den meisten Lesern. Ich war noch Student und hatte eine “wichtige Arbeit” abzugeben. Ich litt darunter endlich damit zu beginnen die Arbeit zu schreiben. Es war die Hölle. Ständig musste ich Emails checken, ich musste Twitter checken, ein Forum checken. Hauptsache alles machen, was nicht hilft diese Arbeit fertig zu kriegen. Das wurde so unangenehm, dass ich anfing irgendwelche “Tools” zu installieren, die mir dabei helfen sollten mich besser zu konzentrieren.
Man ahnt es vielleicht schon. Es hat nichts gebracht. Früher oder später musste ich mir eingestehen, dass nichts mehr hilft die Arbeit fertig zu schreiben als sie, naja…, eben zu schreiben.
Dabei haben mir aber ganz andere Dinge dabei geholfen als Tools. Nein, ich spreche nicht von Fleiss, nicht nur. Hier also ein paar Tipps um die Konzentration zu schärfen.
Abschalten – aber intelligent
Bestes Beispiel hierfür sind wahrscheinlich Emails. Viele von uns lassen ihren Email Client den ganzen Tag laufen, damit man sofort informiert ist, wenn eine Mail ankommt. Mein Mail Programm ist die meiste Zeit aus. Es gibt so was wie “feste Zeiten” an denen Emails abgerufen werden. In den anderen Zeiten nicht. Das ist ein Ritual und ich freu mich drauf. Ganz ehrlich gesagt ist es inzwischen so, dass ich gerne Mail zu mache, weil’s mich nervt wenn ständig neue Mails ankommen. Also weg mit dem Ding.
Der Ritus: Morgens nach dem aufstehen, mache ich das was viele Leute machen. Ich informiere mich über die Welt. Mail an, Twitter an, RSS-Reader an, Chat an. Und dann erstmal alles lesen. Schön der Reihe, oder auch durcheinander, das ist nicht so wichtig. Nebenbei einen leckeren Tee und Frühstück. So verbringe ich dann knapp eine Stunde. Danach geht’s zum duschen und dann ab in die Arbeit. (Naja…komme ich gleich dazu)
Ab in die Arbeit heisst “abschalten”. Nicht mein Gehirn sondern Twitter, Mail und RSS-Reader. Ich muss nicht ständig informiert sein wenn irgendjemand einen Furz auf Twitter postet. Ich muss nicht sofort der erste sein, der mitbekommt sobald bei Lachhaft ein neuer Comic erscheint. Das bringt mir nichts – jedenfalls nicht für die Arbeit. Das ist Amüsement und Entertainment. Das macht Spass! Aber es hat eben in der Arbeit nix verloren. Also schliesse ich meinen Mail Client.
Sollte ich dann doch mal eine äusserst wichtige Email bekommen, wird derjenige wahrscheinlich auch meine Telefonnummer haben und mich anrufen, wenn er was will. Und mal ganz ehrlich, die meisten Emails sind nicht so wichtig, als dass man sofort darauf antworten müsste.
Feste Zeiten
Meine festen Zeiten haben sich so entwickelt. Das ist irgendwann automatisch passiert. Lange habe ich nicht gewusst warum, jetzt weiss ich es. Und allein das Wissen darum hat mir geholfen dieses System zu optimieren.
Unser Arbeitstag ist biologisch gesehen in Phasen unterteilt. Es gibt beispielsweise den Begriff der Eule und der Lerche. (lesenswert!)
Lerchen sind die typischen “Frühaufsteher”. Früh raus aus dem Bett und dann mit aller Wucht dem Tag entgegen schreien und sofort loslegen. Gegen Abend werden Lerchen dann früher müde, wohingegen Langschläfer zwar früh schwerer in die Gänge kommen, aber Abends länger durchhalten.
Es macht nun Sinn sich seinen Tag so einzuteilen, dass man mit seiner biologischen Uhr tickt. Wer früh das Gefühl hat jetzt leg ich aber mal los, sollte das auch tun. Aber bitte kein schlechtes Gewissen haben, wenn es um die Mittagszeit nicht so gut klappt. Denn es ist nicht etwa die eigene Unfähigkeit sich nicht “richtig konzentrieren” zu können, sondern es kann auch einfach sein, dass uns unser Körper daran hindert. Warnsignale aussendet “Mach mal kurz ein bisschen langsamer, ich brauch mal ein paar Minuten”. Nach einer kurzen Pause geht’s dann auch wirklich wieder besser. Bei mir sind früh und später Nachmittag gute Arbeitszeiten. Danach “hänge” ich meist nur so rum.
