
Dies ist der erste Artikel einer losen Reihe, die ich zu tippseln plane. Man möge mir vergeben, wenn ich mit dem ganzen technischen Hintergrund etwas gar salopp umgehe. Aber die Serie ist nicht für Freaks und Profis gedacht, daher auch das 101 da oben im Titel.
Soviel der Vorrede, jetzt geht’s los!
Farbmanagement ist für viele Computer-Anwender ein Buch mit sieben Siegeln. Mindestens. Das macht eigentlich auch nicht so viel aus, denn für die gemeine, private Arbeitsumgebung ist konsequentes Farbmanagement nicht sonderlich relevant. Eher eine nette Beigabe und ein lustiger Zeitvertreib. Wenn man denn so gestrickt ist. Hauptsache, der Monitor ist einigermaßen eingestellt, das reicht den meisten Menschen aus.
Trotzdem kaufen sich auch viele Hobby-Photographen und -Grafiker gerne ein Kolorimeter und lesen sich ein wenig ins Thema ein. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die beigelegten ICC-Profile von Monitoren und Apple-Rechnern alles andere als „neutral“ sind. Oder nur schon die Bezeichnung „ganz brauchbar“ führen dürfen. Und dem möchte man natürlich entgegenwirken, auch als interessierter Laie. Sei’s aus ideologischen Gründen, sei’s aus praktischen Erwägungen. Oder weil man zu viel Geld und Zeit übrig hat. Err.
Jedoch: Farbmanagement bringt in einer komplett farbverwalteten Umgebung am meisten. Manche würden sagen, es hat ausschließlich in so einem Umfeld überhaupt Sinn. Wenn man also nicht nur den Monitor vernünftig einstellt, sondern auch gleich seinen Drucker, Scanner und die Digicam. Und selbstverständlich auch Software einsetzt, die mit Farbmanagement umgehen kann. Womit wir beim eigentlichen Thema dieses Artikels wären.
Obwohl der Mac ein Urgestein der Farbmanagement-Bewegung ist, kommen immer öfters Programme auf den Markt, die damit überhaupt nichts anfangen können. Ein Beispiel wären Googles Picasa und Chrome. Apples Safari kann’s wenigstens halbwegs. Jetzt könnte man sagen: „Aber eben, im normalen Umfeld ist das doch schnurz …“, aber insbesondere Mac-User ohne den geringsten Sinn fürs Thema haben ein Problem. Gegebenenfalls ein gehöriges.
Beispiel Picasa: Die Photoverwaltung ignoriert eingebettete Profile von Bildern. [UPDATE: Picasa 3.6.x unterstützt mittlerweile Farbprofile.] So weit, so gut; das hat sie auf Windows schon immer gemacht. Aber die Jungs aus Redmond verwenden eine Standard-Tonwertkurve von Gamma 2,2. Der Mac zur Zeit Gamma 1,8. Wie auch immer: In Picasa werden die Bilder nicht mit dem Monitorprofil verrechnet. Die Darstellung wird also nicht ans Apple-Gamma angepasst. Im Mac-Picasa erscheinen profilierte Photos entsprechend meistens heller und kontrastärmer als zum Beispiel in der Vorschau. Bilder haben oft, besonders im Hobby- und Semipro-Umfeld, ein sRGB-Profil. Und die sRGB-Tonkurve liegt nahe an Gamma 2,2. Womit die Windows-Benutzer fein raus wären. Mist.
Kurz gesagt, auf Windows macht’s in der Hinsicht nicht viel aus. Auf einem Standard-Mac jedoch regelt man vor dem Ausdruck gegebenenfalls tierisch den Kontrast hoch und die Gesamthelligkeit herunter. Dann druckt man’s aus und fragt sich, weshalb alles so düster ist. Denn die meisten Tintenstrahler gehen auch von sRGB aus … Es folgen etliche Probeausdrucke, bis man den Dreh raus hat. Und man flucht auf die vielgerühmte Einfachheit von OS X, weil „unter Windows war das ja alles kein Problem“.
Ich will jetzt nicht so weit gehen, dass Google dem Ansehen des Macs absichtlich schadet. Google hat schon seine Gründe, auf Farbmanagement zu verzichten. Da wäre einmal die Geschwindigkeit – klar, wenn man jedes Bild durch ein CMM schicken muss, geht Rechenzeit druff. Das dürfte auch bei Chrome ein Grund dafür sein, dass sie das Standard-Verhalten von WebKit (profilierte Bilder werden verrechnet, unprofilierter Content nicht) geändert haben. Und mit einem Gamma von 2,2 wie unter Windows ist’s nicht mehr ganz so wild. Die Farben selbst sehen auf 99% der Rechner da draußen eh immer unterschiedlich aus. Und ein Blick in die Zukunft: Snow Leopard wird ebenfalls standardmäßig Gamma 2,2 eingestellt haben. „Do no evil“ hin oder her, Google hat sich für den einfacheren Weg entschieden.
