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Fokus-Tools II, oder keine Ablenkung im Netz

14. März 2010

Quak, quak, quak … das ist er wieder, der Apfelquak-Frosch. Das sinnbildliche Monster aus unserer grauen Vorzeit, dieser gern verleugnete Verwandte hat mich wieder erwischt: Ein neuer Artikel auf Apfelquak ist viel wichtiger und spannender als meine Arbeit. Es dauert ja nicht lange, nur fünf Minuten lesen und dann zurück ans Werk … 30 Minuten später, ein neues Programm ausprobiert, Kommentare gelesen, selber geschrieben. Wie konnte das schon wieder passieren? Wie konnte der Reptilienteil meines Gehirns schon wieder über die Ratio obsiegen, die mich doch vom Tier abhebt und überlegen macht?

Die Ablenkung im bzw. durch das Internet kostet uns jeden Tag Zeit. Zeit, die wir besser in unsere Arbeit investieren sollten, um früher nach hause zu gehen, um früher unseren Hobbys nachzugehen und um in Ruhe, ohne Stress Apfelquak zu lesen. Denn obwohl man sich ablenken lässt, bleibt dieses nagende, schlechte Gewissen, dass uns sagt, wir sollten unsere richtige Arbeit machen.

Aktive Arbeitsablenkung
Im Artikel “Fokus-Tools, oder Prokrastination, nein Danke“  habe ich drei kostenlose Programme vorgestellt, die helfen, die passive Ablenkung unseres Desktops unter Kontrolle zu bringen. Sie ersetzen Bildschirmhintergründe und mit Dateien und Ordnern überladene Desktops, so dass man nicht ständig daran erinnert wird, was man sonst noch alles tun könnte. In diesem Artikel, stelle ich zwei einfache aber wirksame Programme vor, die die aktive Ablenkung durch das Internet bekämpfen: SelfControl und Freedom. Sie lassen den Impuls, schnell mal die Lieblingsseiten anzusurfen, ins Leere laufen, so dass man bei seiner Arbeit bleibt.

SelfControl

SelfControl nutzt die eingebaute Firewall von Mac OS X, um für eine einzustellende Zeitdauer alle Zugriffe auf bestimmte Domänen zu verhindern. Während SelfControl läuft, werden alle Anfragen an Domänen der Blacklist blockiert. Dadurch sind Web, Instant-Messaging, E-Mails etc. für diese Zeitspanne nicht mehr nutzbar. Diese Blackliste kann man sowohl vor dem Start als auch während der Laufzeit von SelfControl bearbeiten. Natürlich lassen sich während der Laufzeit nur Domänen hinzufügen, jedoch keine entfernen — man neigt ja doch dazu, sich selbst überlisten zu wollen. Auch das Beenden von SelfControl hat keine Auswirkung, denn die Firewall-Regeln bleiben bis zum Ablauf der vorgegeben Zeit aktiv.

Wen das kleine Timer-Fenster stört, kann SelfControl beenden und sich dennoch auf seine Arbeit konzentrieren. Sollte die Pflege einer Blacklist zu aufwendig sein, so kann man stattdessen eine Whitelist führen. In diesem Modus werden grundsätzliche alle Internet-Zugriffe blockiert, bis auf die Domänen der Whitelist. Darüber hinaus bietet SelfControl weitere, sinnvolle Einstellungsmöglichkeiten. Der Zugriff auf lokale Netzwerkdienste lässt sich grundsätzlich erlauben, falls man auf Dateien, Drucker etc. im lokalen Netz angewiesen ist. Es können automatisch alle Subdomänen der Whiltelist- bzw. Blacklist-Einträge in die Firewall-Regelsätze aufgenommen werden und der Browser-Cache kann zu Beginn geleert werden.

Freedom

Freedom verfolgt den gleichen Ansatz wie SelfControl, geht jedoch bestimmender ans Werk: Für die eingestellte Zeitdauer wird sämtlicher Netzwerkzugriff — oder mit Ausnahme des lokalen Netzes — abgeschaltet. Keine Whitelist, keine Blacklist, einfach kein Internet-Zugriff. Auf diese Weise bleibt wirklich keine Möglichkeit mehr, als sich mit seiner Arbeit zu befassen.

Fazit
Das Internet bietet uns wirklich eine unüberschaubare Menge an Ablenkungsmöglichkeiten. Die Autoren von SelfControl und Freedom haben dies selbst erkannt und mit ihren Programmen versucht, Abhilfe für zumindest eine kurze Dauer zu schaffen. Ich gebe Freedom den Vorzug, denn obwohl SelfControl mehr Anpassungsmöglichkeiten bietet, liegt genau darin auch seine Schwäche. Irgendeine Seite, irgendein E-Mail-Server fehlen immer auf der Blacklist, als dass man sich nicht damit ablenken könnte.

