MacMP3Gain – Wie man die EQ-Einstellungen des iPod austrickst

21. Oktober 2008 · 24 comments ·

Vor nicht all zu langer Zeit habe ich mich ziemlich über den iPod im Allgemeinen und den Equalizer, der eigentlich keiner ist, im Speziellen ausgelassen. Bei vielen Songs führt die Aktivierung des Equalizers dazu, dass die Musik übersteuert und somit nur noch verzerrt wiedergegeben wird.

Seit fast zwei Wochen nenne ich trotzdem jetzt selbst einen iPod Touch der zweiten Generation mein Eigen. Warum? Weil ich ausführlich bei mir zuhause testen wollte, ob der iPod zusammen mit meiner Musik und meinen Kopfhörern wirklich einen so schlechten Klang liefert. Dem war nicht so. Ich habe ihn bis heute.

Man kann Apple natürlich vorwerfen, dass die EQ-Einstellungen im Vergleich zu anderen Produkten eher schlecht sind. Doch die alleinige Schuld bei Apple zu suchen, was die Verzerrungen angeht, ist nur die eine Seite der Medaille.

Die meisten CDs, die heutzutage produziert werden, werden beim Mischen sehr laut ausgesteuert. Dies soll beim Hörer den Effekt hervorrufen, dass die Musik voller und satter klingt. Das hat allerdings zwei gravierende Nachteile: Einerseits geht die Dynamik der Musik verloren, andererseits lassen sich einige Frequenzen nicht einfach so anheben, ohne Verzerrungen zu verursachen.

Worin liegt jetzt der Trick, die Verzerrungen zu beseitigen? Ganz einfach: Wir verringern die Lautstärke in den Liedern selbst, damit die EQ-Einstellungen verzerrungsfrei werkeln können.

Diese Aufgabe übernimmt das Tool MacMP3Gain. Wie auf der Internetseite erklärt wird, lassen sich zwei Optionen zur Lautstärkeanpassung auswählen. “Album Gain Mode” analysiert ein ganzes Album und behält beim Reduzieren der Lautstärke die Unterschiede zwischen den einzelnen Tracks bei. Mit der Einstellung “Radio Gain Mode” werden alle Tracks auf eine einheitliche Lautstärke heruntergefahren. Dabei gehen die Unterschiede zwischen den Tracks jedoch verloren. Es lässt sich explizit angeben, auf welche Lautstärke heruntergefahren werden soll. Es empfiehlt sich dabei, die Standard-Einstellung (89 dB) zu belassen. Damit werden die Tracks weder zu laut, noch zu leise. Außerdem ist es ratsam, die Option “Allow Clipping” zu deaktivieren, um sicherzustellen, dass die Lautstärkeanpassung ausreicht, um wirklich keine Verzerrungen mehr zu verursachen. Mit der Option “Process Sub-folders” ist es möglich, mit einem Klick die gesamte iTunes-Mediathek in einem Rutsch umwandeln zu lassen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Einstellungen in den Tracks – im Gegensatz zu der Windows-Version der Software – nicht wieder rückgängig zu machen sind! Daher sollte man vorsichtshalber ein Backup seiner Mediathek haben, falls man mit den Einstellungen nicht zufrieden ist.

Nachdem ich auf diese Weise meine Tracks bearbeitet habe, habe ich keine Probleme mehr mit den EQ-Presets. Auch die Einstellung “Mehr Bässe” kann nun sorglos verwendet werden. Die Musik-Dateien müssen übrigens nicht neu kodiert werden. Jeder Track behält seine Klangqualität bei, er wird lediglich leiser gemacht! Der Nachteil dieser Methode ist, dass man die Lautstärke des iPod höher aufdrehen muss. Doch mit den richtigen Kopfhörern sollte das kein großes Problem sein.

–> Kennt ihr diese Methode bereits? Was haltet ihr davon? Wer hat es mal ausprobiert und berichtet davon?

Ähnliche Beiträge

  1. iPod-Bashing – Take 1
  2. iPod shuffle: Ging Apple zu weit?
  3. Clever den iPod Touch im Auto bedienen und laden
  4. iPod Notes – Notizbuch für den iPod
  5. Nike+iPod My First Run

{ 24 comments… read them below or add one }

Niko 21. Oktober 2008

Ich meine mal gehört zu haben, dass das beste Klangerlebnis ohne jeglichen Equalizer oder ähnlichem auskommt. Sprich: Der Song ist einfach von Haus aus genial abgemischt.

Beste Grüße,

Niko

Antworten

Remus 21. Oktober 2008

@ Niko

Das kommt darauf an, was für Kopfhörer du hast. Sehr teure Kopfhörer brauchen keinen Equalizer, um die Musik kraftvoll im ganzen Frequenzspektrum wiederzugeben. Aber da jeder Mensch andere Hörvorlieben hat und nicht unbedingt in die teuersten KH investieren möchte, für den kann ein Equalizer nützlich sein.
Ich persönlich höre immer mit der Einstellung “Mehr Bässe”, weil die Bässe im Vergleich zu Mitten und Höhen ein wenig zu kurz kommen.

