
Apple bewirbt ihre gegenwärtigen Macs mit „bis zu 2560 x 1600 Pixel auf einem externen Bildschirm“. Das ist nichts furchtbar Neues: Bereits die PowerBooks G4 und G5 Power Macs waren mit einem passenden Anschluss für Monitore der 30″-Liga ausgestattet. Damals noch mit einem passenden DVI-Ausgang. Der zum Geschrei vieler Neu-Mac-Käufer vor einiger Zeit dem Mini DisplayPort weichen musste. Mist, ich brauche einen Adapter! Und der ist sauteuer!
Zu allem Unglück hat besagter Adapter auch technisch nicht den besten Ruf. Nein, lasst es mich direkter ausdrücken: Das Ding gilt als eine der sieben biblischen Plagen. Die Bewertungen im Apple Store sprechen Bände – zwar nicht so umfangreich wie das Buch der Bücher, aber nicht minder voller Leiden und dem Knirschen von Zähnen.
Wo liegt denn das Problem?
Der DVI-Anschluss ist schon ein bisserl angestaubt. Wird eine so genannte einfache Verbindung (Single Link) aufgebaut, gehen ohne Tricks maximal 1.600 x 1.200 Bildpunkte an einem 4:3-Bildschirm, 1280 x 800 mit einem 16:10er. Unterstützen sowohl Grafikkarte als auch Monitor „Reduced Blanking“ ist bei 1920 x 1200 mit 60 Hertz Schluss.
Nun ja, ein 30″-Monitor hätte gerne die oben genannten 2560 x 1600 Bildpunkte. Dafür reicht die Bandbreite einer Verbindung mit Single-Link-DVI nicht aus. Solche Bildschirme sind noch immer eher teuer, entsprechend verzichten die Hersteller auf die Unterstützung von Reduced Blanking – wozu auch? Wer sich einen Monitor der vierstelligen Euroklasse auf den Schreibtisch stellt, wird wohl auch eine Grafikkarte mit passendem Anschluss besitzen und sich das dazugehörige Kabel leisten können. Entsprechend hat man dann nicht mal die übliche 24″-Auflösung auf seinem Großbildschirm. Kurz gesagt: Solche Monitore müssen über Dual-Link-DVI angeschlossen werden. Nur so kann die volle Auflösung gefahren werden.
Und ihr habt es sicher schon geahnt: Die handelsüblichen Mini DisplayPort-auf-DVI-Adapter sind lediglich Single-Link-Adapter. Dabei sind Apple und die Zubehörhersteller nicht einfach nur böse und gemein. Es ist nicht ganz einfach, ein Dual-Link-Signal sauber durchzureichen. Umschalt-Kästchen, um mehrere Computer an einen 30-Zöller anzuschließen, sind erheblich komplexer aufgebaut (und teurer) als die Versionen für niedrigere Auflösungen. Dasselbe gilt auch für den hier vorgestellten Apple-Adapter. Und wie wir alle wissen: Mit steigender Komplexität nehmen auch die möglichen Fehlerquellen zu – sowohl auf Seiten des Herstellers als auch des Benutzers.
Okay. Erzähl mal etwas über den Adapter.
Das Ding ist monströs. Wirklich. Ich übertreibe nicht.

Links ein 60-Watt-Netzteil, rechts das Monstrum. Wie unschwer zu erkennen bezieht der Adapter Strom über ein USB-Kabel. Als Ersatz für den verlorenen Anschluss am Mac hat das Ding auf der Rückseite einen durchgeschleiften USB-Port. Und hier geht das Geschrei schon los.
