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Erfahrungen mit der Zeitmaschine

2. Januar 2008

Die “Killer-Applikation”, die mich direkt am ersten Tag dazu bewogen hatte, Leopard den Händen eines Gravis-Mitarbeiters zu entreissen, war Apples All-In-One Backup-Lösung Time Machine.

Stündlich höre ich meine externen Festplatten anfahren, um die Änderungen der letzten Stunde aufzuzeichnen. Alle 24 Stunden werden dann alle Backups, die älter als 24 Stunden sind, zu einem Tagesbackup und nach einer Woche zu einem Wochenbackup zusammengeschmolzen. Das hält das Backup-Archiv klein, aber man kann nicht wirklich zum Stand von z.B. vor 4 Tagen um 16 Uhr zurück gehen. Für Softwareentwickler bedeutet das, dass unter Leopard Systeme wie CVS oder Subversion nicht obsolet geworden sind.

Am 22.12 sollte ich das Haus auf eine längere Reise verlassen und habe dafür diverse Software und große Arbeitsdateien auf mein MacBook kopiert, um damit unterwegs arbeiten zu können. Zwei Stunden vor der Abfahrt taucht in der Softwareaktualisierung ein Sicherheitsupdate auf, das den Anschein erweckt, ein paar Fehler zu beheben, die mich schon seit Tagen nerven. Download erfolgreich, Installation läuft, dann der Aufruf zum Neustart. Ich sehe mein Desktop-Hintergrundbild und das Wartesymbol und sonst nichts mehr. Für knapp 15 Minuten. Dann schalte ich den Rechner hart aus. Schlechte Idee. Nach dem Neustart werde ich, wie als wäre der Rechner gerade installiert worden, nach Sprache, Tastaturlayout und Benutzerdaten wie Name und Adresse gefragt. Stress pur. Einen Schritt zurück zur der Auswahl, bei der OS X eventuell schon existierende Benutzerdaten nutzen soll. Von einem anderen Mac, von einer anderen Partition oder von einem Time Machine Backup. Ich wähle Letzteres. Mein Backup wird gefunden und ich will übertragen wählen, aber es geht nicht. Nicht genug Platz auf der Festplatte. Scheinbar werden die alten, vorhandenen Daten nicht angefasst und das Time Machine Backup zusätzlich aufgespielt, um sicher zu gehen, dass man auch nichts verliert. Guter Gedanke. Ok, die Zeit läuft mir davon. Ich packe meinen Computerrucksack und alle, für ein Backup und zum Arbeiten nötigen Festplatten ein, vier Stück, dazu die MacBook Installations-CDs und verlasse das Haus.

Unterwegs kann ich über den Terminal, aufgerufen aus der Installationsvorbereitung von den Original MacBook CDs einige unwichtige große Dateien löschen, um damit Platz für das Time Machine Backup frei zu machen. Neustart, wieder Auswahl der Sprache und Tastaturlayout. Backup gewählt und überspielen. Es passiert nichts…

Nach einiger Zeit des Grübelns komme ich zum Ergebnis, dass durch das abgebrochene Security-Update wohl mehr zerstört wurde, als erwartet und auch das Backup nicht zurückgespielt werden kann. Also muss ich Leopard ganz neu installieren, mit vorherigem Löschen der gesamten Partition. Blöd nur, dass ich Leopard zu Hause liegen gelassen habe.

Auf meiner Urlaubs-Tour liegt auch München, in der es die MacBar gibt. Eine Art Servicepoint für seine Mac-Probleme. Die haben mir schonmal geholfen, als ich gar keine Installation-CD dabei hatte. Ein kurzer Blick mit dem Handy auf deren Webseite bringt Ernüchterung. Urlaub bis zum 2. Januar.

Um drei Ecken bekomm ich nach weiteren 3 Tagen eine Leopard Installations-CD geliehen und kann meine Partition löschen, Leopard neu installieren und danach das Time Machine Backup auswählen. Das Zurückspielen meiner Sicherung geht erstaunlich fix (rund 20 GB), und nach einem kurzen Neustart sieht mein Desktop aus, als wäre nie etwas gewesen. Jetzt installiere ich erneut diverse Security-Updates von Apple, wohl auch ein paar Neuere. Nach einer Neustartphase von nur rund drei Minuten ist wieder alles bestens. Der Webserver und die Datenbank laufen anstandslos. NetNewsWire überschwemmt mich mit knapp 700 Artikeln und mein Mailkonto quillt über.

