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MultiMarkdown: Einfaches Markup (ha!) für Web und LaTeX?

23. März 2009

Immer wieder macht unter Textarbeitern der Begriff MultiMarkdown die Runde. Wobei mit „Textarbeiter“ nicht nur die professionellen Schreiberlinge, sondern auch Studenten und Blogger gemeint sind. Und natürlich die Schnittmenge daraus. Jedenfalls möchte ich heute eine kurze Einführung ins Thema Markdown geben. Nö, kein Tutorial. Eher ein Mund-Wässrigmachen. Oder Brechreiz-Auslösen, je nach Gusto.

John Gruber erfand vor einiger Zeit Markdown. Sein Ziel könnte knapp so ausgedrückt werden: LaTeX für Webinhalte. Nur nicht ganz so kompliziert. Markdown ist eine möglichst einfache Regelung, wie man Links, Listen, Emphasis und so weiter schreibt, um dann am Schluss ein valides XHTML-Dokument zu erhalten. Und dabei soll alles so gut wie möglich „human-readable“ sein und auch als reine Textdatei noch ansehnlich bleiben. Technisch gesprochen ist MarkDown eine Kombination aus einer Syntax und ein paar Perl-Skripten, die den Text dann „rendern“.

Fletcher Penney stürzte sich auf Grubers Arbeit und baute Markdown zu MultiMarkdown aus. Er erweiterte die Syntax und brachte neue Konvertierungsziele mit ins Boot: LaTeX, RTF, Word, über den TeX-Umweg auch PDF … Also ganz praktisch für jemanden, der Texte für verschiedene Medien schreiben möchte.

MultiMarkdown-Dokumente sind immer gleich aufgebaut: Es gibt einen Header, in dem z. B. Autor, Titel und Exportoptionen angegeben sind. Und dann kommt der Text. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

# Ich bin eine Überschrift!
Und ich bin ein Fließtext. Niemand mag mich,
selbst dann nicht, wenn ich **fetten Inhalt**
habe oder auch mal etwas _schräg drauf bin._

Manchmal beinhalte ich auch Listen:
- Aufstehen.
- Bier trinken.
- Weltherrschaft an mich reißen.

Welchen Editor man zum Schreiben von MultiMarkdown-Dokumenten verwendet ist entsprechend Wurst. Weil Baum? Nein, weil man halt einfach nur in Klartext schreibt. Natürlich kann man auch einen RTF-Editor dazu verwenden. Oder Word. Hauptsache, man setzt dann die Hervorhebungen von Hand, nicht mit Command-B oder der Stile-Palette. Wobei …

Ich persönlich tippsle meistens in Scrivener. Keiths Programm hat gute MultiMarkdown-Unterstützung. Zum Beispiel werden, auf Wunsch, aus den Titeln der einzelnen Dokumente im Binder automatisch Überschriften. Oder man kann eben ganz normal, wie von anderen Schreibprogrammen gewöhnt, fett und schräg formatieren, dann aber vor dem Export nach MultiMarkdown konvertieren. Man nutzt also die Organisations-Vorteile von Scrivener, um dann anschließend ein schön gesetztes LaTeX-PDF zu erhalten. Oder einen Blogeintrag für Apfelquak.

Bei Sachen, die weniger strukturiert werden müssen, bietet sich TextMate an. Zusammen mit Fletchers TextMate-Bundle hat man eine fast perfekte Markdown-Umgebung.

Und wozu das Ganze?

Hauptvorteil: Man hat einfach einen Haufen .txt auf der Platte. Die einerseits gut von Spotlight indiziert werden, andererseits beim kurzen Durchschauen mit QuickLook sehr lesbar sind. Dokumente, die man notfalls auch mit nano oder vim in der Konsole bearbeiten kann. Oder mit subversion verwalten. Und die man auch problemlos auf Linux oder Windows weiterverwenden kann. Inklusive Volltextsuche übers Dateisystem. Und das unabhängig davon, ob MultiMarkdown installiert ist oder nicht. Wobei die Umgebung auf jedem System mit Perl-Installation läuft, wenn auch nur auf dem Mac vollständig – für die Konvertierung nach RTF oder Word werden OS X-Routinen eingesetzt. Aber XHTML als kleinster gemeinsamer Nenner? LaTeX? Kein Problem.