Die Sache ist die: Der Adapter hätte gerne wirklich ordentlich Strom vom Computer. Was auch bedeutet, dass hinten nur noch genug Saft rauskommt, um ein einzelnes genügsames USB-Gerät zu bedienen. Passiver USB-Hub? Fehlanzeige. Auch wenn der Hub nur eine LED beleuchten muss, reicht der Strom nicht einmal mehr für eine Maus aus. Insbesondere Besitzer von MacBooks ärgert das natürlich nicht gerade knapp: Ist ein 30″-Bildschirm angeschlossen, hat man nur noch einen voll stromführenden USB-Anschluss übrig. Zum Beispiel für portable externe Festplatten oder Soundkarten ohne eigenes Netzteil. Will man mehr Geräte anschließen, kommt man um einen aktiven Hub nicht herum – oder man verliert die Stromversorgung über USB.
Unschön. Aber kommt denn wenigstens ein Bild?
Ja. Hängt ein ordentliches, nicht zu langes Dual-Link-DVI-Kabel zwischen Adapter und Bildschirm, tut es auch. Meistens. Wenn man ein bisschen aufpasst. Die Achillesferse des Adapters ist die Stromversorgung. Hat der USB-Port am Mac einen Schlag weg oder schließt man das Kabel an einen nicht so dollen USB-Hub an wird es wackelig. Von blinkenden Pixeln über Rauschen bis zu Streifenbildung oder kompletten Bildausfällen liegt so ziemlich alles drin.
Stimmt die Stromzufuhr, dann funktioniert auch der Adapter. Bis halt auf die Einschränkung beim durchgeschleiften USB-Anschluss.
Und natürlich hatte die erste Version des Adapters generell Probleme; nicht ohne Grund trägt die neue Version die Nummer 1.02. Apple zeigt sich allerdings vergleichsweise kulant und tauscht den älteren Adapter auf Verlangen und nach ein wenig (sprich: viel) verbaler Haue gegen ein Neugerät um. Der einzige Unterschied zwischen den Dingern ist die Firmware. Weshalb Apple nicht einfach ein Firmware-Update für die Altgeräte anbietet wird ein Rätsel bleiben – der Adapter ist immerhin über USB mit dem Mac verbunden. Da hat wohl wer auf einen USB-Controller verzichtet und einfach Kabel durchgeschleift und Strom abgezwackt …
Wie dem auch sei: Mit dem Mini DisplayPort auf-Dual-Link-DVI-Adapter lassen sich 30″-Monitore an aktuellen Macs betreiben. Allerdings für einen stolzen Preis; € 99 will Apple dafür haben, in der Schweiz immer noch rund € 80. Bäh. Aber wenigstens tut er.
Für die nächste Hardware-Revision würde ich mir ein optionales externes Netzteil wünschen. Wobei, wenn ich so darüber nachdenke …
Was denn?
Es gibt doch von x Zubehörherstellern diese USB-an-Stromanschluss Teile. Dann könnte man eigentlich das USB-Kabel des Adapters direkt ans Netz hängen. Ich probiere das bei Gelegenheit mal aus. Diesen Adapter hat man als mobiler Anwender kaum ständig mit dabei. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich besitze nur einen Dreißigzöller, und den nehme ich selten mit, wenn ich mit dem ICE unterwegs bin …
Getestet an einem Dell Ultrasharp 3007 WFP. Der Bildschirm ist bereits drei Jahre alt; modernere Geräte sollten eh tun. Stichwort „DisplayPort.“
{ 11 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Apple bietet ja mit dem iPhone/iPod Netzteil bereits ein USB Netzteil an, das könnte man durchaus in die Packung legen, denke da sollte genug Strom bei rumkommen.
An meinem Mac Mini (Maerz 2009) tut der Adapter und das 30″ Display eigentlich ganz gut, allerdings musste ich in den Energy Saver Optionen den Display Sleep Delay auf Never stellen, da sonst beim Aufwachen der Grafikkarte häufiger die beschriebenen Bildausfälle zu beobachten waren. Ich schalte das Display halt jetzt immer manuell ein und aus.