Der Unterschied ist, sich deswegen kein schlechtes Gewissen zu machen! Den ein schlechtes Gewissen zu machen, macht uns ein schlechtes Gefühl und wir fangen an uns beim arbeiten noch schlechter zu fühlen. Das ist dann ein typischer Teufelskreis. Wir haben eine negative Einstellung zur Arbeit, während wir arbeiten bauen wir weiter negative Energie auf, die wir dann wieder in negative Assoziationen stecken.
Dagegen ist es viel einfacher zu akzeptieren, dass es manchmal eben einfach nicht so gut läuft. Shit happens! Und wenn schon, in ein oder zwei Stunden sieht das schon wieder ganz anders aus.
Szenenwechsel
Oftmals haben wir das Gefühl zuhause fällt uns “die Decke auf den Kopf”. Ich habe hier irgendwo mal geschrieben, dass ich nach dem duschen in die Arbeit gehe. Viele die, wie ich, am Rechner arbeiten wissen, dass “arbeiten gehen” nicht wirklich mit körperlicher Bewegung zu tun hatte. Ich bewege mich keinen Meter um “in die Arbeit zu gehen”. Ich verharre vor diesem Teil hier bis ich Abends ins Bett gehe.
Aber es hilft mir trotzdem die Szene zu wechseln. Es ist, auch wieder wissenschaftlich, auch hab ich wieder den Link verlegt, erwiesen, dass unsere Produktivität steigt, sobald wir uns in eine Umgebung verfrachten in der gearbeitet wird. Zuhause wird eben nicht gearbeitet sondern iTunes gehört und Podcasts geschaut.
Mit tut der Szenenwechsel übrigens enorm gut. Das empfinde ich als eine der wohltuendsten Arbeitserleichterungen die es gibt. (Es gibt noch andere Self-Commitments, Commitments generell finde ich ganz toll.)
Positiva
Also raus mit der schlechten Energie, rein mit der guten. Tai Chi!
Falls ihr die Chance habt den Film “The Secret” in die Finger zu bekommen, würde ich ihn euch ans Herz legen. Nicht weil es darin um irgendwelche “magischen” Kräfte geht die in unserem Universum existieren. Sondern vielmehr weil dieser Film die Idee, wie man positive Vorstellung dazu nutzen kann irgendwas zu erreichen, sehr anschaulich rüber bringt.
Neulich wurde ich mal gefragt, warum ich denn “alles so leicht nehme” und “mit Humor” und “irgendwie trotzdem alles hinbekomme”, obwohl ich “so hart arbeite und erfolgreich bin”. Ich sehe das einfach nicht so eng. Ich kann nicht von heute auf morgen ein Projekt zum Erfolg bringen. Es ist unmöglich eine gewisse Sache auf biegen und brechen herbei zu sehnen. Ich muss konstant daran arbeiten. Und koste es was es wolle fertig bringen. Natürlich ist das ätzend! Ich hasse es manche Tage. Aber das macht mich auch froh. Manchmal scherze ich “Oh, dieses bescheuerte Projekt bringt mich um!” Aber das macht mich kurzfristig so glücklich, damit ich weiter arbeite.
Wie kann man also positive Vorstellungen bekommen? Gerade gestern wurde ich das gefragt. Wie kriege ich das fertig so verdammt positiv meiner Zukunft entgegen zu lächeln? Da ich fast 30 bin hat sich meine Einstellung zum Leben mehrfach verändert. Ich habe ein klares Bild von dem was ich einmal sein und tun möchte.
Dann stelle ich mir die Gesichter ehemaliger Schulkameraden an, wie sie in einigen Jahren auf einem Klassentreffen mich wiedersehen und vor Neid platzen, wenn sie erkennen, dass ich als einziger den Mumm hatte zur Uni zu gehen, mein Diplom, dann meinen Bachelor und nun meinen Master zu machen, mich selbständig zu machen und verdammt nochmal den Plan hege Kinder in die Welt zu setzen und auch die noch mit durchzufüttern und gross zu ziehen. Da gehört Schneid dazu und ich weiss ihr könnt das auch!