Und MarkDown ist einfach. Wer eh nur Klartext-E-Mails verschickt (gut!), dem dürften die einen oder anderen Konventionen bereits geläufig sein. Ansonsten ist’s eigentlich einleuchtend und klar. Und man hat auch Optionen, wie man denn nun arbeiten möchte: Zum Beispiel habe ich die Links in diesem Artikel in-line geschrieben. Ich könnte sie aber gerade so gut mit Pseudo-Fußnoten verwalten.

Vielleicht möchte sich der eine oder andere Leser (und die eine oder andere Leserin, wir wollen ja niemanden diskriminieren) MultiMarkdown persönlich ansehen. Fletchers Website ist der erste Schritt dazu, mit vielen Beispielen und Erklärungen. Oder aber, Ihr führt Euch den MultiMarkdown-Entwurf dieses Artikels zu Gemüte. Damit Ihr eine Idee davon bekommt, wie man denn nun tippselt.

So oder so kann ich nur jedem Vielschreiber nahelegen, sich MultiMarkDown anzuschauen. Es kann sich lohnen. Besonders dann, wenn man fürs Web schreibt. Alle meine Artikel auf Apfelquak entstanden mit MultiMarkdown, sollte ich vielleicht ergänzen …

{ 18 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }

@nggalai März 23, 2009 um 17:00

MultiMarkdown-Artikel #Apfelquak: http://tinyurl.com/dhn3b3 #MultiMarkdown

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ad März 23, 2009 um 16:15

Wie man so ein trockenes Thema so schön verpacken kann, wird mir ewig verborgen bleiben. Kompliment & Danke für diesen grandiosen Text.

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MacMacken März 23, 2009 um 22:07

Gut geschrieben!

Bloss eine Anschlussfrage:

Oder mit subversion verwalten.

Möchte man dafür wirklich SVN verwenden? Da gibt’s doch besseres … ;)

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nggalai März 23, 2009 um 22:17

Möchte man dafür wirklich SVN verwenden? Da gibt’s doch besseres … ;)

Du bist böse, hast aber recht. :D Aber SVN ist bei Leo halt vorinstalliert. Daher auch aufgezählt.

Dank Dir, ad!

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Michel März 23, 2009 um 23:19

Ist ja fast wie Textile, ich schaus mir mal an :-)

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Michael März 24, 2009 um 06:24

Ich verwende Markdown (ohne Multi) schon seit Jahren für mein Weblog und könnte ohne dieses Plugin gar nicht mehr leben bloggen.

Zum Glück bieten viele neuere Editoren — zum Beispiel MarsEdit, TextMate, BBEdit — ein Preview für Markdown-formatierte Texte an, so dass man schon vorab überprüfen kann, ob man keine Fehler in die Links gebracht hat.

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galdo März 24, 2009 um 09:53

Danke für den Tipp – schau ich mir heute abend mal an ;)

Galdo

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nggalai März 24, 2009 um 12:14

@Michael,

ich verwende auch nur wenige der MultiMarkdown-Funktionen. Eigentlich nur den Export zu RTF / Word, für die Weiterverarbeitung in Mellel oder iCalamus. PDF-LaTeX habe ich wieder deinstalliert, da mir TeX immer noch zu kompliziert ist (shame on me). Und Formeln setzen, Tabellen erstellen und so weiter muß ich in meinem Beruf nicht. Auch wenn das in MMD sehr leicht geht.

