Denoise: Erstes Review

8. Mai 2008 · 3 Kommentare ·

Vor nicht allzu langer Zeit ist die erste Version von Denoise erschienen. Das Programm soll dem Anwender auf einfache Art und Weise per Drag & Drop behilflich sein das widerspenstige Rauschen von Bildern zu entfernen. Als Zielgruppe sind dabei Heimanwender und Amateure angesehen, so dass die Anwendung nicht nur kinderleicht zu bedienen ist, sondern sich auch als Ziel setzt auf den ersten Blick verständlich zu sein.

bigmama.png

Das Konzept kennt man schon von ähnlichen Anwendungen, wie AppZapper, die allerdings für einen komplett anderen Zweck entworfen worden sind. Geht die Idee also auch bei einem Programm, das Rauschen bei Bildern unterdrücken will auf? Ich habe die Anwendung mit zwei Bildern getestet, die man in voller Auflösung auch in meinem Flickr-Pool findet. Beide Fotos wurden in Innenräumen bei eher schlechten Lichtverhältnissen und für die entsprechende Kamera hohen ISO-Werten aufgenommen. Sie stellen das typische Rauschverhalten dar, das auch in der Praxis oft auftritt. Ich hielt beide Fotos für gut gewählt, da sich Entwickler von Rauschunterdrückungssoftware meist mit eher abstrakten Beispielbildern schmücken, auf denen verschiedene Algorithmen besonders gut funktionieren.

bigmama-denoise.png

Nach dem Anwenden von Denoise in den Standardeinstellungen ist das Bild meiner Ansicht nach deutlich unschärfer geworden. Dies sieht man insbesondere in den Bereichen der Kopfhaare, sowie der fehlenden Details am abstehenden Ohr. Des Weiteren ist anstatt dem Rauschen nun eine Art Magnetfeld zu sehen, das man vielleicht noch vom Physikunterricht in der Schule kennt. Was ich damit meine sind bestimmte wahrnehmbare Linien, die eine Richtung formen, wenn man mit den Augen den Fokus ein wenig variiert. Persönlich stört mich dieser Effekt ein wenig mehr, als ein wenig Rauschen auf dem Bild, das zwar störend ist, schlussendlich aber authentischer wirkt. Bei einer Vergrößerung des Hintergrundausschnitts kann man diesen Effekt vielleicht ein wenig besser erkennen, der anscheinend ein Nachteil des zugrunde liegenden Algorithmus zu sein scheint.

bigmama-denoise-scaled.png

Bei einem weiteren Bild habe ich ähnliche Ergebnisse und Beobachtungen erzielen können.

couple.png

Auch hier sieht man eine leichte Verzerrung des Hintergrundes, wobei ich bei diesem Bild das Ergebnis nicht als so störend empfinde, da die Figuren auf einer Glasplatte standen und eine gewisse Plastizität der Oberfläche dadurch sogar hervorgehoben wird.

couple-denoise.png

Bei dem zweiten Bild habe ich ein wenig mit den Einstellungen herumgespielt, die Denoise zur Verfügung stehen, wenn man auf die zweite Schaltfläche im Hauptfenster klickt. Leider bietet Denoise keine integrierte Hilfe an und auch sonst sind die Einstellungsmöglichkeiten undokumentiert, was gerade für die angepeilte Zielgruppe nicht von Vorteil ist. Probieren geht hier also über studieren und ich habe ein wenig an den Werten Noise scale und Repeat processing herumgeschraubt.

denoise_prefs.png

Bei dem ersten Wert habe ich erwartet, dass man einstellen kann wie groß das Rauschen auf dem Bild ist. Inwiefern das Ergebnis durch den Parameter beeinflusst wird, war mir allerdings völlig unklar. Nach dem Durchführen der Rauschunterdrückung hat sich herausgestellt, dass die Unschärfe des Bildes einfach nur zunimmt.