Antworten

g@ss 21. Oktober 2008

tip: EQ immer subtraktiv verwenden (weniger höhen statt mehr bässe, selber effekt, kein clipping)

Antworten

Khamelion 21. Oktober 2008

Ich halte eigntlich nicht viel von Equalizern.
Bin ein Mensch der sehr viele verschiedene Musikrichtungen hört und klar hören sich einige Lieder in einer anderen Einstellung besser an, aber eben nicht bei jeder.
Wer will schon mehr Bässe bei Klassikmusik oder Balladen hören.
Dann müsste ich für jedes Lied im Prinzip andere Eq-Einstellungen verwenden.

Antworten

Remus 21. Oktober 2008

@ g@ass

Das halte ich für äußerst diskutabel. Der Effekt ist überhaupt nicht derselbe. Im Gegenteil. Die Bässe wirken zwar im ersten Moment vielleicht lauter, wenn die Höhen abgeschwächt werden, aber dann sind die Höhen weg und die Aufnahme klingt sehr dumpf. Wenn man die Bässe hingegen anhebt, sie die Höhen noch da.

Sorry, aber das kann nach meiner Meinung nie ein richtiger Ersatz sein.

Antworten

Rafael Bugajewski 21. Oktober 2008

Ich bin auch der Typ von Mensch, der ohne Equalizer die Musik pur hört, so wie sie kommt.

Antworten

Daniel 21. Oktober 2008

Ich bin Blechschlosser und daher sowas von taub, dass ich mir um sowas keine Gedanken mehr machen muss :D

Antworten

Stephan 21. Oktober 2008

Nutze mp3gain seit mehreren Jahren (!) als es bei MP3-Playern noch keine Option gab, alle Tracks mit der gleichen Lautstrke abzuspielen. Damals hatte man Diskmen, die MP3-CDs spielen konnten…

Ich gleiche heute noch alle Tracks per Track-Gain auf 89 dB an und höre dann auf dem iPod die Musik mit mehr Bässen, weil in meinen Ohren die Bäasse bei den Ohrhörern verloren gehen.

Bn auch nicht so audiophil veranlagt, dass ich da deutliche Unterschiede hören würde…

Antworten

Tekl 22. Oktober 2008

Ich nutze lieber iVolume. Das nutzt moderne Hardware vollständig aus und ruiniert mir nicht iTunes-Plus-Songs.

Antworten

cozmic 22. Oktober 2008

Brauchbare Inears von Beyerdynamik (DTX50) oder Sennheiser (CX95 Style) gibts ab 65 Euro, das sollte bei dem teuren iPod auch noch drin sein. Dann braucht man sich auch nicht mit technischen Hilfsmitteln rumschlagen, die letztlich mehr Klang vernichten als gut machen. Und wenn die Hörer nicht passen, es liegen 3 verschiedene Gummigrößen bei, die sollten auch Langohren befriedigen.
Der Bass ist bei den o.g. jedenfalls kein Problem mehr.

Antworten

Jacop 22. Oktober 2008

Ich hör Musik nur mit den original Applekopfhörern mit “Mehr Bässe”..
Aber schon bei diesen schlechten Kopfhörern hört man, wie die Bässe verzogen werden..

Bei großen Kopfhörern, Sennheiser PX 200 etc., hört man des noch viel mehr.. Da wir nie mit EQ gehört..

Meiner Meinung nach haben die iPods (4G Photo & Classic) keine überragende Klangqualität.. Da höre ich lieber übers MBP oder Stereoanlage..
Aber mit guten Kopfhörern, Bose Aroundear, wird es um vieles besser..
Aber sollte man sich für einen teuren iPod noch extra teure Kopfhörer kaufen müssen..?

Antworten

cozmic 22. Oktober 2008

Nun, hier kommen wir auf eine zentrale Frage, die man aber im Liebhaberkreis der kleinen Früchtchen nur bedingt stellen kann. Ist die “Appletax” technisch gerechtfertigt?

Das Design ist sicherlich herausragend, obwohl man sich bei den neuen Macbooks darüber trefflich streiten kann. Aber rechtfertigt der Inhalt den Preis? Diese Frage sollte sich jeder selber stellen und beantworten.

Antworten

Remus 22. Oktober 2008

@ cozmic

Inwieweit es gerechtfertigt ist, so viel Geld für Apple-Produkte auszugeben, ist nicht das Thema meines Beitrags. Also bitte nicht vollends vom Thema abweichen. Danke ;)

Antworten

g@ss 22. Oktober 2008

@remus

du machst mit mp3gain im endeffekt das selbe. du veringerst den grund-pegel und hebst danach die bässe an.
den selben effekt hätte eine absenkung der höhen und der mitten bei original-pegel. der ipod macht einem halt dabei durch das fehlen einer custom-eq option einen strich durch die rechnung und man erhält wohl wirklich nicht das gleiche ergebnis (was bei einem custom-eq schon möglich ist).

@ Jacop
Gute Kopfhörer deswegen weil man sich sonst das Geld für den ipod sparen hätte können und sich auch einen noname-player hätte kaufen können.
mit entsprechenden hörern ist der ipod eine gute quelle (eine sehr gute wenn man das signal am lineout abgreift und durch eine Kopfhöhrerverstärker schleust).