Also stellt euch vor was ihr mal machen wollt. Fangt an herum zu spinnen über die Zukunft. Schreibt es auf und versucht euch dann vorzustellen wie begeistert jeder sein wird, wenn ihr dort angekommen seid!
Fazit
Ablenkung eliminieren heisst Leute umbringen! Warum ich das so krass sage, Menschen lenken uns auch ab, genauso wie Twitter und Co. Um der Ablenkung Herr zu werden. Bringen wir diese Dienste um – mit Tools und Helferlein. Doch im realen Leben funktioniert das so nicht. Ich kann nicht einfach meinen Chef oder Kollegen umbringen nur weil sie mich bei irgendwas stören.
Ich muss das akzeptieren, reagieren und damit umgehen. Basta!
Auch wenn es schwer ist sich zu konzentrieren und wir oft darunter leiden. So ist es doch kontraproduktiv alles gleich immer mit dem Hammer erschlagen zu wollen. Da du Ablenkung, nimm das!
Stattdessen hilft es wirklich sich mit seiner Arbeit anzufreunden und sein Leben normal weiter zu leben. Man muss nichts aufhören, nur damit man mehr Zeit hat für die Arbeit. So funktionieren wir nicht.
Ich hoffe dieser Eintrag hilft euch “auf die Reihe zu kriegen” und euren Arbeitsalltag zu “erleichtern”. Ich weiss inständig, dass ihr keine “Versager” seid, sonder grossartige Menschen die noch grossartigeres Leisten können.
Zum Schluss noch ein kleiner Link zu einem Artikel von neues darin geht es, dass wir im “digitalen Zeitalter” vielen Reizen ausgesetzt sind und deshalb leichter ablenkbar sind.
Herausstechendster Satz für mich war, dass wir langsam damit anfangen müssen uns wieder an Single-Tasking zu gewöhnen.


{ 31 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Ah, sehr geil. Und das sag ich nicht nur, weil Dein Artikel meine Einstellung und Meinung widerspiegelt. Ich werde meistens schräg angeschaut, wenn ich in einem Text was von „Man könnte ja auch einfach Skype/ICQ/Twitter/etc ausschalten, statt zu verstecken …“ schreibe.
Und das mit den festen Arbeitszeiten ist da eine gute Steigerung von. Ich verweise auch gerne auf diese alte Glosse von mir zum Thema:
http://sascha.nggalai.com/kolumnen/10_buttertexter.php
Ist erstaunlich, wie viel „produktiver“ man mit dem Ansatz, den Du sehr anschaulich beschreibst, werden kann. Da reißen auch WriteRoom oder Blinds oder weiß Gott was nicht mehr aus.
Danke!
Bei solchen Artikeln kann man endlos weiter schreiben. Vielleicht schreibe ich ja mal ein Buch. “The World According To Zettt” oder so.
Das mit den ausgeblendeten Programmen kann ich nur insofern nachvollziehen, als das man ein wenig Speicher spart, wenn diese nicht laufen.
Ich finde den Artikel wirklich super. Lediglich die fast amerikanische Art der Selbstbeweihräucherung finde ich persönlich ein wenig störend. Aber nur ein klein wenig. Dem Kern der Aussage tut es keinen Abbruch.
Beweihraeucherung? lol Wo denn? Wie denn? Was denn?
Nur weil ich stolz darauf bin kein Normalo-0815-Mensch zu sein?
Hier noch 2 Links die ich wizitgerweise grade gesehen hab.
http://zenhabits.net/2010/03/300-word-positivity/
http://karrierebibel.de/selbsterfullende-prophezeiung-nutzen-sie-sie-zur-motivation/
Super Artikel. Gerne mehr davon
Gerade weil ich mich als Student auch schon mit GTD und allem was es dazu gibt herumgeschlagen habe und inzwischen bei dem gleichen Ergebnis angelangt bin.
