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Reisender in Sachen Betriebssystem

Ich saß gestern an den letzten Zügen für die Präsentation für heute und habe noch etwas Feinschliff gemacht. Und ich bin immer wieder aufs Neue von den Möglichkeiten, die Keynote bietet, begeisert.

OS X und damit den Mac als primäre Platform einzusetzen war die vielleicht bis dato beste (Betriebssystem-)Entscheidung meines Lebens.

Auch wenn der einzige Atari, den ich je hatte, eine Atari 2600 Spielekonsole war und Commodore Aufstieg wie auch Niedergang ohne mein Zutun gemeistert hat, erscheint das ganze wie die Ankunft im Hafen nach jahrelanger Odysee. Und trotzdem hat es fast drei Jahre gedauert, bis ich nach meinem ersten Mac den letzten Win-PC vor die Tür gesetzt habe…

Die Reise beginnt

Eigentlich war ich ja schon mit MS-DOS unzufrieden. Und habe daher DR-DOS (das später Novell DOS hieß) gekauft. Was aber auch nichts half, denn mit Windows 95 versuchte Microsoft, alle Abweichler wieder brav in den heimischen Stall zu treiben. Bezeichnend dafür auch der Einsatz von OS/2 bei der Bundeswehr, in das ich als Grundwehrdienstleistender kurz hineinschnuppern durfte und das eigentlich nur dazu genutzt wurde, Windows auszuführen…

Somit blieb es beim schnuppern – sowohl was Deutschlands Armee als auch OS/2 anging. Linux kam also gerade recht. Meine ersten SuSE-CDs zieren niedrige einstellige Versionsnummern und vor allem tausend Hinweise, die eindringlich darauf aufmerksam machen, dass man für die Installation von X11 gefälligst zu wissen habe was man tut und nicht hinterher rumheulen soll, wenn der Monitor platt ist.

Andere Mütter haben auch schöne Töchter

Ich war begeistert von der Stabilität. Während man Windows eigentlich täglich neu starten musste, um zumindest einigermaßen Performance zu haben, lief Linux auf der gleichen Hardware tagelang problemlos. Dafür war die Benutzeroberfläche eine Enttäuschung. Nicht nur, dass die Installation der selbigen, wie schon erwähnt, eher ein Abenteuertrip ohne Geld-zurück-Garantie war. Wenn es zwar tausend Windowmanager gibt, aber keiner davon richtig verläßlich funktioniert, dann kann einen das nicht vom Hocker reißen. Das soll ja mittlerweile anders sein. Vor zehn Jahren war damit aber kein Blumentopf zu gewinnen. Von fehlenden Applikationen und mangelnder Hardwareunterstützung ganz zu schweigen.
Dafür war Linux damals und ist es auch heute noch im Servereinsatz unschlagbar. Da kommt auch OS X Server nicht ran, nicht zuletzt weil ich keinen Sinn darin sehe, Ressourcen für eine GUI zu verschwenden, die keiner braucht.

Auf der Zielgeraden

Womit wir beim Thema wären. Mit OS X kam ich erstmals 2001 in Kontakt, hielt Windows 2000 aber für das zum damaligen Zeitpunkt beste Betriebssystem. War es auch. Und ist es vielleicht noch heute. Zumindest, wenn man die Auswahl auf Produkte aus dem Hause Microsoft einschränkt und den Serverbereich außen vor läßt. Nachdem ich mir noch kurz vorher einen neuen PC geleistet hatte, musste der Mac warten. Bis Mitte 2003. Die Einführung des G5 und der damit verbundene Preisverfall beim G4 machte mit einem PowerMac „Mirrored Door Drives” meinen ersten Mac möglich. 1 Ghz Prozessortakt, 256 MB RAM, OS 10.2 und vor allem eines: sauschwer. Und damit war nicht das neue Betriebssystem gemeint, sondern die rein physikalischen Werte. Verglichen mit dem PC ist der Mac ein echtes Schwergewicht.