Auf Twitter machte das Gerücht die Runde, daß Drupal ein MMD-Plugin bekommen soll. Das wäre natürlich toll, aber ob sich da wirklich jemand dransetzt? Käme mir persönlich jedenfalls sehr entgegen. So schaue ich mir jetzt halt MoveableType an …

Noch ein Wort zu Scrivener und TextMate: Letzteres bietet viele angenehme Erleichterungen fürs Schreiben von MultiMarkdown-Dokumenten. Scrivener nicht. Aber: Es gibt ja noch den „Edit in TextMate“ InputManager. Soll heißen – wird’s mir irgendwann in Scrivener doch zu mühsam, drücke ich Ctrl+Command+E und arbeite in TextMate weiter. Command+S, und das Frischgetippselte erscheint in Scrivener. Fletcher hat dazu auch seine Sicht der Dinge und geht sehr ausführlich auf seinen eigenen Workflow ein.

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MacMacken März 24, 2009 um 13:27

Apropos «Textmate»:

Diesbezüglich sehe ich immer wieder viel Lernbedarf bei Benutzern, weil die Anwendung standardmässig sehr diskret daherkommt und ihre unendlich vielen Funktionen nicht aufdrängt. Gibt es dazu empfehlenswerte Blogartikel, auf die man bei Bedarf verweisen könnte?

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Patrick März 24, 2009 um 15:24

Ist das nur speziell für OS X oder funktionieren die Perl Skripte auch mit Windows/Linux usw. Konnte auf der Homepage nichts genaues finden.

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nggalai März 24, 2009 um 16:16

@Patrick,

MultiMarkdown sollte auch auf Windows und Linux laufen, wenn man denn eine funktionierende Perl-Installation druff hat. Ausnahme: RTF- und Word-Export werden über OSX-eigene Mittel erledigt. Aber für XHTML und LaTeX sollte es funktionieren. Ich kenne jedenfalls Menschen, die es einsetzen. Selbst muß ich es noch ausprobieren.

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frank März 24, 2009 um 18:38

Oh Mann, das hat mich wieder Zeit gekostet. ;-)

Eigentlich bin ich ja ein txt2tags – Fan, aber heute habe ich wieder – angeregt durch diesen Artikel – Multimarkdown rausgekramt.
2rtf und 2xhtml ist wirklich easy mit drag&drop. Aber 2pdf läuft bei mir gar nicht.
Zum Glück habe ich dann princexml entdeckt, das wieder sehr hübsche pdfs aus xhtml oder xml erzeugt.

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nggalai März 25, 2009 um 17:57

@frank,

PrinceXML sieht interessant aus. Muß ich ausprobieren … Ist für single-use ja kostenlos.

@MacMacken,

also, auf der Macromates-Site findest Du schon sehr viel. Man muß etwas suchen, weil’s nicht so gut sortiert ist, aber ich habe schon so einige Tutorials in den Tiefen gefunden, z. B. fürs Blog-Plugin von TextMate. Ansonsten – Learning by Doing, I’m afraid. Dennoch erstaunlich, wie viele Leute bei diesem Editor hängen bleiben, trotz der kurzen Test-Zeit. Wenn man mal den Bundle-Editor kapiert hat, geht’s eigentlich gut vorwärts.

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Jochen Lillich März 25, 2009 um 23:20

Auf Twitter machte das Gerücht die Runde, daß Drupal ein MMD-Plugin bekommen soll. Das wäre natürlich toll, aber ob sich da wirklich jemand dransetzt? Käme mir persönlich jedenfalls sehr entgegen.

Ich verwende MD schon seit Jahren für alle meine Blogs, auch für die Drupal-basierenden: http://drupal.org/project/marksmarty

Gruß, Jochen

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Herr Chow August 18, 2009 um 12:52

Eine Frage an nggalai: Ich habe mit TextMate einen Text in MultiMarkdown erstellt, den ich mit Mellel weiterverarbeiten wollte. Nun habe ich ein Problem mit den Fußnoten: Diese erscheinen nach dem RTF-Export nicht auf der jeweiligen Seite, sondern im Haupttext am Ende des ganzen Dokuments; dasselbe Ergebnis, wenn ich den MMD-Text mit Scrivener verfasse und nach RTF exportiere. So muß ich jede einzelne Fußnote noch einmal neu setzen. Übrigens: Wenn ich die inline footnotes von Scrivener verwende und keine MMD-Syntax habe ich am Ende in der RTF-Datei das gewünschte Ergebnis (Fußnoten auf der jeweiligen Seite unten). Habe ich etwas übersehen? Wie kann ich MMD-Dokumente mit Mellel am besten weiterverarbeiten, wenn ich Fußnoten verwende? Ich weiß, daß RTF Schrott ist, aber wie bekomme ich sonst die Anbindung zu Mellel hin?