Das Durchschleifen des USB geht auch ganz gut. Ich habs zum Display durchgeschleift und dann noch ein Keyboard angeschlossen.
kann man eigentlich einen 2560*1600 monitor der einen displayport/mini displayport besitzt direkt ansteuern oder bräuchte man dazu auch wieder einen adapter?
Das ginge direkt den das ist einer der vorteile von minidisplayport/displayport die hohe mögliche auflösung gegenüber dvi und auch hdmi.
Andreas, das mit dem Display Sleep werde ich noch ausprobieren müssen. Ich gehöre zu diesen verantwortungslosen Menschen, die bei Computern auf gesparte Energie pfeifen und einfach laufen lassen. Nach 15 Minuten kommt halt der Bildschirmschoner, und wenn ich weiß, daß ich länger (also über zwei Stunden) weg sein sollte, klappe ich den Mac zu … Aber klar: Für den Artikel wäre das noch recht wichtig.
Beim Aufwachen oder mit dem Bildschirmschoner hat der Adapter / der Dell jedoch keine Mühe.
blargh, wie tioan sagte – theoretisch sollte da ein einfaches Mini-auf-Normal-Kabel reichen. Praktisch habe ich keine Ahnung, was Apple genau durch den Mini DisplayPort jagt. Als frischgebackener VESA-Standard gehe ich allerdings stark davon aus, daß das funktioniert.
Update zum Mini DisplayPort-auf-DisplayPort-Kabel: Es geht, sofern das Kabel / der Adapter auch vier Leitungen führt. Die billigeren Kabel kommen nur mit 2 Leitungen, dann ist bei 1920×1200 Schicht im Schacht. Das sind die Kabel, bei denen in der Beschreibung etwas von „bis zu 1080p“ drinne steht.
Schon eine Schande dass Apple so unüberlegt diesen Anschluss verbaut. Für mich ist das einfach nur Mist.
Es gibt keine Infrastruktur, keine Monitore(fast), man braucht immer Adapter und wenn man eine Präsentation halten muss ist sowieso noch immer und überall VGA.
@Thomas:
Mit analogen “VGA”-Anschluss wird man kaum >FullHD befeuern können. DVI war def. die richtige Entscheidung, Mini-DVI nur halt die verkleinerte Version, um das ganze auch bei MBair-Dicken hinbekommt.
DVI ist in die Jahre gekommen. Es wird Zeit, dass es verschwindet. Dann klappt alles wieder reibungsloser…
Das Problem bei 2560×1600 ist nicht, dass kein reduced blanking unterstützt wird, sondern dass ein DVI-Link auch wenn es verwendet werden würde nicht genügend Bandbreite hat.
Displayport hat aber auch mit einem Kanal genügend Bandbreite dafür. Man kann also nicht einfach einen passiven Displayport->DVI-Adapter bauen, weil man einen Kanal auf zwei splitten muss. Deshalb das monströse Teil. Das enthält einen Display-Port-Receiver, ein wenig Logik und zwei DVI-Transmitter.
Alle Klarheiten beseitigt?
Das ist klar, Coda.
Mein Einwurf mit Reduced Blanking war eher für die Leute gedacht, die immer steif und fest behaupten, daß mit Single-Link-DVI ein 30″er ja sicherlich auch 1920×1200 darstellen würde, nicht nur 1280×800. Oder, wenn sie es selbst merken, total erstaunt sind und nicht verstehen, weshalb nicht mehr geht …
Kurzes Update:
Ich kam endlich dazu, HDCP-Content zu testen. Konkret „Battlestar Galactica Season 3“ aus dem iTunes-Store. An meinem Eizo kommt dann auch eine schöne HDCP-Fehlermeldung, wenn auch nur ein Pixel des Video-Fensters den Eizo streift.
An meinem 3007 WFP jedoch? Keinerlei Probleme, trotz des komischen Adapters. Tut sauber, auch wenn manche Forumspostings in verschiedenen, nun ja, Foren etwas Anderes behaupten.