Antworten

wazi 22. Oktober 2008

EQ auf iPod sucks!
Kostet nur unnötig Akku ;-)

Antworten

Someone 22. Oktober 2008

Zum Thema Lautheit: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/555/153165/

Mal so nebenbei…

Antworten

_chris 22. Oktober 2008

Ich nutze lieber iVolume. Das nutzt moderne Hardware vollständig aus und ruiniert mir nicht iTunes-Plus-Songs.

jooooo, das geht mit iVolume schon seit “längerem”. sehr gutes programm. KAUFEN !

Antworten

Patrick 23. Oktober 2008

Ich suche eine EQ Einstellunge, die mir ein Vinyl Ähnliches Klangerlebnis verschafft.
Weiss da jemand was? :)

(Vinyl klingt irgendwie wärmer :) )

Antworten

cozmic 24. Oktober 2008

@Patrick

Ja, einen Plattenspieler. Nur den kann man nicht mit sich rumtragen. Tragbare Röhrenverstärker gibt’s auch nicht. Mit dem EQ kann man zwar eine Menge machen, aber die Oberton Schweinereien eines Analogen Gerätes lassen sich Digital nur mit erheblichem Aufwand nachahmen. Deswegen kosten UAD-DSP-Karten oder Plugins für die Musikproduktion auch so ein irres Geld. Dem iPod jedenfalls würde da sehr schnell die Puste ausgehen.

Mehr als einen guten KH zu haben und mit den Nachteilen und dem Klirr der Digitalen Welt zu leben geht eben nicht.

Antworten

cozmic 24. Oktober 2008

Nebenbei bemerkt, packte gestern ein Mitfahrer in der Bahn ein paar der sündhaft teuren Shure In Ear Hörer aus und klemmte selbige danach an sein Nokia 6230i …Ähm… verkehrte Welt, oder? Also auch am falschen ende gespart.

Nur eben am anderen. Der iPod ist in der Tat kein schlechter Zuspieler, aber er kann nunmal mit billigen Chinahörern, und mehr ist der weisse Beipackhörer nun mal nicht, auch keine Wunder vollbringen. Das gleiche gilt für Equalizer. Die können letztlich nur Frequenzbänder verstärken (was im Tonmeisterbereich eher vermieden wird, zumindest nur leichte Anhebungen) oder eber im Pegel senken. Für Wärme im Klangbild, oder analoge Freuden braucht es eben ein bischen Klirr bei K2 und K3. Genau das produzieren übrigens viele der bei Tonmeistern beliebten Studiokompressoren und Preamps, was zu eben jener Wärme oder jenem “besonderen” Ton führt. Ein digitales Signal mit etwas Sättigung aufs Band fahren und dann wieder zurück in den Rechner hat ähnliche Effekte. Aber all diese Dinge gibts eben nicht für Mp3player.

Antworten

Jacop 27. Oktober 2008

Was ich mir gerade gedacht habe..:

Nichts MacMP3Gain oder iVolume..

Erzielt man den gleichen Effekt auch, wenn man im EQ den Vorverstärker runterzieht und dann den Bass aufdreht..?

Antworten

Patrick 27. Oktober 2008

@cozmic:

Ja der steht gleich neben dem Mac :)
Allerdings wäre es toll, den iTunes Sound auch so zu bekommen (vom Mac her – OT ich weiss).

Gibt ja das tolle Vinyl Plugin von Izotope, bei dem man in Garageband gut hinlegen kann.
Gibts ne Möglichkeit diese AU Filter auch in iTunes zu verwenden?

Antworten

cozmic 31. Oktober 2008

@Patrick:

Pfuh, eine AU Schnittstelle fürs iTunes…das wär mal was. Soweit ich weiss nicht, es gibt ja auch für MediaMonkey da nix richtiges um z.B. VSTs einzubinden. Letztlich, was will man aus einem 128KBit Mp3 rausholen? Ich hab das meiste in 320KBit konvertiert, da geht sicherlich noch was, aber je kleiner die Bitrate, desto sinnloser. Diese Päppeltechnik von Creative in den X-Fi Karten klingt auch sch…. ;)

Antworten

Timmi 16. April 2009

also ich hab nen ipos classic, und der soll ja für apple geräte noch nen relativ guten klang haben…
doch sobald ich die equalizer einstelle, egal welche/ wie geändert, fängt im bassbereich das klirren an
getestet hab ich das mit pionner in-ear clx 50 und Sennheiser HD 595

gleiche musik (vornehmlich hip-hop, house und nen bisschen von allem) mit einem sony nwz walkman, und den dortigen equalizern, führt zu einem viel besseren ergebnis
die bässe sind klar, und nicht übersteuert, und die höhen und mitten klar und gut differenziert
allgemein muss man bei den tests aber immer sagen, sobald in-ear KH im spiel sind, müssen diese richtig sitzen, andernfalls sind die aussagen sinnlos

Antworten

Leave a Comment

Smilies gefällig?

Previous post:

Next post: