Hintergrundbilder, Desktop-Ordner, Safari, Apfelquak.de, Facebook.de, Adium, Skype, Chat, Mail, E-Mails, NetNewsWire, RSS-Feeds … Der Mac bietet viele Gründe gerade jetzt nicht das zu tun, was wir sollten bzw. was wir uns vorgenommen haben; alles andere erscheint viel interessanter, spaßiger, kurzweiliger. Der Grund für unsere leichte Ablenkbarkeit liegt im Vermächtnis unserer Vorfahren, der Reptilien. Ihr Gehirn war nur zu instinktgesteuerten Reaktionen fähig und auf das Überleben optimiert. Blinkt irgendwo etwas auf, bewegt sich etwas in unseren Augenwinkeln, so springen diese Instinkte sofort an. Noch heute befindet sich diese Programmierung in unserem Gehirn und erschwert den produktiven Arbeitstag.
In der Aufzählung zu Beginn sind zwei Arten von Ablenkung zu erkennen: passive und aktive. Die passiven Ablenkungen liegen einfach herum und werden von unseren Augen aufgefasst. Die aktiven melden sich von selbst oder werden von uns angestoßen. In diesem Artikel beschreibe ich, wie man als moderner Mensch mit Hilfe des Macs und ein paar kleinen, kostenlosen Programmen das Reptiliengehirn austricksen und produktiv arbeiten kann. Im nächsten Artikel werde ich Programme vorstellen, die helfen die aktiven Ablenkungen im Zaum zu halten.
Passive Schreibtischablenkung
Meine Mutter sagte oft zu mir, der ganze Kram auf meinem Schreibtisch würde mich nur vom Lernen abhalten. Ähnliches gilt auch für unseren Desktop. Wer wie ich den Mac OS X Desktop als Datenablage für aktuelle Aufgaben nutzt, der kennt das Problem: Es ist viel spannender die andere Aufgabe anzugehen, als die jetzige fertig zu stellen. Die drei Programme Backdrop, Camouflage und Think versuchen hier zu helfen, indem sie den Desktop während der Arbeit freiräumen.
Backdrop
Backdrop legt nach dem Start einen Vorhang über den Desktop. Dieser ist standardmäßig ganz schwarz, es können aber andere Farben oder auch Bilder ausgewählt werden. Auf diese Weise verhindert Backdrop, dass die vielen Icons auf dem Desktop von der aktuellen Aufgabe ablenken. Backdrop bietet zusätzlich die Option, Vorhänge zwischen einzelnen Anwendungen aufzubauen, so dass man immer nur die Fenster der aktiven Anwendung sieht. Leider funktioniert diese Option nicht mehr unter Mac OS X 10.6 Snow Leopard.
Camouflage
Camouflage folgt einem ähnlichen Ansatz wie Backdrop, jedoch belässt es das Hintergrundbild. Es entsteht der Eindruck als sei der Desktop leer. Möchte man aber dennoch auf die Dateien zugreifen, die man sich auf dem Desktop zurechtgelegt hat, so genügt ein Klick auf den Desktop und es öffnet sich ein Finder-Fenster mit dem Inhalt des Desktop-Ordners.
Think
Im Gegensatz zu den simplen Ansätzen von Backdrop und Camouflage geht Think das Problem “Ablenkungen” mit einem eigenen Konzept an. Wenn Think im Hintergrund läuft, wird immer nur eine einzige, selbstdefinierte Anwendung angezeigt — das Resultat sieht aus wie beim Einsatz von Backdrop. Diese erleuchtete Anwendung wird im Dock-Icon von Think angezeigt. Benötigt man nun andere Anwendungen, zum Beispiel das Adressbuch zum Nachschlagen einer Telefonnummer oder Safari zum Nachschlagen einer Web-Seite, führt man diese aus. Ist man fertig, genügt ein Klick auf den schwarzen Hintergrund: Die erleuchtet Anwendung ist wieder aktiv und der Bildschirm befreit vom Ballast der Hilfsanwendungen. Möchte man die aktive Anwendung wechseln, klickt man auf das Dock-Icon und ähnlich zu Apfel-Tab erscheint eine Auswahl der gestarteten Anwendungen, aus der man auswählen kann.
