Passend zum Eintrag zu TextMate, hier ein Beitrag über einen anderen, nicht ganz so oft genannten Editor für Programmierer:
Wer auf der Suche nach einem passendem Editor zum Programmieren ist, bekommt sie alle genannt, SubEthaEdit, Smultron, BBEdit, Textmate und so weiter und so fort. Aber einer ist oft nicht dabei, auch wenn er im Grunde bei den “großen” Kommerziellen mitspielen darf: jEdit, der für sich selbst mit den Worten “Programmer’s Text Editor” wirbt. Und dieses Versprechen hält er auch. Er gehört zu den wenigen Freeware-Texteditoren für OS X, die Code-Faltung beherrschen, wenn jEdit nicht sogar der einzige (brauchbare in finaler Version) ist.
jEdit ist wie ein Straßenköter, den man findet und bei sich aufnimmt: Anfangs ist er vielleicht noch bissig, und sein Fell ist zerzaust, aber hat man ihn erst mal erzogen, so ist es der beste Freund, den man haben kann (und an dessen Hässlichkeit man sich schnell gewöhnt).
Im Kern versteckt sich Java, das Vorurteil, das Java-Anwendungen generell langsamer sind, finde ich jedoch nicht bestätigt. Im Gegenteil sogar, jEdit kommt besser mit 1000 und mehr Zeilen-Quelltexten klar, als SubEthaEdit, welcher schon mal ins Ruckeln kommt. Durch den plattformunabhängigen Ansatz unterliegt jEdit aber dem selben Klischee wie OpenOffice und andere: jEdit läuft zwar nicht über X11, lässt sich beim ersten Start aber nicht wirklich als “OS X-Applikation” erkennen. Es ist halt keine Cocoa-Anwendung: Die Menüleiste macht es sich windowsartig am Programmfenster bequem, das Syntaxhighlighting sieht, unter uns gesagt, nicht schön aus, und die Tastenkürzel sind weit, weit weg von OS X-Standard.
Aber das meiste lässt sich mit ein wenig Aufwand beheben. Fangen wir mit dem Auffälligsten an, der Symbolleiste. Hierzu wählen wir zuerst die Datei “jEdit.app” im Finder aus, machen einen Ctrl-Klick und wählen “Paketinhalt anzeigen”. Dann im Ordner “Contents” die Datei “info.plist” mit dem Programm “Property List Editor” (sollte Standard sein) öffnen. Ab da ist es nur noch ein Katzensprung: den Knoten “Root” öffnen -> den Knoten “Java” öffnen, und die Auswahl auf “Java” stehen lassen -> Klick auf “New Child”. Als Parameter für den neuen Parameter gebt ihr links “VMOptions” ein, in der Mitte lasst ihr “String” stehen und rechts kommt “-Dapple.laf.useScreenMenuBar=true” rein. Das sollte dann so aussehen, wie im Screenshot.
Das ganze speichern und jEdit neu starten. Schon befindet sich die Menüleiste da, wo sie sein soll: in der Menüzeile oben am Bildschirm.
Kommen wir zum nächsten Punkt: Die Tastenkürzel. Leider gibt es da ein kleines Problem für die Leute mit dem deutschen Tastaturlayout: Standardmäßig ist die Wahl-Taste (Alt) nicht für Tastaturkürzel verfügbar. Somit fallen Sachen wie “Wahl + ->” um ein Wort nach rechts zu springen weg. Schaltet man die Wahl-Taste jedoch frei, so steht sie nicht mehr für die Klammern, die man im deutschen Tastaturlayout ja über Wahl + 5/6/8/9 erreicht, verfügbar. Man muss sich also entscheiden bzw. bleibt einem dann nur übrig, auf die Wahltaste zur Textnavigation zu verzichten. Anpassen lässt sich aber so gut wie jedes Kürzel über die Einstellungen, welche ganz normal über Befehl + , geöffnet werden können. Immerhin etwas.
Auf Wunsch werde ich mich mal zwei Abende hinsetzen, und ein Kürzel-Layout anfertigen, was zumindest dem OS X-Standard nahe kommt. Ebenso verhält es sich mit dem Highlighting.
Kommen wir aber zu den Stärken des Programms: jEdit ist überaus anpassbar. Für jeden Kleinkram gibt es ein Plugin. Von einer praktischen Code-Übersicht bishin zum Anzeigen eines Hintergrundbilds im Editorfenster. Diese kleinen Tools lassen sich bequem direkt in jEdit runterladen und nachinstallieren. Dazu öffnet man über das Menü “Plugins” den “Plugin Manager”. Über den Reiter “Install” erhält man dann eine Liste der verfügbaren Plugins.
Alles, was jEdit an Informationen bereit stellt, sei es eine Dateiliste, die Suchergebnisse (übrigens, die Suche kann dateiübergreifend und mit regulären Ausdrücken arbeiten) oder ein kleines Notizfenster, lässt sich, ähnlich wie die OS X-Cocoa-Drawer, an jeder Seite des Editorfenster sowie unabhängig freischwebend positionieren. Sind die kleinen Tools am Fensterrand angedockt, so kann man sich aussuchen, ob die dauerhaft angezeigt werden oder durch einen Klick auf den entsprechenden Button sichtbar werden. So bleibt selbst auf kleinen Bildschirmen genug Platz für den Code.