Auch wenn die Begrifflichkeit ‘Switch’ anderes nahelegt, zumindest bei mir hat sich der Wechselprozess langsam vollzogen. Nichts mit Schalter umlegen, PC aus, Mac an. Der PC ist einfach immer mehr in den Hintergrund getreten. Bis ich ihn Anfang dieses Jahres eingemottet habe, weil er seit einem halben Jahr unbenutzt rumstand und auch schon weit vorher nur noch sehr unregelmäßig genutzt wurde, spätestens seit das Rennen um einen neuen Laptop ein PowerBook gemacht hatte. Zugegeben, PC-Laptops hatte ich mir erst gar nicht angesehen. Auf dem Weg dorthin habe auch ich die üblichen Switcher-Hürden durchgemacht. Und dabei unter anderem gelernt, dass man mit Alt Gr + Q im Mailprogramm eben kein @-Zeichen bekommt. Mittlerweile habe ich drei Macs, aber noch keinen davon mit Intel-Prozessor. Neben dem G4, der nach wie vor, aber mittlerweile mit dem Maximum von 2 GB RAM ausgerüstet, seinen Dienst tut und dem schon erwähnten PowerBook verrichtet hier auch seit einiger Zeit ein Mac mini seine Arbeit als Stereoanlage. Die Sache mit der eierlegenden Wollmilchsau ist derzeit wieder in Arbeit, aber nachdem der mini der erste Mac war, bei dem ich das Betriebssystem neu installieren musste, fehlt ihm derzeit noch die Anrufbeantworterfunktionalität und er läßt sich auch noch nicht wieder per Apple Remote (einen eingebauten IR-Empfänger hat er ja noch nicht) bedienen. Bei den anderen Rechner musste ich, bis auf das Einstecken von RAM-Riegeln, nie Hand anlegen.

Es geht nicht ohne…

Ganz verschwunden sind die PCs und Windows für mich aber immer noch nicht. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Bei der Erstellung von Webseiten ist es nunmal unerlässlich, das ganze auch mit Webdevelopers Nightmare, dem Internet Explorer für PC, zu testen. Zumindest das läßt sich aber auch mittels VirtualPC bewerkstelligen, während andere Sachen damit nicht funktionieren wollen oder nicht wirklich praktikabel sind.

So setzt der Bayerische Rundfunk für die Aktualisierung von Videotextseiten eine Software voraus, die es nur für Windows gibt. Und auch wenn das ganze im Prinzip nur ein grafisches Frontend für eine Terminal-Kommunikation darstellt ist mir bisher auf dem Mac nichts über den Weg gelaufen, was diese Funktionalität bieten würde. Und über VirtualPC kann FabEntry nicht auf das Modem im Mac zugreifen, weswegen die Videotextaktualisierung nach wie vor ein altersschwaches PC-Laptop verrichtet (ein Compaq, die mittlerweile ja auch Geschichte sind und im übrigen das erste Laptop, welches Lidl je im Angebot hatte).

Und dann gibt es da noch den Stadionsprecher-PC. Zu meiner Windows-Hochphase selbst bzw. mit Unterstützung meines Bruders zusammengebaut und in den Farben meines Clubs lackiert. Nicht, das ich einen Rechner für das PA bräuchte. Ich kann schließlich selber reden. Aber für das Abspielen von Jingles und Musik stellt das schon eine große Erleichterung dar und ermöglicht, auch wenn man mal wieder ohne DJ dasitzt, eine streßfreiere Zeit als das mit zwei CD-Playern und ständigem Silberscheibenwechsel möglich wäre. Windows 98 (im übrigen das zweitbeste Windows-Betriebssytem) hat aber den Nachteil, dass iTunes nicht läuft und so Einkäufe im iTMS nicht wirklich Sinn machen, wenn man diese auch zur Beschallung nutzen will.