couple-denoise_scale10.png

Bei dem zweiten Parameter habe ich erwartet, dass das Ergebnis viel besser sein wird. Analog zu Multi-Pass-Encoding und ähnlichen Verfahren bin ich einfach davon ausgegangen, dass mehr Rechenzeit für den Algorithmus in einem hübscheren Gesamtausgabebild mündet, wurde kurz danach allerdings schlicht enttäuscht. Bei den verfügbaren Bildern dauert ein Durchlauf einige Sekunden, so dass ich bei 50 Durchläufen mehrere Minuten auf ein Ergebnis warten musste. Künstlerisch gesehen mag das Bild vielleicht noch verwertbar sein, jedoch erfüllt es nicht den Zweck. Die Rauschunterdrückung wird einfach iterativ auf das bereits “rauschunterdrückte” Zwischenergebnis angewendet, so dass eine simple Verstärkung des Effekts auftritt.

couple-denoise_50times.png

Die Benutzung des Programms ist wirklich kinderleicht, wenn man keine Einstellungen vornehmen möchte. Man zieht das Bild einfach auf das Programm und es erscheint eine Art Uhr, die anzeigt, wann die Rauschunterdrückung fertig sein wird. Anschließend drückt man auf den Speichern-Knopf, wählt das Ausgabeformat aus und speichert die modifizierte Datei ab. Negativ ist mir dabei aufgefallen, dass Farbprofil-Informationen verfälscht werden. Außerdem würde ich mir wünschen das Ausgabebild aus dem Fenster in den Finder oder auf den Schreibtisch ziehen zu können.

denoise.png

Denoise benutzt eine Abwandlung des GREYCstoration-Algorithmus, den es in der Grundform auch als Gimp-Plugin (oder in Linux-Anwendungen wie Krita oder DigiKam) gibt. Leider gibt es noch keine benutzerfreundliche Version des Plugins für Mac OS X, so dass ich keine direkten Vergleiche machen konnte. Der ursprüngliche Algorithmus ist allerdings langsamer, so dass man hier den Entwickler für seine Optimierungsarbeiten, die er an Denoise durchgeführt hat, loben kann. Das Programm benötigt zwar auch seine Zeit, diese ist aber so niedrig, dass man sie getrost ignorieren kann.

Das Programm ist mit 20 EUR (beziehungsweise $31) nicht unbedingt das günstigste. Eine Standalone-Version für den Heimgebrauch von dem bekannten Noise Ninja gibt es bereits für $34,95 und der Bekanntheitsgrad, sowie die Erfahrungen, die mit der Software gemacht werden konnten, sind um einiges höher. Damit sich das Programm behaupten kann, muss es also noch ein wenig mehr leisten können.

Rauschunterdrückung ist in vielen Fällen subjektiv. So kann einer von den Ergebnissen sehr überzeugt sein, während für eine andere Person die Wahrnehmung sagt, dass ein Programm überhaupt nicht geeignet ist. Auch hier sollte sich jeder ein Urteil bilden und abwägen auf welche Software er setzen möchte.

Bei mir im Blog gibt es übrigens 5 Lizenzen von Denoise zu gewinnen – für Unentschlossene sicherlich eine Möglichkeit das Programm genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Herschel 8. Mai 2008

hmmm… bevor ich anfange das rauschen auf biegen und brechen aus dem bild zu knüppeln, schraube ich lieber etwas an den farben und der ästhetik, und nehme das rauschen als stilmittel. so macht man aus der not eine tugend :)

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Sven 9. Mai 2008

hmmm… bevor ich anfange das rauschen auf biegen und brechen aus dem bild zu knüppeln, schraube ich lieber etwas an den farben und der ästhetik, und nehme das rauschen als stilmittel. so macht man aus der not eine tugend :)

Ich sehe das für die meisten meiner Fotos ähnlich und handhabe es dann in entsprechender Weise.
Manchmal kommen mir aber auch Fotos unter bei denen mich das Rauschen arg stört und ich es gerne los werden würde. Für solche Bilder finde ich so ein einfach zu bedienendes Rauschentfernungstool gar keine schlechte Idee.
Bei den bekannten Programmen mangelt es meiner Meinung nach doch ziemlich an der beim Mac sonst üblichen unkomplizierten Bedienung (die automatischen Ergebnisse überzeugen mich meist nicht).

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SchaSche 9. Mai 2008

Also für das süße Kaninchen würde ich schonmal volle Punktzahl geben ;-) :-D

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