Nach zwei Tagen Nacharbeit und Systemcheck tauchen diverse Kleinigkeiten auf, die nicht mit gesichert wurden oder problematisch reagieren:

  • Drittherstellerprogramme die auf Apples iCal zugreifen melden, dass keine Kalender vorhanden sind. Dies kann behoben werden, in dem man iCal startet und danach wieder beendet. Also keine Panik, danach geht alles wieder reibungslos.
  • Alle selbst erstellten Cron-Jobs sind verloren. Diese verwende ich, um regelmäßig bestimmte Daten aus dem Netz zu erheben, meine Webseite zu warten und meine Daten im Rechner zu aktualisieren.
  • Obwohl die Quicklook Plugins im Benutzerordner liegen, werden diese aus unerfindlichen Gründen nicht verwendet. Ich habe sie erneut von unserer QuickLook-Plugins-Liste heruntergeladen und die alten überschrieben. Seit her verrichten sie wieder ihren Dienst.

Fazit:
Wenn man die Leopard-DVD und das Time Machine-Backup parat hat, ist eine Rekonstruktion mit Apples All-in-One Lösung sehr komfortabel. Es werden dennoch nicht alle Daten mit gesichert. Bis Apple hier nachbessert, sammle ich hier weiter was nicht gesichert wurde, damit dies separat per Hand gesichert werden kann. Ich hoffe mein Erfahrungsbericht war für euch interessant und lehrreich.

Ich befinde mich gerade auf der Heimreise, in 2 Stunden bin ich zu Hause. Gearbeitet habe ich in der gesamten Zeit nun gar nicht. Meine Kunden werden es mir danken.

{ 22 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }

Karsten Januar 2, 2008 um 10:14

Super!
Das hilft für den Fall, dass ich selbst einmal in solch eine ungünstige Situation komme. Mir war bisher gar nicht bekannt, dass man bei der Installation von Leopard einfach von einem Time Machine Backup zurücksichern kann. Das gefällt mir und nimmt ein wenig die Angst vor einem Crash.

Vielen Dank einstweilen.
Gruß,
Karsten

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Nico Januar 2, 2008 um 10:34

Ich weiß nicht – so ganz traue ich Time Machine noch nicht, nach ein paar (über das Context-Menü der Festplatte) abgebrochenen Backups habe ich den Eindruck, dass nicht mehr alle Dateien gesichert sind, denn wenn nach dem Import von ca. 4 GB Fotos nur 300 MB Daten gesichert werden, stimmt irgendwas nicht…

Kann aber auch sein, dass meine Angst unbegründet ist, ich sollte das mal genauer überprüfen. Bis dahin aber läuft SuperDuper noch jede Woche und sichert mir die komplette Platte, so habe ich schon einmal völlig stressfrei eine Festplatte ersetzt…

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James Januar 2, 2008 um 10:36

Cron ist bei Apple obsolet…

Warscheinlich werden deshalb deine Jobs nichtr mitgesichert. Man sollte ja bereits seit Tiger statt Cron lieber den launchd einsetzen…

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Jan Januar 2, 2008 um 11:10

Wunderbar!!

vielen Dank für diese Infos, das hilft schon sehr gut weiter!!

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Quarky Januar 2, 2008 um 11:46

Gut geschriebener Bericht, auch wenn ich kein Leopard habe….
Ich denke aber, mit CCC oder SD! siehts ähnlich aus… :hehehe:
Danke

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kahler Januar 2, 2008 um 14:28

Fragt sich natürlich der geneigt Leser, was der launchd mit cron zu tun hat.
Der launchd ist das Äquivalent zu den init scripten unter anderen Unix Systemen und Cron ist ein Scheduler, der bestimmte Befehle zu vorher festgelegten Zeiten ausführt.

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James Januar 2, 2008 um 14:31

@Kahler:

Solltest dich nochmal richtig informieren ;)

http://developer.apple.com/macosx/launchd.html

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switchpack Januar 2, 2008 um 14:32

“…kann meine Partition löschen, Leopard neu installieren und danach das Time Machine Backup auswählen…”

Äh, ist das das Gleiche, das ich gemacht habe, Installations-DVD rein, dort Menü von TimeMachine sichern? Danach wurde nämlich meine bestehende Installation platt gemacht und der von mir gewählte Zwischenstand von TM zurückgesichert. Ich kann allerdings bestätigten, dass bei der ein oder anderen Einstellung nachgebessert werden musste. Das waren aber wirklich nur Kleinigkeiten.

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nash Januar 2, 2008 um 14:38

Das Problem mit dem letzten Sicherheitsupdate hatte ich auch. Allerdings erst nach 30min gezweifelt und neu gebootet.. Scheinbar ist alles gut gegangen.

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MacMacken Januar 2, 2008 um 14:55

Bis Apple hier nachbessert, sammle ich hier weiter was nicht gesichert wurde, damit dies separat per Hand gesichert werden kann.

Kann man irgendwo nachlesen, welche Daten von «Time Machine» nicht gesichert werden?

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Stefan (der andere) Januar 2, 2008 um 18:11

Ich habe mit meinem Tiger-System in letzter Zeit mehrere (!) Festplatten-Hardwarecrashes gehabt und bei der Gelegenheit festgestellt, dass auch der Migrationsassistent keine Cronjobs migriert. Übrigens bleiben auch andere Feinheiten auf der Strecke.