Grundsätzliches
Backdrop, Camouflage und Think reduzieren die Ablenkungen auf dem Desktop. Aber auch diese Programme lassen sich umgehen, wenn man es wirklich will. Ich neige dazu, auch das beste Sicherungssystem zu umgehen, um mich ablenken zu lassen. Man sollte sich also nicht ausschließlich auf diese Programme verlassen, sondern an seiner Disziplin, seiner eigenen Konzentrationsfähigkeit arbeiten. Auf Überallbüro.de schreibe ich über diese und ähnliche Herausforderungen. Der Artikel “Fokus, oder immer dran bleiben” widmet sich diesem Thema aus Sicht der am Tag zu erledigenden Aufgaben. Demnächst erscheint auf Überallbüro.de ein Artikel, der zeigt, wie ich auch ohne diese Tools versuche konzentriert meine Aufgaben abzuarbeiten.
Und Ihr?
Wie schafft Ihr es, den vielen Ablenkungen am Mac zu widerstehen? Nutzt Ihr spezielle Programme oder seid Ihr disziplinierter als ich? Schreibt mir oder hinterlasst einen Kommentar, damit ich Eure Ansätze im nächsten Artikel aufgreifen kann.

{ 22 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Haha. Geil. Danke!
Ich benutze Isolator (ähnlich wie think aber irgendwie besser :/ )
Und wenn es ganz auf hart kommt noch Self Control. Ansonsten hilft mir noch die Pomodorotechnique.com weiter und dem Pomodoro Timer.
Isolator finde ich auch ganz nett. Camouflage läuft bei mir eigentlich nur aus ästhetischen Gründen.
Mir persönlich reicht es beim Schreiben, wenn ich in den Vollbild-Modus bei Pages schalte.
Bei allen anderen Arbeiten am Mac kann ich mich gar nicht richtig fokussieren wenn ich nicht meine Musik im Hintergrund laufen habe und mehrere Dinge auf ein mal mache.
Wobei am Ende auch alle Arbeiten dann fertig werden.
jo, mit isolator habe ich halt vollbildmodus in jedem programm. zusammen mit sizeup habe ich auch schön mein “arbeitsfenster” ruck zuck zentriert. und musik im hintergrund hat ja jetzt keinen einfluss hier drauf.
Der Link zu “Think” ist kaputt: Leitet auf eine Apfelquark-Seite statt auf http://freeverse.com/mac/product/?id=7013
Da kommt man zum prokrastinieren her, und dann sowas … pffft.
Hallo,
Ich hab mir aufm Mac nen zweiten Account eingerichtet, bei dem nur Safari (mit angepassten Bookmarks), Lexikon und mein Schreibprogramm im Dok sind. Skype, ICQ un Mail können parallel in menem anderen Account blinke. wie sie wollen, ich krieg davon nix mit. Falls ich doch mal ne Pause brauch, ist das dank des schnellen Benutzerwechsels kein Ding.
Bei mir war das das einzige, was geholfen hat…
Edvandi
Danke für den Hinweis. Da hat uns wohl Wordpress einen Streich gespielt. Es funktioniert jetzt.
Ich muss dir jetzt nicht sagen, was ich als Admin zu solchen Aussagen erwidere?
Danke für den Artikel. Sehr gut!
Ich teste zurzeit das “Get Focused”-Feature von RescueTime.com, welches unproduktive Webseiten für eine bestimmte Zeitspanne sperrt.
Programme wie Think oder Isolator werd ich wohl nie benutzen, da ich meiner Meinung nach sehr gut zwischen Programmen hin und her wechseln kann ohne meinen Workflow zu stören. Nur Seiten wie facebook, oder ibash sind einfach zuu gut um nicht alle 10min einmal aufgerufen zu werden
Eigentlich ist es ganz einfach: Programme haben den “Fokusmodus” meistens mit eingebaut und nennt sich Fenster maximieren. Klingt blöd ist aber so und reicht vollkommen aus.