Der nächste Punkt, den ich bei anderen Editoren unter OS X vermisse, ist, dass ich ein Fenster teilen kann, wie ich es gerade brauche. Zwei Quelltexte nebeneinander oder einer links, zwei rechts übereinander oder 25 untereinander? Kein Problem. Für jedes Teilfenster lässt sich zudem eine eigene Anzeigedatei festlegen. In meinen Augen um ein vielfaches effektiver, als eine “mehrere Fenster von Hand positionieren”-Lösung, da es schneller und übersichtlicher ist. Zudem hält es Exposé sauber.
Natürlich kann man auch mit mehreren Fenstern mit jEdit arbeiten.
Wie schon gesagt, kann jEdit den Code falten. Anders als BBEdit ist die “Falt-Engine” etwas primitiver. Sie orientiert sich an der Einrückung des Quelltextes. Alles, was eingerückt ist, kann für jede “Stufe” eingefaltet werden. Was für die Ansicht von fremden Scripten sicherlich nicht ganz ideal ist (man kennt die Einrückung von anderen Leuten ja nicht), ist für die eigenen Quelltexte aber durchaus nützlich, da man so mehr oder minder dazu gezwungen wird, vernünftig einzurücken. Zudem, und das ist für mich ein Totschlagargument gegenüber BBEdit: die Faltung klappt immer! Selbst, wenn ich eine Textdatei mit Ideen schreibe, bei der ich zusammengehörige Punkte immer mit Tabs einrücke, kann ich unwichtige Zeilen nachher ausblenden, wenn ich über die Problemlösung reflektiere.
Wer sich jetzt noch an der englischen Sprache stört, der kann noch das deutsche Sprachpaket herunterladen, aber ab dann sollte man auch vorerst mit der Konfiguration aufhören und den Editor dafür nutzen, wofür er geschaffen ist: zum Arbeiten
Damit möchte ich dann vorerst auch schließen. Wenn noch Fragen zu jEdit bestehen, oder ich ein Feature oder gar einen Fehler näher betrachten soll, um erneut darüber zu berichten, in den Kommentaren ist Platz dafür. Für mich auf jeden Fall schließt jEdit gekonnt die Lücke zwischen “kleinem Texteditor” und “großer IDE”.

{ 9 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Ich find Smultron besser. jEdit macht von den Funktionen zwar einen guten Eindruck, aber das Auge isst schließlich mit
Ich nutze jEdit schon mehr als zwei Jahre und habe bisher noch keinen anderen Editor gefunden, der so flexibel ist – zu den absoluten Stärken von jEdit, zumindest wenn man PHP-Skripte schreibt, gehört das automatische parsen des Codes – Fehler werden unmittelbar nach dem Speichervorgang angezeigt. Da verzichte ich auch gerne auf eine nettere Optik.
Und genau das ist der Punkt, ein Totschlagargument quasi. TextMate, Vi, Eclipse, da passt kein jEdit mehr rein, obwohl ich den Editor eine Zeit lang sehr gerne benutzt habe und auch zufrieden damit war.
Ich nutze jEdit unter Windows und bin dort sehr zufrieden. Auf dem Mac verwende ich jedoch lieber Textmate.
Wenn das Auge mitisst, dann ist Smultron mal ganz am Ende der Liste. Alle paar Wochen ein neues Icon, dass jedesmal das vorherige an Hässlichkeit um Welten in den Schatten stellt. Und die Symbolleiste ist eigentlich nur im ‘Nur Text’-Modus ertragbar…
Smultron ist bei meiner Suche nach DEM Editor nach 15 Sekunden ausgeschieden, weil der einen Bug im Syntaxhighlighting in PHP hat.
Zum Beispiel führen Dinge wie
$qry = ‘
SELECT
feld
FROM
tabelle
WHERE
feld = ‘.$var.’
‘;
zu einem Highligting, das von der Scrollposition im Quelltext abhängt… Steht auch schom im Bugtracker
Für mich war damals das Code-Folding das Hauptargument, was sonst nur die Kommerziellen Editoren oder halt Eclipse mitbringen.
Und da ich nunmal kein Geld ausgeben kann, und Ecplise dann doch zu hoch ist, ist halt jEdit geworden.
Und jeden Tag rockt jEdit ein wenig mehr
ich bin auch schon länger mal auf jEdit gestoßen und habe das Programm zwecks Design nicht genutzt, werde jetzt jedoch direkt einen Doppelversuch starten, auf Windows und Mac. Mal sehen wie jEdit sich schlägt. Eine Chance sollte man dem Programm schon geben, auch wenn es kein native Cocoa App ist.
@Matt: Naja, Smultron sieht in der Originalversion tatsächlich nicht besonders toll aus .. aber es gibt ja einen Patch
Ich hatte jEdit auch mal angetestet, aber es war mir dann nach einem Tag echt zu gruselig. Die ganze Aufmachung ist eben nicht sonderlich Mac-like. Müssen Java-Programm eigentlich immer sooo schlimm aussehen?
Nun ja … im geschäft verwende ich BBEdit und @home BBEdit & SubEthaEdit. Eigentlich würde ich gern nur SubEthaEdit benutzen, aber bei großen Textdateien (mehrere 100 MB … SQL-Dumps usw.) ist dieser Editor einfach zu langsam oder verweigert manchmal das Code-Highlighting. Was mich aber sonst von ihm überzeugt ist die Geschwindigkeit und und der hervorragende Umgang mit den verschiedensten Zeichencodierungen. Positiv ist auch, dass eventuell auftretende Fehler sehr schnell behoben werden wenn man sie in die Bugbase einträgt. Meistens bekommt man dann auch schon einen Vorab-Patch bevor die nächste Version herauskommt.
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