Ein grundsätzliches Problem lösen die beiden Programme trotzdem nicht: Was ist, wenn man das Internet, seine E-Mails etc. zum Arbeiten braucht? Was ist, wenn man Skype, ICQ etc. benötigt, um mit Kollegen zu kommunizieren? Um ehrlich zu sein, sind diese Dienste für meine Arbeit selten vollkommen entbehrlich. Hier muss man in den sauren Apfel beißen und den Frosch in sich wirklich überlisten. Mir hilft dabei die Aufmerksamkeitskarte von Überallbüro.de. Wann immer ich den Impuls zur Ablenkung verspüre, blicke ich auf die Aufmerksamkeitskarte an meinem Bildschirm und folge den Anweisungen.
Auf Überallbüro.de schreibe ich über die Möglichkeiten mit Hilfe des Internets überall und jederzeit zu arbeiten, um seine produktive Zeit am besten zu nutzen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Schwierigkeiten motiviert und konzentriert zu bleiben. Insbesondere der Artikel “Konzentration, oder nicht ablenken lassen“ beschäftigt sich mit der Überlistung des Frosches in Dir.

Also: “Focus on” und nicht ablenken lassen — arbeite effektiv, damit Du in Deiner freien Zeit tun kannst, was Dir wirklich wichtig ist.

{ 11 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }

James März 14, 2010 um 13:15

Ich halte so ein Programm für nicht sinnvoll. Wenn ich arbeiten muss, dann mache ich das auch konzentriert. Ich brauche kein Programm, dass mir den Zugang zum Internet verbietet. Außerdem könnte ich es ja auch einfach wieder deaktivieren, wenn es mich nicht auf meine Domains lässt. Zeitverschwendung finde ich also…

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MacMacken März 14, 2010 um 14:13

… und was ist, wenn die Selbstdisziplin zur Verwendung dieser Tools fehlt?

Hat man nicht genug Selbstdisziplin, deaktiviert man schlicht die Tools. AFAIK sind sie ja sehr leicht wieder zu deaktivieren.

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Lukas Pustina März 14, 2010 um 14:15

@James: Super, wenn Du bereits genügend Willen hast, dem Reptilienimplus zu widerstehen und Deine Zeit effektiv einsetzt. Leider gelingt das mir und vielen anderen nicht immer so konsequent und die vorgestellten Programme können dann helfen.

Das Deaktivieren beider Programm gestaltet sich nicht ganz so einfach, wie man glauben mag. Es genügt nicht sie zu beenden — egal wie. Man müsste die Firewall-Regeln direkt über Kommandozeilenwerkzeuge bearbeiten. Das ist mehr Aufwand als weiter an seinen Aufgaben zu arbeiten :wink:

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Paul März 14, 2010 um 14:30

@ MacMacken
Man nimmt sich vor, jetzt etwas zu schaffen, aber sobald man dann in der Arbeit drin steckt lenkt man sich wieder ab. Bei Selfcontrol hingegen braucht man sich das nur eine Sekunde vornehmen und voller Enthusiasmus schaltet man das Programm ein, was nicht viel Überwindung kostet. Später kann man es nicht mehr rückgängig machen (auch kein Neustart, nur paar Cracks bekommen es vllt. raus ;) ). Man überlistet somit die Selbstdisziplin, die man während der Arbeit aufrecht erhalten müsste. In der Bibliothek ist man ja auch besser diszipliniert als zu Hause.

Ich liebe Selfcontrol und hatte schon mehrmaligen E-Mail Kontakt mit dem Entwickler. Zum einen, weil das Programm ständig diesen 0:00 Bug hatte und es fortlaufend die Blacklist sperrte. Ich musste dann ein Killer.app anfordern. Leider kam das Problem immer wieder und somit ist die eigentlich geniale App unbrauchbar geworden. Ich habe den Entwickler schon mehrfach berichtet, Logs geschickt und ihn gebeten, dass Programm zu fixen. Außerdem wäre ich auch bereit für dieses nützliche Programm Geld zu bezahlen.
Freedom.app ist sinnlos, da gleich alles gesperrt ist und ein Neustart es rückgängig macht.

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Arixan März 14, 2010 um 14:50

Frösche sind ganz sicher keine Reptilien. :D

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MacMacken März 14, 2010 um 14:53

@Paul: Danke für die Erläuterungen, ich probier’s gleich mal aus … :)

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Lukas Pustina März 14, 2010 um 14:54

Frösche sind ganz sicher keine Reptilien. :D

*grins* Ich hatte schon auf diesen Kommentar gewartet … aber ich konnte der Parallele einfach nicht widerstehen und die Idee sollte rübergekommen sein.

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James März 14, 2010 um 15:13

@Lukas

da baue ich mir dann doch einfach ein simples Shellscript und schon ist es kein Stück mehr schwierig. Dann flushe ich halt einfach die Firewall Rules und gut ist.

Naja. Wenn man es braucht, sind es sicherlich schöne Tools ;)

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m0mo März 14, 2010 um 20:10

vielen dank für die infos.

wenn jetzt nicht noch in deinen artikeln 3 mal deine BlogAdresse
stehen würde, hätte ich wirklich nichts auszusetzen…

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Technikfreak März 14, 2010 um 23:10

Das ist geil, wann gibts das auch für eingehende Verbindung z.B. als Iphone App ;-) dann wird man auch nicht mehr durch Freunde beim Arbeiten gestört. Freiheit pur – sofern man sich nicht selbst befreien kann.

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Tekl März 15, 2010 um 10:28

Nutzt SelfControl nicht einfach die hosts-Datei oder wurde das Verfahren verändert?

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