Zauberspiegel

12. Januar 2007 · 3 comments ·

iPhoneIm Feuilleton der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Thomas Wagner über Apples iPhone:

„Dank der wahrhaft alchimistischen Kunst des Marketing besteht auch das neue iPhone im Grunde nicht aus Metall und Kunststoff, sondern aus einem ganz anderen, einem magischen Stoff. […] Seine Botschaft lautet: Ich bin ein Zauberspiegel, und wenn du mich berührst, dann berührst du die ganze Welt. Du brauchst nur den Finger auf etwas zu legen, und schon ist es dir zu Diensten.“ (S. 33)

Als Zauberspiegel spiegelt das iPhone mehr und anderes wider als die gespiegelte Sache eigentlich hergibt; das iPhone vergrößert die Welt und zeigt sie in einem ausgezeichneten Glanz. Dem trägt auch das minimalistische Design der Maschine Rechnung, welche im ausgeschalteten Zustand nicht mehr als ein „schwarzschimmerndes Nichts“ (Th. Wagner) darstellt. Die berückende Eleganz dieses Nichts steht jedoch in herbem Widerspruch zu den Banalitäten, die es als Werkzeug zu verrichten hat: Termine absagen, Adressen speichern, im Internet surfen. So fehlt dem iPhone vollkommen der monofunktionale Charme des Ur-iPod, der heute immerhin noch dem iPod shuffle zu eigen ist. Technologischer Fortschritt kann kulturellen Rückschritt bedeuten.

Design und Rhetorik, die dem iPhone die Aura eines welterschließenden magischen Gegenstands verleihen wollen, sind trotz ihrer offensichtlichen Täuschungsversuche über jeden Zweifel erhaben: Hinter der Verführungskunst der Verkäufer begeistert nämlich die Kunst der Ingenieure. Selten sind Banalität, Technik und Magie so nahe beisammen gewesen.

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Soltan 13. Januar 2007

also mir reicht mein iPod shuffle auch vollkommen.

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Rafael 13. Januar 2007

Sehr schön formuliert. Dafür ein ++

Germanist bist du aber nicht? ;)

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Herr Chow 14. Januar 2007

Danke für das ++, Rafael! Und nein, ich bin kein Germanist.

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