Gebastel Lösungsansätze
Wie behilft man sich aber als Tiger- oder Leopard-Nutzer? Es gibt drei mehr oder weniger sinnvolle Möglichkeiten:
- Man verwendet ausschließlich Software, die Farbmanagement unterstützt. Bye, bye, Google, willkommen iPhoto und angepasster Firefox 3.
- Man besorgt sich ein Kolorimeter und die nötige Software. Dann justiert man seinen Monitor auf sRGB oder Gamma 2,2.
- Man will einfach nur das Tonwert-Problem in den Griff bekommen und schaltet sein bestehendes Monitorprofil auf Gamma 2,2 um, ohne sauber auszumessen. Damit sehen unprofilierte Inhalte – wie zum Beispiel DVDs und viele Bilder im Internet – schon ganz ordentlich aus.
Punkt drei dürfte für die meisten Leser am bequemsten sein: Bildschirm-Eigenschaften öffnen, Farbe anwählen, Kalibrieren (Standard-Modus), Klicken, dann Gamma 2,2 anwählen, speichern, fertig.
Der Idealist in mir fordert jedoch Farbmanagement in allen Programmen. Und überall im Betriebssystem. Zum Beispiel auch auf dem Desktop. Denn es wird die Zeit kommen, wo man nur noch mit dem einen oder anderen Handstand an einen sRGB-Monitor herankommen wird. WCG – Wide-Color-Gamut, also erweiterter Farbraum – ist auf dem Vormarsch. Und damit in nicht-farbverwalteter Software die nuklearen Farben. Und das Geschrei der Computerspieler und Picasanutzer …
Aber dazu in einem anderen Artikel mehr.

{ 18 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Ich dachte ja zuerst, dass diese 0.4 Unterschied nach Placebo-Effekt schreien. Aber es macht wirklich einiges aus. Krass. Bedank mich also recht herzlich für dieses Thema und hoffe auf mehr.
Wie, 101 ist nicht für Profis? Ich dachte, dass binär nur die wenigsten unter uns sprechen können
Zu Punkt 3 hab ich vor Längerem schon mal ein kleines Tutorial verfasst, vielleicht hilft es dem ein oder anderen:
http://www.neo-networks.de/tutorials/gammawert-unter-os-x-aendern/
Ansonsten hab ich gelesen, dass bei Snow Leopard standardmäßig ein Gamma von 2,2 verwendet wird. Bleibt zu hoffen, dass das stimmt.
Noch besser wäre es ja, wenn das Farbmanagement in Mac OS X bildschirmübergreifend wäre und man sich nicht für den MacBook oder externen TFT entscheiden müsste.
Gut die wichtigsten Tools können mit mehren Bildschirmprofilen umgehen, aber Leopard an sich (glaube) momentan noch nicht.
Wichtiger Punkt. Das wird auch noch einen Artikel geben. Die Leute stürmen schon seit 10.3 oder so deswegen, bei Apple, aber es hat sich noch nichts getan. Daß Aperture allerdings mit mehreren Bildschirmen klar kommt, könnte andeuten, daß ColorSync da doch noch ein Hintertürchen offen hat. Bei Adobe ist’s klar, die setzen ein eigenes CMM ein.
Entsprechend verwende ich den MacBookPro-Monitor für Paletten und so weiter, den externen Eizo als EBV-Monitor. Und Safari-Monitor, muß ich zugeben. Surfen bei 17″ Pivot macht einfach Laune.
Na da bin ich auf die noch folgenden Artikel gespannt
Aufgrund solcher Beiträge hat Apfelquak mehr und mehr Feedleser. Toll geschrieben… , sehr treffend.
So isses!
Und was hat das dann für Auswirkungen wenn der Schnee Leo plötzlich mit 2,2 Gamma daherkommt?
Ich habe jetzt schon einen Spyder 2 für meine beiden Monitore.
Gruß
Karl
Wäre es nicht konsequenter von Apple gleich auf ein lineares Gamma wie L* zu wechseln? Wahrscheinlich denke ich da aber zu europäisch. In Amerika hängen doch noch alle an Adobe RGB und damit an Gamma 2.2.
wow. ist das der Grund, warum letztens bei mir ein Bild bei GIMP viel heller als in der Vorschau angezeigt wurde?
Struffsky, ich bin auch Fan von L*. Fahre ich schon ewig. Aber Du hast schon recht; so lange Adobe RGB so prevalent ist, wird sich an den Gamma-Werten nur wenig ändern.
Wobei, von sRGB soll’s eine Unter-Gruppe geben, die statt der sRGB-Tonwertkurve auch L* verwenden. Aber ich glaube, für diesen Artikel führt das zu weit.
