
In der zweiten Folge zum Thema „Monitorkalibrierung“ soll sich alles um den Weißpunkt drehen. Respektive die Farbtemperatur. Das ist ein recht weites Feld, und leider dabei auch das Umstrittenste. Immer wieder hört man gutgemeinte Ratschläge wie „stell Deinen Monitor auf 6.500 Kelvin ein! Das ist sRGB-Standard!“ oder „nein, 5.000 Kelvin ist ISO-Norm!“.
Besonders als Neuling weiß man dann nicht so recht, was man machen soll. Dabei ist die Sache so einleuchtend wie einfach. Einleuchtend. Ha. Genau. Zumindest grundsätzlich. Praktisch sieht es, wie nicht anders zu erwarten, etwas anderes aus.
Grundregel: Der Bildschirm soll ans Umgebungslicht angepasst werden. Wer eher warme Glühlampen am Arbeitsplatz hat, muss auch den Monitor wärmer justieren. Wer Neonlicht ertragen darf, eher kühl. Denn das Ziel ist ja nicht, dass alle Bildschirme auf der Welt genau dieselben Einstellungen verwenden. Sondern dass es „passt“. Zum Beispiel, wenn man einen Ausdruck mit dem Monitorbild vergleichen will.
Es bringt also herzlich wenig, wenn die Neon-Leute ihre Bildschirme auf 5.000 Kelvin kalibrieren, weil das halt mal irgend wer in eine ISO-Norm geschrieben hat. Ausnahme ist natürlich, wenn man einen 5.000 Kelvin Leuchtkasten griffbereit hat. Aber damit sind wir schon wieder im farbveralteten Profi-Umfeld, und das wollten wir ja sein lassen.
Soweit alles klar? Dann kann ich Euch ja aufs Problem aufmerksam machen.
Das Problem.
Kaum jemand, der nicht wirklich professionell mit Grafik zu tun hat, verfügt über einen konstant ausgeleuchteten Arbeitsplatz. Die Lichtverhältnisse ändern sich den ganzen Tag über. Mal scheint die Sonne durchs Fenster. Mal hat man dieses kalte, graue Licht bei Regenwetter. Mal brennt die Schreibtischlampe.
Anders gesagt: Die Anforderungen an die Monitor-Einstellungen bleiben beim Normal-Benutzer eben nicht konstant. Oder noch anders gesagt: Eigentlich ist es für Hobbyisten recht egal, welche Farbtemperatur sie am Monitor wählen. Es passt eh nicht immer. Nehmt das, was Euch am angenehmsten erscheint. Und wenn ihr Banding nicht ausstehen könnt, nehmt „Native“ und gut ist.
Wem das zu defätistisch klingt darf gerne weiterlesen.
Der etwas idealistischere Ansatz
Man könnte sich zum Beispiel eine Vollspektrumlampe an den Schreibtisch stellen. Und kann so auch gleich noch gegen seine Winterdepression angehen. UND spart Energie, da es sich dabei um modernere Lampen handelt als die gemeine Glühbirne.
Dann misst man die Farbtemperatur des Lichtes aus. Und wundert sich, weshalb im eigenen Zimmer die Tageslichtlampe – die man sich extra wegen den versprochenen 6.500 Kelvin gekauft hat – doch nur auf vielleicht 5.800 Kelvin kommt. Also wärmer ist als angepriesen. Entsprechend hat es wenig Sinn, seinen Monitor wegen einer Empfehlung in einem Photographie-Forum und der Verpackung der Lampe auf 6.500 K einzustellen. Das wäre zu blaustichig, zu kühl.
Nur, wie macht man das Ganze ohne Kolorimeter?
Der Zyniker in mir sagt: Gar nicht. Die MacLife hatte letztes Jahr mit wissenschaftlichen Messgeräten verschiedene Kalibrierungshilfen, nun ja, nachgemessen. Und kam zum Schluss: Per Auge zu justieren liefert grauenhaft ungenaue Resultate. Entsprechend ist auch mein Vorschlag an die Hobbyisten und Semiprofis hier – kauft Euch ein Kolorimeter und die passende Software dazu. Wirklich brauchbare Geräte gibt’s schon ab etwas über hundert Euro, mit guter Software ist man für rund € 200,– mit dabei. Man kann die Dinger auch ausleihen, zum Beispiel von befreundeten Grafik-Agenturen. Meine Empfehlungen spare ich mir für einen späteren Artikel auf.
Aber wie soll man denn jetzt seinen Monitor einstellen, wenn man halt eben kein Farbmessgerät griffbereit hat?
Gebastel Lösungsansatz.
Wieder kommt das Blatt Papier zum Zuge. Am besten eines ohne optische Aufheller. Aber bitte auch kein handgeschöpftes Büttenpapier oder so etwas. Normales, mattes Druckerpapier reicht.
- Legt das Papier vor Euren Monitor. Oder, wie zuvor, in den Leuchtkasten. Aber in dem Fall habt Ihr wohl auch ein Kolorimeter und die passende Software griffbereit. Gratulation! Auch Ihr könnt den Rest des Artikels überspringen!
- Öffnet ein weißes Fenster auf dem Bildschirm.
- Geht im On-Screen-Display Eures Monitors die auswählbaren Farbtemperaturen so lange durch, bis Bild und Blatt in etwa gleich „weiß“ sind.