Puh, lange nicht soviele Rechtschreibfehler und falsche Groß-/Kleinschreibung gesehen. Das lenkt mich total vom Inhalt ab
Hallo,
klasse Artikel. Spiegelt auch meine Einstellung wider. Nur leider ist die heutzutage so schwer mit anderen zu vereinbaren. Ich habe auch versucht feste Mailzeiten einzuhalten. Morgens, 12Uhr und 18Uhr. Doch das resultiert in grossen Streitereien mit Leuten, die Dinge innerhalb der kommenden 10min nach Absenden einer Mail erledigt haben wollen.
Meine Frage daher: Wissen Deine Sender, dass Du feste Zeiten hast zu denen Du deine Mails abrufst?
Gruesse, Alex
@Karl: Aha, du bist also auch einer dieser typischen Deutschen!
@Alex: Hmm nein das wissen die nicht. Aber nur, weil jemand anderes etwas in 10 Minuten erledigt sein muss, lass ich mir das nicht immer zu meinem Problem machen.
Soll der Mensch also warten. (Je nach Situation, manchmal ist es tatsaechlich wichtig sofort zu handeln. Beispielsweise wenn jemand auf meine Reaktionwartet, damit er wiederum weiter arbeiten kann.)
Zettt, Du fasst einen Großteil meiner bisher gewonnen Erfahrung zum Thema “Fokussiert Arbeiten” sehr bildlich zusammen. Bravo.
Insbesondere Deine Formulierung des schlechten Gewissens bei ausbleibendem Arbeitserfolg finde ich klasse. Genauso ist es. Wir haben von Kind an durch unser soziales Umfeld gelernt produktiv sein zu müssen, aber leider dabei nicht gezeigt bekommen, wie wir mit schlechten, unproduktiven Tagen umgehen können.
Das schlechte Gewissen abzustellen ist jedoch sehr schwer. Das müssen wir uns hart erarbeiten. Ein Ansatz den ich dazu verfolge ist es, eine Liste aller Aufgaben zu führen, die ich bereits an diesem Tag erledigt habe. So kann ich zurückblicken und weiß, dass obwohl der Tag nicht gut läuft, dennoch etwas sinnvolles passiert ist. Wenn ich merke, dass ich müde und verbraucht bin und einfach nichts mehr geht, dann gehe ich bewusst früher nach hause oder zum Sport — so nutze ich die Zeit sinnvoll, anstatt im Büro vor mich hin zu dösen (s. [1])
Ablenkungen und damit verbundene Menschen “umzulegen” ist jedoch viel zu drastisch formuliert; genauso durch Abschalten und Reduktion der Störeinflüsse am sozialen Leben nicht mehr teilzunehmen.
Du schreibst es selbst, Multitasking funktioniert nicht (s. [2]) und man solle konsequent sein. Du hast Recht! Wenn man arbeitet, soll man arbeiten. Wenn man sich ablenken lässt, macht man etwas spaßiges. Jedoch sollte man es eben konsequent und bewusst machen. Ich entscheide bewusst, wann ich mich abkapsle und wann ich “online” bin, um sinnvoll zu arbeiten und sinnvoll auszuspannen. Eine Sache zur gleichen Zeit (s. [3])
Vielen Dank für Deine Zusammenfassung. Diese Themen sind in der englischsprachigen Blogwelt sehr viel weiter verbreitet als bei uns. In meinem Blog [4] schreibe ich genau über solche und weitere Themen, die die moderne Arbeitsform mit sich bringt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Du, Zettt, Dein Projekt fortführst. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mehr solcher Blogs mit unterschiedlichen Erfahrungen brauchen, um besser zu arbeiten und glücklicher zu sein.
[1] http://überallbüro.de/2009/11/fokus-oder-immer-dran-bleiben/
[2] http://nymag.com/news/features/56793/
[3] http://überallbüro.de/2010/01/konzentration-oder-nicht-ablenken-lassen/
[4] http://überallbüro.de/
Noch etwas in subjektiver Sache.Mir fällt auf Apfelquak in letzter Zeit eine gewisse negative Einstellung der Leser gegenüber den Autoren auf. Es wird mit Artikeln verbundene Werbung für eigene Projekte bemängelt, Hinweise der Autoren auf eigene Blogs angekreidet und persönliche Erfahrungen als amerikanische Selbstbeweihräucherung abgetan.
Apfelquak ist ein Social-Blog, der von freiwilligen, selbstständigen Autoren lebt. Dass diese ihre eigene Projekte auf Apfelquak ansprechen, ist sehr postiv, man lernt aus erster Hand; gerade weil die Autoren eigene Projekte und Erfahrungen haben.