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nggalai August 18, 2009 um 17:03

Moin Herr Chow,

Fußnoten sind ein Problem, wenn man als Output keine Website oder ein LaTeX-Dokument möchte. Konkret: MMD verwendet textutil von OS X, um aus einer XHTML-Datei (als Zwischenschritt) ein RTF oder ein Word-Dokument zu rendern. Und XHTML kennt nun mal keine Seitenumbrüche und echte Fußnoten. Fletcher haßt RTF und will da keine Zeit reinstecken; die gegenwärtige Unterstützung war mehr ein Abfallprodukt. Im aktuellen MMD-Release hat’s bereits ein GoogleDocs-XSTL mit dabei. Damit können auch Windows- und Linux-Anwender RTF und Word generieren, über den Web-App-Umweg. Nur leider kann GoogleDocs die eigenen Fußnoten auch nicht sonderlich gut exportieren …

Beim LaTeX-Output besteht das Problem nicht, da LaTeX ja eh erst anschließend das Rendering vornimmt. Scrivener hat das Problem nicht, da es direkt nach RTF schreibt (also, nicht über XHTML geht) und dabei {footnote}-Syntax verwendet.

Wenn Du auf viele Fußnoten angewiesen bist, würde ich momentan von MMD absehen, wenn Du dann nicht in LaTeX / PDF weiterarbeiten möchtest.

Aber: Amber aus den Scrivener-Foren arbeitet an einem MultiMarkdown -> Mellel-Konverter. 75 % hat sie nach eigenen Aussagen (15. August 2009) bereits fertig.

Ein anderer Ansatz wäre, für die MMD-RTFs ein TextMate-Makro zu schreiben, das die XHTML-Pseudo-Fußnoten richtig setzt. Aber das dürfte auch eine Heidenarbeit sein …

Edith sagt: Andererseits – wenn man eh direkt von Scrivener nach Mellel möchte, braucht’s den MMD-Umweg eigentlich nicht. Die Scriv-Fußnoten funktionieren ja. Und wenn man einfach nur noch den Fließtext als MMD behalten möchte: Die Scriv-Fußnoten lassen sich nach MMD konvertieren. So fürs Backup oder später LaTeX oder so.

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Herr Chow August 18, 2009 um 18:41

Vielen Dank, nggalai, für die schnelle und hilfreiche Antwort! Die Art und Weise, wie ich via MMD Fußnoten ans Ende des Dokuments schreiben kann, erscheint mir wesentlich sauberer und schöner als die Scrivener-Variante. Diese hat überdies den Nachteil, daß sie die Edit-in-TextMate-Funktion unbrauchbar macht; die Scrivener-Fußnoten werden dabei naturgemäß verschluckt.

Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als auf Ambers MMD-Mellel-Konverter zu warten und bis dahin die Scrivener-Fußnoten zu verwenden. (TextMate werde ich vermissen.)

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Herr Chow August 18, 2009 um 18:48

Gerade im Scrivener-Forum entdeckt, passend zum Thema und sehr vielversprechend:

„It has already been announced that 2.0 will provide an alternate method of notation from inline. Inline will still be there for those of us that prefer it, but if you wish you can use something more similar to Word (at least the last time I tried it years ago, ha) in which you click on something and a little panel opens up to display the note. Using this method, extensive footnotes can be buried in what looks like a sticky note palette, while the reference itself is represented as a low-impact hyperlink looking affair in the source text.“

http://www.literatureandlatte.com/forum/viewtopic.php?f=15&t=6319&p=52209&hilit=footnotes#p52212

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