Der Grund, warum da noch kein Mac steht? Zum einen hat meine bewegte Betriebssystemvergangenheit den selben Vorteil wie die Tatsache, als nicht in Mainz Geborener trotzdem in der schönsten Stadt am Rhein zu leben: Man bekommt keinen Ausschlag und keine aufkommende Übelkeit, wenn man nach Wiesbaden fährt. So ähnlich verhält es sich bei mir auch mit Windows. Und für zweimal im Monat (und das auch nur im Sommer) kann ich mit Windows 98 durchaus leben. Auch wenn das Anschließen und Inbetriebnehmen eines USB-Sticks eine echte Herausforderung ist. Und dann habe ich noch keinen Ersatz für SportsSoundsPro gefunden, das sich um das Abspielen der Jingles kümmert. Regensburg, wo ich ja während der EM 2004 während der Vorrunde als Stadionsprecher tätig war, hat ja eine alte Pizzaschachtel mit OS 7 oder 8 und einer selbstgeschriebenen Software im Einsatz. Wenn ich mal Zeit dafür habe könnte ich mir das auch vorstellen. Also nicht die Pizzaschachtel. Aber die selbstgeschrieben Software. Denn alles, was mir diesbezüglich bislang über den Weg gelaufen ist, hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. Das Beste war noch von Paperweight Software, deren Programme sind aber dermaßen buggy, die kann man keinem guten Gewissens zumuten. Hier wäre ich für wirklich gute Tipps sehr dankbar.

Fazit

Der offensichtlichste Unterschied zwischen Windows und Mac ist für mich die Softwareaktualisierung. Während ich bei Windows jedes mal schon nur davon genervt bin, dass es irgendwas neues gibt, was ich dann widerwillig installiere, freue ich mich beim Mac eigentlich immer, wenn es was Neues gibt. Schlimmer noch. Wenn die Softwareaktualisierung eine Woche mal nicht automatisch erscheint, befürchte ich schon, da ist was kaputt.

Wenn es darum geht, auf einen Unix-Kern eine Oberfläche zu setzen, die intiutiv sowie praktikabel ist und darüber hinaus noch Spaß macht, dann kann Apple keiner das Wasser reichen. Weder Linux-Implementierungen wie KDE oder Gnome noch etwa der katastrophale Windowmanager, den SGI mit IRIX ausliefert, kommen auch nur annähernd an OS X heran. Sicher, das Betriebssystem und auch die Mac Platform sind nicht das Non-plus-Ultra, allein der Finder ist schon Grund genug, jeden Tag einmal die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, aber im Vergleich zur Konkurrenz ist Apple derzeit weit mehr als der Einäugige unter den Blinden.

7 Kommentare

  1. Guter Artikel. Ich trauer auch noch etwas OS/2 nach. Das IBM gründlich verbockt. Aber die Präsenz von Windows war zu stark. Auch andere sehr interessante Ansätze wie BeOS wurde leider nicht angenommen. MacOS ist da schon gut. Es ist ein gutes AnwenderOS mit seinen typischen Tücken und Fehlern, die aber nicht soooooo schlimm sind wie zum Beispiel bei Microsoft. Wenigsten liefer Apple einigermassen pünktlich seine OS aus.

  2. Ich entdecke da viele Gemeinsamkeiten. Nur mal um DR DOS und SuSE zu nennen. :)

  3. Meine erste SuSE Version war 5.5. Das waren noch Zeiten, was war ich stolz, als ich endlich ne ISDN Verbindung hatte :D

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  5. ach… die guten alten zeiten :smile:

    bei mir hat der umstieg auch einige zeit gedauert, werde ihn aber endgültig mit dem kauf des neuen macbooks :grin: abschließen, den ich kann leider auf einige spezialanwendungen unter windows :sad: nicht verzichten…

  6. Pingback: Blogpotato » Blog Archive Ich bin dann mal Mac »

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Kommentare sind geschlossen.