Farbmanagement 101: Wie hell soll’s denn sein?

1. März 2009 · 27 comments ·

ColorSync

Die Einstellung der Helligkeit - oder Luminanz - erscheint mir in Sachen „Monitorkalibrierung“ so wichtig, dass ich ihr meinen ersten Artikel zu diesem Unter-Thema widmen möchte. Auch, da man selbst ohne Messgeräte die Bildschirmdarstellung verbessern kann. Farbtemperatur und Tonwertkurve folgen dann später. Yup. Aber zuerst einmal zum Luminanz-Problem, insbesondere bei Apple-Geräten.

Das Problem.

Monitore sind in der Regel zu hell. Ja, ist so. Aus irgend einem mir unerfindlichen Grund hat es sich bei den Marketing-Drohnen eingebürgert, möglichst hohe Candela-Angaben (cd/m²) als Verkaufsargument anzuführen. Mit dem Ergebnis, dass viele TFT bei den Werkeinstellungen schon auf rund 300 cd/m² oder mehr kommen. Das klingt vielleicht toll - große Zahl! - aber sobald man an dem Gerät arbeiten möchte … Dann ist man früher oder später gezwungen, runterzuregeln. Nur schon der Netzhaut zu liebe.

Aber auch wegen der Vergleichbarkeit zum Ausdruck. Wer kennt das Problem nicht? Man hat sich am Bildschirm viel Mühe gegeben, ein Photo mit heftigem Schattenanteil so weit zurechtzubiegen, dass es toll aussieht. Mit viel Zeichnung und so weiter. Dann druckt man’s aus, und der Ausdruck ist dunkler als erwartet. Ja, das Problem besteht nicht nur bei Picasa (wenn da auch viel extremer), sondern kann einem auch im farbverwalteten Umfeld den Tag versauen.

Der häufigste Grund für dieses Problem ist: Der Monitor ist einfach zu hell eingestellt. Ich erspare Euch jetzt einen langen Text zum Thema „leuchtende und reflektierende Medien“. Aber ist klar, dass ein 300er-Monitor „etwas“ heller erscheint, als das Photo auf dem Schreibtisch bei funzliger Beleuchtung. Da sollte man dagegenhalten. Oder sich einen Leuchtkasten kaufen. Was bös ins Geld gehen kann.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage „wie hell soll’s denn sein?“ kann man nur schwer geben. In der graphischen Industrie und bei Photographen sind so 100 bis 150 cd/m² weit verbreitet. Wer auf dem Bildschirm auch gerne Filme sieht, hätte es wohl gerne heller. Ist also eine Ermessensfrage, und eine Frage der Umgebung.

Denn selbst die ISO 12646 / ISO 36634 und die UGRA mit ihren empfohlenen > 120 cd/m² gehen von einem entsprechend normierten Umgebungslicht aus. Leuchtkästen zum Beispiel sollen zwischen 1.500 und 2.500 Lux liefern können. Das wäre vergleichbar mit dem Flutlicht im Fußballstadion, vom Platz aus gesehen. Natürlich muss das Licht für den Abgleich am Monitor gedimmt werden können, dann sind so etwa 400 bis 600 Lux gefragt. Einfach, weil mit wenigen Ausnahmen Monitore nicht genug Kontra (-st) geben können.

Aber für uns Hobbyisten soll das nicht weiter relevant sein und sei nur der Vollständigkeit halber aufgeführt.

Gebastel - Lösungsansatz.

  1. Legt ein weißes Blatt Papier auf den Schreibtisch vor den Monitor. Oder, falls Ihr reich seid, in Euren Leuchtkasten. Den Ihr natürlich auch einschalten solltet. Err.
  2. Öffnet ein (weißes) Fenster auf dem Bildschirm.
  3. Dann regelt den Bildschirm so lange herunter, bis das Bild in etwa gleich hell erscheint wie das Papier.

Je nachdem, wie Euer Arbeitsplatz beleuchtet ist, werdet ihr Euch wundern. Oder nach Tools wie Shades klönen, weil man den Monitor ohne Hilfsmittel nicht genug runterschrauben kann. Nur als Beispiel: Meine Bildschirme haben eine Luminanz von rund 80 cd/m², was so viel bedeutet wie: nur 30 % Backlight. ¼ der Helligkeit, die z. B. das LED ACD bei Werkseinstellung liefert. Nein, ich sitze hier nicht im Finstern. Aber Neon- oder Halogen-Licht kommt mir auch nicht ins Haus.

Das Monitorbild mag nach Monaten oder Jahren der vollen Dröhnung etwas lasch und dunkel erscheinen. Aber daran gewöhnt sich das Auge. Und man hat ein Problem weniger, wenn es darum geht, Photos und andere Dokumente mit dem Bildschirm zu vergleichen … Das ist es doch schon fast wert, nicht?