@oliver: auf meinem 53″ TFT bekomme ich da eine genickstarre.
Angeber
Ich lasse den Schreibtisch praktisch leer. Dort sind nur zwei, drei Ordner, die ich nicht in die Time Machine nehmen will, z.B. EyeTV-Aufnahmen. Der ganze Desktop kommt nicht in die Time Machine. Ansonsten: Die Dateien dorthin speichern wo sie hingehören: in den entsprechenden Dokumenten-Ordner. Um die Dateien schnell aufzurufen, an denen ich gerade arbeite, behelfe ich mir mit Fresh. Wenn ich mit mehreren Progs gleichzeitig arbeite: Spaces. Das Dock habe ich ausgeblendet, das Hintergrundbild ist ruhig.
Es gibt in OS X übrigens ein verstecktes Feature: Den Single-Application-Modus.
Zu aktivieren im Terminal mit:
defaults write com.apple.dock single-app -bool true
killall Dock
Allerdings funktioniert der nur mit dem Dock und nicht mit ⌘⇥ oder so.
Alternativ kann man auch im normalen Modus im Dock Anwendungen mit ⌘⌥ anklicken, was alle restlichen dann ausblendet.
Mein Liebling, um mich ganz auf ein Programm zu konzentrieren ist und bleibt Mega Zoomer ( http://ianhenderson.org/megazoomer.html ). Versteckt das Dock und Menue und zieht die Applikation auf Vollbild. Damit schlage ich auf meinem MacBook 2 Fliegen mit einer Klappe . . .
Was für mich aber auf Dauer auch extrem wichtig war, um mich besser konzentrieren zu können war, Growl zu entschlacken. Jetzt werden mir wirklich nur mehr die wichtigsten Ereignisse angezeigt. Wenn zwei mal in der Minute ein Growl-Fenster aufgeht, ist natürlich klar, dass man abgelenkt ist
Growl hat auf meinem Rechner gar nichts zu suchen. Das lenkt tatsächlich ungemein ab.
Dein Artikel hat mich neugierig gemacht und ich habe mir Think kurz angeschaut. Ich arbeite aber exzessiv mit Spaces (momentan mit 6 Stück). Damit hat Think Probleme. Think funktioniert nur auf dem Space in dem es gestartet wurde. Für mich also unbrauchbar…
Spaces selbst ist ja schon ein Ansatz den Bildschirm clean zu halten und damit Übersicht zu schaffen aber auch Ablenkung zu vermeiden. Mein Desktop ist aufgeräumt genug, um kein wirkliches Risiko darzustellen.
Ja, das stimmt. Versuch das in den Kommentaren genannte Programm “Isolater”. Es ist ähnlich zu Think, aber meines Erachtens besser in Mac OS X integriert. So funktioniert es auch mit Spaces.
Ich habe das bisher auch so gemacht. Ein Space für Internet und E-Mails, ein anderes für Programmierungen und so weiter. Leider fängt dies nicht das Problem ab, dass zu viele Anwendungen in einem Space geöffnet sind.
das war auch der Grund, warum ich Think gleich wieder verworfen habe.
hab’s mir jetzt aber nochmal angesehen: Systemsteuerung -> Exposé & Spaces -> Spaces -> mit dem “+”-Button Think hinzufügen -> als zugewiesenem Space “Alle Spaces” auswählen
dann funktioniert es so wie es soll: der schwarze Rahmen wird auf allen Spaces angezeigt und bei einem Klick in ihm wird wieder zurück zum ursprünglichen Space geswitcht.
Glaube, jetzt bleibt das mal ein wenig
Concentrate hat meine Diplomarbeitsphase gerettet: http://getconcentrating.com/ Alle Ablenkungen können einfach blockiert werden.
Wie beschrieben, ist auf Überallbüro.de der Artikel “Konzentration, oder nicht ablenken lassen” erschienen, in dem ich beschreibe, wie ich ohne spezielle Programme versuche jeden Tag konzentriert zu sein und mich nicht ablenken zu lassen.
http://überallbüro.d…..en-lassen/
Viel Spaß, ich freue mich auf Eure Kommentare.
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