Nach Lesen der obigen Kommentare überlege ich nun, ob ich nach launchd migriere — eine Crontab finde ich aber trotzdem irgendwie lesbarer als eine launchd-Datei…

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QuakKitty Januar 2, 2008 um 18:21

… Bis dahin aber läuft SuperDuper noch jede Woche und sichert mir die komplette Platte, so habe ich schon einmal völlig stressfrei eine Festplatte ersetzt…

SuperDuper ist für Leopard noch nicht freigegeben. Die Rücksicherung läuft nicht. Da bekommst Du dann garantiert den Streß den Du vermeiden möchtest.

QuakKitty

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Dolce Januar 2, 2008 um 20:50

Das ist das schöne an T.M. Es kann man die RÜcksicherung mit jeder Linux CD machen :-)

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Rafael Bugajewski Januar 2, 2008 um 22:03

Soweit ich weiß, ist das Verhalten mit dem Installationsmodus ein bekannter Bug und man kann es beheben. Such mal im Apple-Forum nach dem Problem, ich bin mir ziemlich sicher, dass du fündig wirst.

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platti Januar 2, 2008 um 22:04

Guten Abend

Danke für die Info!

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andreas Januar 3, 2008 um 08:41

Die wirklich interessante Tatsache Deines Berichts ist, daß Dein Apple MacBook wie auch das von anderen und auch meines nicht sauber runterfährt. Ich habe seit dem letzten Sicherheitsupdate auch dieses Problem, daß ich nach einigen Minuten dann den Hardreset ausführen muß, damit er beendet.

Auch in Foren ist mir dieses Problem jetzt schon häufiger aufgefallen.

Hoffentlich tut Apple mal was daran. Das ewige nachindizieren der Festplatten von Spotlight ist nervend und mit Sicherheit nicht förderlich für das Leben der Festplatten :-(

Gruß, Andreas!

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Karl Januar 3, 2008 um 10:41

Hallo,

ich habe das auch mal ausprobiert um zu sehen, ob TimeMachine wirklich zuverlässig arbeitet. Also Festplatte gelöscht und Leo neu installiert, bei der Installation das Time Machine Backup ausgewählt. Es hat ein bißchen gedauert mit all meinen Daten aber am Schluß war alles wie vorher. Mir ist wirklich nichts aufgefallen, was nicht ok ist. Allerdings verwende ich auch keine Plugins und sowas.

Gruß
Karl

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davidak Januar 7, 2008 um 06:30

Mir ist auch schon mehr fach aufgefallen, dass es nicht gut ist, den Mac beim Absturz oder einem kleinen Hänger, weil man mal wieder mit Automator 500 Websiten öffnen lassen wollte :D
Denn danach starte der Mac oft 10 mal hintereinander mit KernelPanic und wenn man Glück hat, funktioniert es danach wieder.
Das passiert auch gerne mal nach normalen runterfahren z.B. nach einem erfolgreichen Backup.

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ad Januar 7, 2008 um 06:33

Da tippe ich mal spontan auf einen Fehler bei deinem RAM. Normal ist das jedenfalls nicht.

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toellby Januar 7, 2008 um 10:18

AFAIK kann man auch mit dem Migrationsassistenten TimeMachine Backups rücksichern…

Als ich meinen neuen iMac nach MacBook-Diebstahl bekommen habe, wurde mir die Möglichkeit nicht angeboten und ich habe die wichtigen Sachen (Mail, iCal, Adressbuch) von Hand aus dem TM-Backup zurück geholt. Da wusste ich das mit dem Migrationsassisten leider noch nicht…

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schroedi Januar 7, 2008 um 13:59

Und wenn man keine Leopard DVD hat und schon gar keine TimeMaschine, dann ist alles futsch. Danke Apple. Sollte das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, dass ich endlich meinen Tiger in einen Leopard verwandeln soll?

Wo bekomme ich die Bilder meine 2 3/5 jährigen Tochter wieder her? Meine Itunes Datenbank auf der ich über 2 Jahre meine DVDs importiert habe?

Ich kann nicht so viele Äpple essen wie ich kotzen will….

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pascal-johannes Februar 13, 2009 um 14:47

Hi,
danke für Deinen Bericht, auf den ich bei macmacken gestoßen war.
Dort hatte ich den Eindruck gewonnen, ich sollte vielleicht doch bei TM vorsichtig sein – aber Deine sachliche Darstellung und auch das ausgewogene Fazit haben mich eher überzeugt, dass TM doch – gerade im Vgl. zu den anderen Angeobten an Backup Programmen für mac, die ohne größere Sicherheitsabfrage gerne mal ein vorhandenes Komplettbackup überschreiben – doch eine ziemlich gute Wahl ist.

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