Entsprechend meine Frage an Euch: Auf welche Helligkeit sind Eure Monitore geregelt? Und weshalb? ISO-Norm eingehalten, persönliche Vorliebe, oder gemäß dem Gebastel von oben?

Zu den anderen Kalibrierungspunkten dann später mehr. Versprochen. Wirklich!

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MacMacken 1. März 2009

Entsprechend meine Frage an Euch: Auf welche Helligkeit sind Eure Monitore geregelt? Und weshalb? ISO-Norm eingehalten, persönliche Vorliebe, oder gemäß dem Gebastel von oben?

Ich kenne den Wert nicht, aber bei externen Bildschirmen verwende ich üblicherweise einen Wert nahe am Minimum, bei Notebook eher etwas heller. Beides ist möglich, weil ich bislang noch mit Bildschirmen arbeite, die nicht spiegeln … bei Spiegelbildschirmen muss man leider die Helligkeit häufig voll aufdrehen um damit halbwegs arbeiten zu können.

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JP 1. März 2009

Spannendes Thema. Mein weißer Intel iMac 17″ steht auf ca. 2/3 Helligkeit. Sitze ich mal an fremden Kisten, drehe ich da auch sofort an der Schraube.

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Jörg_G 1. März 2009

Beim MBA ist das Arbeiten mit den unterschiedlichen automatisch angepassten Helligkeiten super angenehm, da ist ein Nachregeln bei voreingestellten Werten eigentlich gar nicht mehr notwendig. Trotzdem mach ich es mir z.T. ein wenig heller bei der Bearbeitung von Grafiken oder Fotos, Videos sind dann allerdings bei zu viel Helligkeit kontrastärmer. Kommt halt auf die Voreinstellung und, wie ich finde, den eigenen Geschmack an.

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kl3ks 1. März 2009

Ich hab mein MacBook eigentlich immer auf 100% Helligkeit. Werd ich aber jetzt mal ändern *papierholundeinstell*

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MacMacken 1. März 2009

Kommt halt auf die Voreinstellung und, wie ich finde, den eigenen Geschmack an.

Ergonomie basiert primär auf Fakten und weniger auf Geschmack. Ich weiss, dass sich leider viele Bildschirmarbeiter an miserable Ergonomie gewohnt haben, aber im eigenen Interesse sollte man sich über Ergonomie informieren und seinen Arbeitsplatz entsprechend einrichten. Wer täglich x Stunden vor dem Bildschirm sitzt, schuldet dies der eigenen Gesundheit, insbesondere, wenn man nicht fest angestellt ist und sich gesundheitliche Probleme eigentlich gar nicht leisten kann.

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Thommy 1. März 2009

Da ich auch täglich mehrere Stunden vor einem (zum Glück spiegelfreien) 24″er Ungetüm verbringe, habe ich schon nach kürzester Zeit die Helligkeit meinen Augen zu Liebe auf 15-20% (je nach Tageslaune) heruntergeregelt.

Am MB bewege ich mich jedoch meistens bei 70-100% da ich dieses auch meistens in eher monitor-unfreundlichen Lichtbereichen benutze.

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Tobias Mende 1. März 2009

Also mein MBP ist meistens unterwegs sehr hell wegen der Umgebung.
Mein externer Monitor zu Hause ist für das Arbeiten meistens bei etwa 20-30%. Beim Fernsehen auch mal heller…

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dirtydan 1. März 2009

Mein Monitor zu Hause blendet mich jetzt mit hellem Weiß. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass du an der Helligkeit was gedreht hast, lieber Martin.
– Ich finde es ist immer eine Sache des persönlichen Geschmacks und der Außenbedingungen. Wenn es hell ist, drehe ich die Helligkeit meines Monitors auf, damit ich überhaupt noch etwas erkennen kann. Es kann aber auch an meiner Kurzsichtigkeit liegen… 8-)

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Struffsky 1. März 2009

Mein Monitor ist auf 110 cd kalibriert. Passend dazu deutlich gedämmtes Umgebungslicht, wenn es verbindlich sein soll mit einer Vollspektrumbirne. Dieses Licht macht mir allerdings schnell schlechte Laune, weshalb ich mir auch noch einen Vorrat an Glühbirnen zulege wenn das EU-Verbot kommt (aber das ist ja ein ganz anderes Thema). Die Fenster übrigens nicht mit Holzlammellen, sondern einer silbernen Jalousie abgedunkelt (der Farbneutralität wegen).

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Marko 1. März 2009

mein MB ist meistens auf ca. 50% eingestellt.
am Abend ist es oft weniger, beim Anschauen von Filmen und draußen höher.
wobei ich auch die 2,2 Fernseher-Gammakorrektur verwende, wodurch alles ein wenig dunkler ist.

