Nach einer leider notwendigen Unterbrechung meiner Serie geht’s nun weiter. Dieses Mal habe ich mir ein eher unbekanntes kleines Tool mit einem ziemlich kryptischen Namen angeschaut, mit dem es möglich sein soll, TeX-Files in das Rtf-Format umzuwandeln, so dass sie z.B. mit Word oder Pages geöffnet werden können: MacLaTeX2Rtf.
Bevor das Programm funktionieren kann, müssen einerseits zunächst die XCode-Developer Tools installiert werden. Diese finden sich z.B. auf der Leopard-DVD unter “…/Optional Installs/XCode Tools”. Andererseits muss Fink installiert werden, eine Sammlung von Tools, die es möglich macht, reine UNIX-Software auf OSX zu portieren. Schlussendlich müssen über das Terminal noch recht viele Zusatzpakete für Fink aus dem Internet geladen werden, die mit ganzen 175 (!) Megabyte zu Buche schlagen. Ganz schön viel Vorbereitung für so ein kleines Tool. Hält es denn wenigstens, was es verspricht?
Die Bedienung ist denkbar einfach: Das TeX-File auswählen, auf “Convert…” klicken und fertig. In den Optionen lässt sich einstellen, mit welchem Programm das nun erstellte Rtf-File geöffnet werden soll. Ferner können noch die Kodierung, die im Dokument verwendete Sprache und andere Kleinigkeiten gewählt werden.
Wie sieht’s denn nun mit der Qualität der Umwandlung aus? Hier enttäuscht das Programm leider sehr. Einfache Texte mit den Grundformatierungsoptionen wie Kursiv- und Fettdruck werden inklusive der Absätze recht getreu übernommen. Äußerst stur stellte es sich jedoch, wenn es Code umwandeln soll, der innerhalb eines Blocks steht. An dieser Stelle steht dann stattdessen z.B. nur
[Sorry. Ignored \begin{scriptsize} ... \end{scriptsize}]
Weil nahezu in jedem TeX-File irgendetwas mal in solchen Blöcken steht, ist es höchst ärgerlich, dass dieses Tool so etwas komplett ignoriert. Um zu testen, wie es mit mathematischen Formeln aussieht, habe ich ein File erstellt, dass nur eine einzige Formel enthält. Beim Konvertieren hat sich das Programm aufgehängt und quittierte seinen Dienst.
Fazit
Die Idee, LaTeX-Files für häufig genutzte WYSIWYG-Programme umzuwandeln, so dass auch Nicht-LaTeX-Nutzer diese bearbeiten können, ist sehr gut. Jedoch funktionieren mit MacLaTeX2Rtf nur die am simpelsten formatierten Texte, die man wahrscheinlich sowieso gleich in einer gewöhnlichen Textverarbeitung geschrieben hätte. Zudem müssen ziemlich große Mengen von Daten installiert werden, bevor das Programm überhaupt funktionieren kann. Doch das, was man dafür bekommt, ist zu wenig. Daher: nicht empfehlenswert. Als hätte der Urheber des Programms es geahnt, warnt er jeden Nutzer vor:
I hacked the thing together within a day, so it simply cannot be perfect…
Dem bleibt nichts hinzuzufügen.
Teil 2: Die Äs und Ös in TeXShop
Teil 3: Mathematik in schön mit LaTeXiT
{ 7 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Ich habe meine Diplomarbeit mit LaTeX (tetex) auf dem Mac geschrieben und bin ohne die ganzen Helferlein perfekt klargekommen. Wer sich für LaTeX entscheidet, sollte das bewusst tun. Es ist halt einfach nicht Word und verlangt eine Menge Einarbeitungszeit.
Ein Tool wie das beschriebene wird sicherlich auch bei eigenen Klassen schnell an seine Grenzen stoßen. Ich denke lieber ein LaTeX-Buch in die Hand nehmen
Dito
Habe Latex für meinen letzten Exkursionsbericht benutzt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und freue mich auf weitere Arbeit
Wenn jemand das Dokument bearbeiten soll, dann gibt es dafür die Möglichkeit Notizen in eine PDF zu stellen…allen anderen reicht es das zu lesen
Kannst du ein Buch empfehlen ?
Ich habe bereits im ersten Beitrag meiner Serie 2 Bücher empfohlen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Schau mal nach.
Sorry, hab ich ganz überlesen.
Danke für den Test und das Fazit, welches mir direkt die Arbeit erspart, den Spaß selbst zu installieren!
Ich schließe gerade einen Masterstudiengang (Friedens- und Konfliktforschung) ab, bei dem in jedem der drei Kurssemester gemeinsame Projektberichte oder Gruppenarbeiten schriftlich eingereicht werden mussten. In diesem sehr Word-lastigen und Word-gläubigen Umfeld war es mir nicht mal möglich, die Leute zum Datenaustausch via RTF zu bewegen. Es gab recht viele Nachtschichten, die sinnvoll ins “Layout” und Umformatieren der Arbeiten und Einzeldateien investiert wurden.
Die Masterarbeit kann ich nun erfreulicherweise wieder LaTeX anvertrauen.
Hi Anna,
freut mich, dass der Artikel dich interessiert hat.
Tja, viele sagen einfach: “Wat? Soll ich jetzt auch noch ne Programmiersprache lernen!?”
Dabei ist LaTeX nicht mal eine. Aber wie sagt man so schön: Der (oder in diesem Fall eher die) Klügere gibt nach.