Ich bin alt und selbstständig genug, um Links, Werbung etc. entsprechend zu bewerten und bin mir sicher, dass die meisten Leser es auch können.
Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir wieder über Inhalte und nicht über Links, Blogs und Selbstreferenzierugen diskutieren würden.
Oh, ich werde alt. Alzheimer. Hatte mich erst vor wenigen Wochen dazu ausgelassen …
http://sascha.nggalai.com/kolumnen/18_moleskine.php
Great minds think alike, Zettt.
Stehe gerade vorm Abi, lernen ist angesagt. Da kommt der Artikel schon ganz gut
Schön und gut. Aber Verhaltenstraining und “Think-positive”-Direktiven helfen nur in den sanften Fällen von procrastination. Damit macht mittlerweile eine Heerschar von Motiviationstrainern ihr Geld.
Wenn procrastionation aber mit echten Problemen, Versagensängsten etwa, zu tun hat, hilft das alles nicht weiter. Wer diesen Tipps folgt, sollte das wissen.
Die Sache mit den “Positiva” finde ich sehr bedenklich; die Idee der Autosuggestion ist uralt und funktioniert wirklich nur dann längerfristig, wenn die objektiven Umstände auch tatsächlich positiv sind. Man verliert leicht die Realität aus den Augen, zumal die meisten Menschen heutzutage völlig überzogene Vorstellungen davon haben, was sie erreichen können. Zudem ist das m. E. psychologisch nicht wirklich ausgewiesen: Wenn die These nämlich stimmen sollte, woher kommen dann all die erfolgreichen Pessimisten? Und die gibt es, mehr als man denkt, weil diese sich oft besser an die äußeren Umstände anpassen können.
Sehr guter Artikel.
Gerade während meiner Diplomarbeit hatte ich teilweise auch mehr Zeit damit verbracht mich nicht ablenken zu wollen (sei es durch Tools oder lesen vermeintlich hilfreicher Artikel) als damit tatsächlich nicht abgelenkt zu sein und zu arbeiten.
Ich kam dann auch zu dem Schluss, dass ich nun mal einfach die erste Stunden nach Ankunft in der Bibliothek meinen Spiegel Online, Google Reader und facebook Input brauche.
Danach muss ich aber nicht gleich mit irgendwelchen Tools meinen Rechner kastrieren – das einzige was mir je geholfen hat war, mir selbst zu sagen “so, reicht jetzt, du musst was schaffen und du willst ja auch was schaffen, also fang an – surfen und chatten kannst du in der Mittagspause wieder”.
Also “einfach” den Browser schließen bis auf die Seiten, die ich tatsächlich für die Arbeit brauche, Adium trennen, falls grad einfach zu viele Leute online sind, mit denen ich mich ablenke, das Dokument öffnen, drauf starren und “einfach” los schreiben.
Keine andere noch so tolle Methode hat bei mir je funktioniert wie die schon zu Opas Zeiten bewährte sich-auf-den-Arsch-setzen-und-anfangen-Methode. Wenn man dann zwischendurch auch noch mal drüber nachdenkt, warum man das eigentlich macht und zu dem positiven Schluss kommt, dass man studieren wollte, es einem Spaß gemacht hat und man diese Arbeit nun schreibt um später das im Leben zu erreichen was man sich vorgenommen hat – dann fällt das “einfach” los arbeiten auch gar nicht mehr so schwer.
Zunächst einige Bemerkungen zum Kommentar 15 von Lukas (ich wollte ihn wegen seiner Länge nicht nochmal komplett zitieren):
Sicher, auf Apfelquak schreiben keine professionellen Autoren, und solange sich die Themen nicht zu weit vom Vorgabethema “Cupertino” entfernen, wird es sicherlich auch keinen Einspruch von unserem Oberfrosch Martin geben.
Eigenwerbung bzw. Links zu Beiträgen auf dem eigenen Blog sind legitim. Schließlich macht das den Reiz der Blogosphäre aus. Das diese Artikel eher subjektiv als objektiv sind, sollte ebenfalls jedem Leser klar sein. Also alles paletti?
Hmm, vielleicht nicht ganz. Es gibt da einen feinen Grad zwischen “passend” und “aufdringlich”. Es ist schon verlockend, eine Gruppe von z. Zt. fast 18000 Lesern anzusprechen. Da kann es durchaus mal passieren, das man es etwas übertreibt. Mir persönlich fällt so etwas ab und zu auf, aber ich störe mich nicht daran. Allerdings wird das von jedem Leser anders wahrgenommen.
Das Themen wie in diesem Artikel, und auch viele andere, in der englischen Blogwelt weiter verbereitet sind als bei uns, hängt sicherlich mit der Sprache zusammen, und nicht mit der Vermutung, daß “wir Deutschen” bzw. “Deutschsprachigen” uns weniger Gedanken zu einem Thema machen.
Hingegen ist die “Selbstbeweihräucherung” der Amerikaner schon fast legendär. “Tue Gutes und sprich davon” ist eine Sache (und durchaus positiv zu sehen), aber “ich bin der Tollste” und “wenn ihr es so wie ich macht werdet ihr auch glücklich” eine andere. Sicherlich ist das auch eine Mentalitätsfrage, dennoch würde ich nie so argumentieren und reagiere auf solche Äußerungen sehr kritisch. Hinterfragen von Links, Blogs und Selbstreferenzierungen sollte und kann deswegen durchaus Bestandteil einer Diskussion sein. Leider wird das aber von vielen als “miesepetrisch” bewertet.
Zum Thema:
Der Artikel von Zettt hat ein paar gute Punkte und regt ein bißchen zur Selbstreflektion an. Eine Handlung, die wir in unserem von Hektik geprägtem Umfeld viel zu wenig vornehmen. Erfahrungen von sich und anderen kann man nie genug sammeln, selbst wenn man, wie ich, schon ein älterer Furz ist. Außerdem muß es nicht immer ein Thema im Sinne von “Was benutzt Du denn für Software?” oder “Was tummelt sich bei Dir in der Menüleiste?” sein. Es ist nicht das Werkzeug an sich ausschlaggebend, sondern wie man es einsetzt.
Leider sind einige der getroffenen Aussagen zu einfach gestrickt, vorallem der Teil mit den “Positiva”. Herr Chow (Kommentar Nr. 20) findet da meine volle Zustimmung. Realitätsverzerrung kann zu einem großem Problem werden. Interessanterweise lebt eine ganze Branche davon (Thema Castingshows). Bin ich Pessimist? Vielleicht…
Nebenbei: Das Lesen des Artikels war an einigen Stellen wegen der (zuerst?) falschen bzw. fehlenden Interpunktion etwas anstrengend, “typisch Deutsch” hin oder her. Wie in der Musik muß man zwar nicht zwangsläufig “tight” spielen, der richtige Rhythmus sollte es aber schon sein. Aber so etwas läßt/ließ sich ja korrigieren: Take 2, Aufnahme ab.
Im größeren Rahmen: Zustimmung. Im kleineren Jedoch … Lies Dich mal über Placebo- und Nocebo-Effekte ein oder frisch es auf. Diese „Positiva“ haben gar medizinisch und statistisch nachweisbar einen Effekt, der im zweistelligen Prozentbereich liegen kann.
Ja, Chakka-chakka oder wie man das schreibt darf man nicht zu ernst nehmen. Aber ich denke auch, dass es Zettt gar nicht um solche ICH BIN GOTT! Dinger ging …
Ich bin ganz Deiner Meinung! Es liegt bestimmt nicht daran, dass wir in Deutschland uns nicht genügend Gedanken machen würden, sondern ich vermute, dass die Blogspähre bzw. das Vertrauen in Blogs noch nicht so groß ist wie in Amerika. Gerade auch deswegen brauchen wir mehr Blogs zu diesem Thema und solche fruchtbaren Diskussionen wir hier auf Apfelquak.
Medizinisch ja, der Placebo-Effekt läßt sich aber nicht auf jede Form der Suggestion übertragen. Positive Autosuggestion, um die es hier ja geht, hat ein ganz anderes Setting. Beim Placebo-Effekt spielt z.B. das Vertrauen zum Arzt und zur Wissenschaft eine wesentliche Rolle, bei der Alltags-Autosuggestion fällt diese Instanz weg. Man wird immer das unterschwellige Gefühl haben, daß man nicht authentisch ist, daß es eine Kluft zwischen der realen Lebenssituation und diesen “Positiva” gibt. Ich halte das auch nicht für effektiv: Menschen mit realistischen, brutalen Einstellungen, die durchaus negativ sein können, auch zu sich selbst, können sehr erfolgreich sein. Wer nicht viel erwartet, hat oft den klareren Blick.
Menno! Diese blöde Rechtschreib-Reform…
Darf man “fokussieren” jetzt mit einem “s” schreiben? Ich komm’ da – wie mit der Vielzahl der bestimmt nützlichen GTD-Helfern nicht mehr klar
Sanne, nein, das kann man nicht. Laut Duden muss man es mit zwei ‘s’ schreiben.
GTD wird häufig als das Allheilmittel vertrieben, jedoch wird immer wieder vergessen, dass jeder Mensch anders ist. Meines Erachtens sollte man GTD nicht als Regelwerk, sondern als Werkzeugsammlung sehen. Pick Dir raus, was Dir hilft, lass weg, was Dich behindert. Hinterfrage Deine Arbeitsmethode regelmäßig und passe sie stets individuell auf Dich an. Denn es ist egal, ob Du GTD, ZTD, Pomodoro etc. nutzt, Hauptsache Du hast das Gefühl besser arbeiten und leben zu können.
Das Gleiche gilt für die vielen Helferlein. Nutze, was Dir hilft.
Ich versuche alles Werkzeuge, Systeme und Vorgehensweisen so kompakt und simple zu halten, wie es nur geht und mir hilft. Es wurde im Artikel und in den Kommentaren schon erwähnt, man ist sonst zu sehr mit Planung und Organisation beschäftigt und kommt doch nicht zum Arbeiten und Leben.
Hab das mal geändert. Die Fehlern im Text darf Zettt selber ausmerzen. Ich fokussiere mich derzeit auf meine Arbeit.
@Lukas + ad:
Danke! Ich hatte schon an mir und meinem (älteren) Duden gezweifelt
Wünsch’ Euch noch einen schönen Tag!
Danke, ebenso. Übrigens – “euch” schreibt man jetzt klein!
Da hat der Zettt wieder einen rausgehauen;-)
Also grundsätzlich stimme ich dem Beitrag voll und ganz zu und er hat mich wieder einmal daran erinnert, über mich und meine aktuelle Ziele beziehungsweise meine Position zu diesen zu überdenken.
Lediglich die Sache mit der Motivation, warum ich das alles tun sollte, ist bei mir 100% diametral bestimmt. Ich möchte ein Ziel nicht erreichen, weil andere dann stolz auf mich sind. Ich glaube, als Lehrer wird man nur selten mit stolz betrachtet, denn dafür fehlt in unserer Gesellschaft der Respekt und die notwendige Anerkennung für diesen Beruf.
Aber ich möchte dennoch diesen Beruf einmal ausüben und mich durch mein teilweise frustrierendes, teilweise motivierendes Studium durchkämpfen, um bald diesen Beruf ausüben zu dürfen und um dort zu stehen, wo ICH stehen will. ICH möchte mit stolz auf das Geschaffte schauen um meinetwillen. Sicherlich tut mir dabei auch Lob anderer Personen gut, aber ich erwarte es nicht. Ich konzentriere mich auf mich und meine Ziele.
Ansonsten: “Think different – think positive”
Seit der vierten Revision der Rechtschreibreform, kann “euch” wieder groß geschrieben werden.
Da stimme ich zu – er lässt sich nicht auf jede Form der Autosuggestion übertragen. Extrembeispiel: Ich kann mir drei Monate lang täglich 5h suggerieren, dass ich beim Sprung vom Hochhaus fliegen kann. Wird trotzdem nicht klappen.
Der Punkt mit der Authentizität ist allerdings diskussionswürdig. Das Gefühl hängt entscheidend davon ab, wie viel kognitive Dissonanz denn die Autosuggestion erzeugt. Ist die Dissonanz zu groß respektive groß genug, dass sie reduziert werden muss, wird man sich wie von Dir erwähnt unwohl bei fühlen. Hält man sich an kleinere Häppchen (die „baby steps“, sie spätestens seit What About Bob? den meisten hier bekannt sein dürften) kann man aber von einem Prinzip gebrauch machen, das ich gerne Creeping Bullshit nenne. Nach demselben Prinzip funktioniert auch häufig der Zugang zu vielen Verschwörungstheorien … DAS stimmt / hat funktioniert, der nächste Schritt auch, also wird DAS jetzt plötzlich plausibel/möglich …
Persönlich jedoch verfolge ich lieber den sarkastischen Ansatz, versuche jedoch, nicht in den Zynismus abzugleiten. Das funktioniert bisher besser als es wohl alle CHAKKA! der Welt es bei mir bewirken könnten.
Sehr sympathisch! Denn was viele Think-Positive-Jünger und Grinsekatzen gerne vergessen: Sie gehen mind. der Hälfte der Menschheit gehörig auf die Nerven. (Eine schöne Pointe der Evolution übrigens, denn “survival of the fittest” heißt eben auch: Wer seinen Mitmenschen zu glücklich erscheint, muß entsprechend zurechtgestutzt werden.)
Für mich sind GTD Tools (in meinem Fall Things) definitiv eine Erleichterung. Bei 2 Jobs, Studium (Abschlussarbeit) und jeder Menge privaten Verpflichtungen ist es absolut von Vorteil ein Programm zu haben, in dem man alle wichtigen Dinge festhalten kann. Man kann eben nicht immer an alles denken. Das hat mit dem Abschalten von irgendwelchen Ablenkungen ziemlich wenig zu tun.
Wer nebenbei auf Twitter unterwegs ist, im Web surft oder “Tools” zum Ausblenden von Programmen und ähnlichem sucht hat entweder einfach keine Lust zu arbeiten, die zuvor schon erwähnten Versagensängste oder irgendein anderes Problem…
Liebe alle,
ich kann leider nicht ins Sozialpsychologische hier abdriften, weil das würde prokrastinieren und ich hab eine Freitag 17 Uhr Deadline.
Daher hier nur ein paar Links zum Thema (u.a. aus der US-Blogosphäre) die evtl. spannend für den einen oder die andere Quakerin sind:
* zB die Merlin Mann Talks (u.a. auf Google Video anklickbar) & u.a. sein Artikel “Attention & Ambiguity: The Non-Paradox of Creative Work”
* Illuminated Mind: Why Trying to be Productive is a Huge Waste of Time
* ZEIT online: Prokrastination – ”Morgen fang ich sicher an”
* Ich habe mich mal eine ganze Weile mit GTD & Organisationspsychologie beschäftigt (und kurz in meinem Blog kontempliert), die Links sind immer noch bei delicious, falls jemand Interesse hat.
Oder, um es kurz zu fassen, mit Mark Pilgrims Worten:
Picking the right text editor will not make you a better writer. Writing will make you a better writer.
Danke für die spannende Diskussion hier!
@Amy: Wenn es um kreative Zitate geht, gefaellt mir das von Steven Pressfield aus “The War Of Art” immer noch am besten. Das macht mir extrem viel Mut seit einigen Jahren:
Japp, wirklich schoene Diskussion hier.
hehe
Schoen das du noch zu meinen Lesern gehoerst.
Ja/Jein da hast du mich falsch verstanden. Wahrscheinlich auch ein paar andere. Diese Bild im Kopf ist nicht das Ziel, sondern nur der Motor. Ich habe natuerlich meine eigenen Ziele, weil ich dann auf mich Stolz bin. Aber um zu visualisieren, wie das dann sein koennte, wenn’s dann soweit ist. Nehme ich mir eben meine Schulkamerade zuhilfe.
Das hat hier in den Kommentaren wohl fuer Verwirrung gesorgt. Deshalb hab ich auch nicht geantwortet. Haette ich zuviel schreiben muessen eh ich das so hingebogen erklaert bekomme wie es eigentlich gedacht ist.
Ob jetzt einfach eine positive Einstellung psychologisch schlecht ist wage ich jetzt einfach mal zu bezweifeln. Und ob mir so ein denken hilft trotzdem weiter zu machen, auch wenn’s grade mal nicht gut geht. Wuerde ich mit einem “Ja” beantworten.
Das nennt man seit neuestem “Amerikanische Selbstbeweihraeucherung” was du hier machst! Musst du vorsichtig mit sein!
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