Mit etwas Glück besitzt Ihr einen Monitor, bei dem man die Farbtemperatur in vielen kleinen Schritten einstellen kann. Mit etwas Pech ein Gerät mit Gain-Reglern, was diesen Ansatz ohne Messgerät recht mühsam macht. Mit viel Pech ein Apple-Gerät, bei dem man außer der Helligkeit gar nichts einstellen kann. In dem Fall kommt Ihr um anständige Software nicht herum.
Wer mit Kolorimeter und guter Software gesegnet ist, macht es recht ähnlich. Statt am Monitor zu wursteln misst man einfach das Papier aus und gibt die Koordinaten in die Kalibrierungs-Software ein, fertig.
So oder so – wenn Ihr alles richtig gemacht habt, sollte jetzt mit Eurem üblichen Arbeitsplatz-Licht der Bildschirm in etwa das gleiche Weiß bieten wie ein Stück Papier. Ihr habt also den Weißpunkt korrigiert. Toll!
Aber das war auch erst der Anfang. Denn ohne eine anständige Profilierung der anderen Farben kommt ihr damit nicht sehr weit. Jedenfalls nicht, wenn es einigermaßen farbverbindlich bleiben soll.
Aber dazu ein ander Mal mehr.

{ 6 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
wo kann ich den kolorimeter ausleihen? Das interessiert mich wirklich. (vorallem wen ich KEINE befreundete agentur habe
)
Hmm. Hast Du sonst graphisch interessierte Freunde oder Hobby-Photographen im Umfeld? Einer davon wird sicher so ein Gerät herumliegen haben.
Ansonsten habe ich mir sagen lassen, daß auch Photohändler zwischendurch solche Sets ausleihen. Und es gibt in vielen größeren Städten „Farbmanagement-Dienstleister“, die Dir das Material stellen könnten. Kostet natürlich etwas, so daß man sich schon fragen sollte, ob man nicht doch das Geld in ein eigenes Gerät investieren möchte. Die UGRA empfiehlt immerhin: nachmessen alle zwei bis vier Wochen …
Guter Artikel, für Leute, die im Printbereich arbeiten. Leider wurde vergessen, diese Einschränkung dazuzuschreiben. Für die meisten Leute sind Fotos primär für den Bildschirm bestimmt, und der leuchtet nun mal, und serviert wunderbar selbstleuchtende Farben. Wie gut, dass da mehr drin ist als auf einem Stück Papier.
Früher hat man als Photo-Liebhaber sich die Mühe gemacht, den Diaprojektor aufzubauen, weil Dias einfach so viel schöner sind als Abzüge auf Fotopapier. Heute schaut man sich Fotos auf Bildschirmen an, oder mit dem Beamer, anstatt sie auszudrucken. Da muss Farbmanagement ganz anders gemacht werden, vor allem ohne den furchtbaren CMYK-Farbraum.
Interessant, dass moderne Verlage auch langsam von CMYK weggehen zu RGB, weil es einfach viel zuverlässiger ist, die vor dem Drucken irgendwann notwendige Konvertierung von RGB ganz am Schluss zu machen, eben in der Druckmaschine, anstatt ständig vorher mit mehr oder weniger gut kalibrierten Monitoren, die dann doch nur einen ungefähren Eindruck und ständig mehr Rechenfehler anzeigen…
RGB rulez!
Rudolf, das mit dem „legt ein Blatt Papier vor den Monitor“ betrifft natürlich auch Photo-Prints vom Dienstleister. Egal, ob das jetzt Schlecker oder Saal-Digital ist. Mit CMYK hat das alles sehr wenig zu tun, da da vorwiegend in sRGB-Profilen gearbeitet wird. Vielleicht mal Adobe-RGB. Aber CMYK? Das wäre eine eigene Kolumne wert. Oder eine eigene Reihe von Kolumnen.
Allerdings hast Du schon recht: Wer z. B. Photos vorwiegend am Mac / LCD betrachtet, der kann das alles vergessen. Aber es gibt ja auch noch die Leute, die 1) Abzüge bestellen oder 2) halt auf dem Monitor dasselbe (mehr oder weniger) sehen wollen wie auf dem Tintentstrahl-Ausdruck. So oder so ist’s nicht verkehrt, zumindest seinen Weißabgleich auch dem Umgebungslicht anzupassen. Und sei’s nur, daß dann die Slideshow in iPhoto auch wirklich weiß darstellt, statt chamoix oder neon-blau.
Oder eben der ganz andere Fall: man arbeitet für Film und Fernsehen, bzw. will seinen Monitor so einstellen, dass Filme (z.B. von DVD) richtig dargestellt werden. Dafür gibts dann wieder klare Richtlinien was die Farbtemperatur angeht, nämlich 5400 Kelvin für Film und 6500 für Video. Und das ganze natürlich in entsprechender Umgebung, sprich stockdunkel wie im Kino, bzw. abgedunkelt wie eben Abends beim Fernseh gucken.
Wichtiger Punkt, Alexander. Eben, die Umgebung hat einen Einfluß. Bei Video/Film-Produktion halt (nahezu) Dunkelheit, und dann bitte aber auch mit dem Weißpunkt, der dann die Projektoren / TVs daheim bieten sollen …
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