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Badexp 2. März 2009

Interssantes Thema jetzt kann ich auch endlich dank dir Bilder mit dem Bildschirm vergleichen. Aber ansonsten stell ich mir ihn immer so ein wie es mir grad passt, meistens aber heller als dunkler….

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Jonas 2. März 2009

Ich sitze hier meist an nem Eizo FlexScan und lasse den bei 50% Helligkeit laufen. Wobei ich die Helligkeit allerdings auch dynamisch vom Monitor an die Umgebung anpassen lasse. Halt so um die 50%.
Ich habe es gerade mal mit dem Papier (stark gebleicht) überprüft und es passt schon ganz gut.

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nggalai 2. März 2009

Ja, Notebooks sind durch die ständig wechselnde Umgebung ein „Problem“, nicht nur in Sachen Luminanz, sondern ganz generell im Bereich Farbmanagement. Im Kleinen erleben es wohl auch die meisten Desktop-Benutzer - mal brennt die Schreibtischlampe, mal nicht; mal ist das Deckenlicht an, mal nicht; mal ist Sonnenschein, mal graues Regenwetter …

Profis sitzen entsprechend schon fast in Bunkern, etwas übertrieben gesagt. Und die D50 Normlicht-Lampe leuchtet den ganzen Tag auf den Tisch, während der Leuchtkasten leise surrt …

Anheimelnd, nicht? :D

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Matthias 2. März 2009

Danke für den Artikel, der Tip mit dem Blatt ist so simpel, dass er schon wieder verdammt genial ist! Blöderweise ist meine Beleuchtung stärker als das Display meines Notebooks, argh… ;)

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obil 2. März 2009

Super Sache, die Farbmanagement-Serie! :thumbsup:
Ich bin auf das Thema aufmerksam geworden, als ich mal zwei Monitore am (damals noch) PC angeschlossen hatte. Seitdem habe ich ein Kolorimeter im Haus.
Ach ja, 150 cd/qm zu Hause am externen Monitor, am Monitor meines MBP je nach Umgebung. Weshalb? Weil’s so angenehm ist und mir nicht die Netzhaut wegbrennt. ;-)

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dolce 2. März 2009

ich hatte beim mbp so um die 75% helligkeit und bin jetzt aufgrund des artikels noch ein bisschen runter.

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Steffen 3. März 2009

11 von 16 Punkten am MacBook neben einer 50W Stehfunzel.

Mit Spannung erwarte ich die nächsten Artikel :)

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nggalai 3. März 2009

Dank Euch. Nächster Artikel ist in Arbeit; wird wohl um die Farbtemperatur gehen.

Was ich noch sagen sollte: Diese ganzen Einstellungen beeinflussen sich natürlich gegenseitig. Wer also einen sauber kalibrierten und profilierten Monitor sein Eigen nennt, sollte nicht unbedingt nachträglich die Luminanz massiv verändern. Oder dann halt nachjustieren.

Jedenfalls warte ich jetzt auf meine Vollspektrum-Tageslichtlampe. Mach hinne, Amazon! :D

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nggalai 4. März 2009

Lampe ist da. Und bietet sich sehr zum Thema „Farbtemperatur“ des nächsten Artikels an …

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Martin Labuschin 5. März 2009

Ich hab die Helligkeit bei mir auf 72% eingestellt. Alles andere würde blenden … :) Ich muss aber auch nicht immer nahe dem Druck sein, da ich nur für Screen arbeite. Probleme, mit denen ich mich glücklicherweise nicht rumschlagen muss.

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Michael1145 9. März 2009

Ich habe seit einem halben Jahr einen iMac 24″. Da es mein erster Apple Rechner ist, habe ich bis jetzt nur diesen blauen Verschiebeknopf unter >Bildschirm >Systemeinstellungen gefunden. An diesem Regler ist erstens keine Scala und zweitens kann man ihn nicht auf Minimum stellen, da sich dann die Einstellung bei jedem Einschalten des Rechners automatisch auf Maximum verstellt.
Insgesamt ist der Bildschirm auch in der Minimum Einstellung viel zu hell. Der gute Typ mit dem weißen Blatt zeigt es deutlich. Der Kalender, den ich aus iPhoto erstellt habe ist viel zu dunkel (eigentlich unbrauchbar). Ebenso sind die beiden mit dem iMac zusammengestellten CEWE-Photobücher ebenfalls sehr dunkel (nicht so extrem wie der o.g. Apple-Kalender aber wesentlich schlechter als die mit meinem Lidl Noteboock erstellten).
Für einen Typ zur Herunterregelung des iMac Bildschirms wäre ich sehr dankbar.

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nggalai 9. März 2009

@Michael: Im Artikel ist’s schon erwähnt, aber probier’s mal mit Shades. Der Mac sollte eigentlich die Einstellung nicht verlieren; hast Du’s eventuell mal mit einem PRAM-Reset versucht? Und anschließend die Helligkeit runtergeregelt?

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