Phil, Gimp unterstützt Farbmanagement. Wenn’s denn auch eingeschaltet ist und man einen passenden Arbeitsfarbraum verwendet. Aber prinzipiell kann das schon ein Problem sein, mit den Arbeitsfarbräumen. Die Foren sind voll von gestandenen Photographen und Grafikern, die sich über dasselbe wundern – und das mit Photoshop.
Falls Du mehrere Monitore verwenden solltest, gilt das, was tigion und ich weiter oben geschrieben haben. Dann mußt Du Dich im ColorSync Utility für einen entscheiden, in den meisten Fällen. (Zur Zeit Adobe-Produkte und Aperture ausgenommen.)
Ein weiteres Problem ist unter den neueren Versionen von OS X ist, dass RGB-Bilder ohne eingebettetes Farbprofil nicht wie unter allen anderen Betriebssystemen üblich als sRGB angesehen werden als “Allgemeines RGB-Profil”. Früher konnte man in OS X das Default-RGB-Profil noch selber festlegen. Seit einigen Versionen geht das nicht mehr. Das hat zur Folge, dass für’s Web optimierte Bilder, welche man nach sRGB verrechnet aber ohne Profil abgespeichert hat in Safari falsch dargestellt werden. Besonders blöd ist das, wenn man z. B. ein Farbfläche exakt an ein HTML-Element angepasst hat. Am Mac sieht man dann eine fiese Kante,
Yup, Tekl, das ist ein Problem. Damit schlägt sich allerdings auch zumindest Windows XP mit Firefox herum. Bilder werden als generisches RGB ans Monitorprofil geschickt, ohne Verrechnung. Nur, wenn man Farbmanagement in Firefox 3 anschaltet (Anleitung verlinkt im Artikel), werden die Bilder incl. CSS und HTML-Code als sRGB verrechnet – es sei denn, sie haben ein anderes Profil dabei, dann wird das gewahrt.
Da aber Firefox per Default gar nichts verrechnet, hat man auch das Kanten-Problem von Safari / WebKit nicht. Und da die allermeisten Windows-Rechner mit Gamma 2,2 laufen, ist der Unterschied zu sauberem sRGB relativ gering.
In einer der vielen Diskussionen im Netz hat sich einer der WebKit-Entwickler dazu geäußert. Hauptgrund, weshalb nicht wie bei Firefox 3 komplett verrechnet wird – womit Dein Kanten-Problem bei Bildern wegfallen würde – sind Plugins wie Adobe Flash. Denn die können mit Farbmanagement auch nicht umgehen, entsprechend hätte man dann auch wieder das Kanten-Problem. Und die Leute hätten sich ja daran gewöhnt, Bilder ohne Profil ins Netz zu hängen (wenn sie denn Teil des Layouts sind), entsprechend schaue es auf dem Mac halt anders aus, aber ohne Kanten …
Ich glaub, das wird auch ein Artikel in der Reihe werden. Es sei denn natürlich, jemand anderes prescht vor und möchte das erledigen.
Aha!
Genau diese Geschichte hat mich jetzt beim Zusammenschustern einer neuen Website erwischt.
Habe natürlich als moderner Mensch meine Grafiken als PNGs gespeichert und staunte nicht schlecht, dass sich diese dezent aber sichtbar vom Untergrund abgehoben haben.
Firefox – Safari, alles war ganz bunt und wild gemixt.
Zum Verrückt-werden. (Wie so oft beim Webcoden)
Erstmal tierisch aufgeregt und 100x versucht die Farben zu ändern und alles in verschiedenen Versionen abgespeichert.
Und das waren ja nur die PNGs! Es sollen ja noch kleine Flashs auf die Seite…
Dann hab ich doch noch mal Google bemüht und ein paar interessante und traurige Geschichten über das Farbmanagement gelesen und herausgefunden, dass PS das Farbprofil in die PNGs einbettet.
Diese Profile kann man aber tollerweise mit dem „Gammaslamma“ aus den PNGs verbannen. (Andere Stichworte: PNGcrusher oder so)
Hier auch eine Seite über PNGs und ihre Gammaprofile:
http://hsivonen.iki.fi/png-gamma/
P.S.
Apfelquak lohnt sich ja wieder richtig! Hatte mal zwischendurch den Verdacht euch geht die Luft aus aber seit dem Aufruf gibts ja richtig tolle Beiträge
grüße
steffen
Noch ein Tip zum Strippen von Profilen für die Web-Publikation von Layout-Bildern / Logos / Bannern:
Ich verwende dafür mogrify aus dem ImageMagick-Projekt. mogrify -strip [Dateien oder Ordner], Enter, fertig. Dann klappt’s auch mit WebKit und Safari.
Wenn man in Photoshop “Für-Web-Speichern” verwendet, werden keine Profile eingebettet.
Doch …
zumindest bei mir mit CS2
ich glaube man kann das bei den neueren ab CS3 abschalten. Aber bei mir gerade nicht. :-S
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